„Unseren Helden 1914-18“ – Das Kriegerdenkmal auf dem neuen Friedhof

… wurde 1922 für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges aus Einsiedel (170 Tote) und Erfenschlag (65 Tote) errichtet. Es besteht aus einzelnen, neben- und übereinander gesetzten Segmenten aus Meißner Granit. 

Kriegerdenkmal Einsiedel 26.06.2016Das Ehrenmal wurde vom “Königlich Sächsischen Kriegerverein zu Einsiedel” gebaut und zum Erntedankfest des gleichen Jahres geweiht. Dem vorausgegangen war eine Sammlung zur Finanzierung des Vorhabens.

Der “Königlich Sächsische Kriegerverein zu Einsiedel” hatte auch schon das Denkmal “Den Siegern 1870-71” auf dem Plan errichtet hatte, wir kommen gleich noch einmal darauf zurück.

Im großen Hauptstein, der das steinerne Kreuz trägt, sind die Namen aller Einsiedler und Erfenschlager Gefallenen eingemeißelt. Der Bau folgte einer seit 1871 bestehenden Tradition, dass die Gemeinden ihren Gefallenen eine Gedenkstätte widmen. Wir verweisen hier gerne auf das Buch mit dem kurzen Titel “Das Zwönitztal im Königreich Sachsen, dessen Umgebung nebst Industrie in Wort und Bild” aus dem Jahre 1905. In so gut wie jedem Ort entlang der Zwönitz gab es solch ein Denkmal, gewidmet den Gefallenen der jeweiligen Gemeinde im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und stets waren diese Denkmale so populär, um im gleichen Buche abgebildet zu werden.

 

Das Foto oben zeigt uns den Zustand am 26. Juni 2016. Zu diesem Zeitpunkt war das Erster-Weltkrieg-Denkmal (wieder einmal) über und über mit Moos bewachsen.

 

Kriegerdenkmal Einsiedel fertiggestellt 1922Aber der Reihe nach, gehen wir erst einmal zurück ins Jahr 1922. Auf dem linken Foto ist der Abschluss der Bauarbeiten dokumentiert – stolz präsentiert man sich dem Fotografen. Dieses Denkmal war das zweite seiner Art hier in Einsiedel.
Nachdem der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 für die deutschen Länder siegreich ausging und zur Reichseinigung führte, brachte der Weltkrieg von 1914-18 nach über vier Jahrzehnten Frieden nun die Ernüchterung – er war verloren. Und so war das wohl ein Grund, dieses Ehrenmal viel schlichter zu gestalten als sein Pendant auf dem Plan. Das diese Schlichtheit und das reine Gedenken an die Gefallenen den Fortbestand sicherte, ahnte zum Zeitpunkt freilich noch keiner.
(Foto links: Kirchgemeinde Einsiedel)

Friedhof und Kirehc e Einsiedel mit Gefallenendenkmal 1923Das Foto rechts, etwa vom Röhrensteig aus aufgenommen, zeigt uns das Denkmal in einem Anblick, wie er heute völlig unmöglich ist. Das Bild ist nicht datiert, lässt sich aber gut auf das Jahr 1923 festlegen, da das Denkmal wie geschrieben 1922 errichtet wurde und 1924 der Bau der Siedlung begann.

 

 

 

 

 

 

Ehrenmal Einsiedel 1934

 

Die Ansicht im Jahre 1934 (links) inspirierte einen Autor des “Chemnitzer Tageblattes” im Oktober 1936. In einer Beilage über Einsiedel lesen wir folgendes:
“Auf der Höhe des Bergfriedhofes aber, auf dem in der geliebten Heimaterde auch der von Rotmord in Chemnitz hingemeuchelte Kurt Günther unvergessen in seinem frühen Ehrengrabe schlummert, steht auch, von Laubbäumen umrahmt, das in seiner phrasenlosen Schlichtheit so urdeutsch anmutende Ehrenmal für die Helden von 1914-1918. Es grüßt weit hinaus ins erzgebirgische Land, es weist hinaus in die Täler und über die Höhen der Heimat, Ehrenmal und Mahnmal zugleich in seiner stummen, steinernen Sprache.”

 

 

 

 

Die Jahre vergingen, ein zweiter Weltkrieg, weit schlimmer als der erste, brachte nicht nur unzähliges Leid an den Fronten, sondern Tod und Schrecken auch direkt nach Einsiedel herein. Und als zu Kriegsende der Ort in Schutt und Asche lag … die beiden Denkmale waren unbeschädigt. (Ebenso die „Sedantafel“ und das Kriegerdenkmal in Berbisdorf, das seit 1935 nach Einsiedel eingemeindet war.)

Kriegerdenkmal Einsiedel Am Plan

 

Und hier links sehen wir nun das andere Einsiedler Denkmal auf dem Plan:

Den Siegern
von
1870-71.

Die Gemeinde Einsiedel.

Wir haben für dieses Denkmal vor langer Zeit eine eigene Seite erstellt, die noch in der Version 2004 zu Verfügung steht. Worauf wir aber eigentlich hinaus wollen ist die Darstellung, warum das Denkmal links 1946 abgerissen wurde, das hier behandelte Ehrenmal auf dem Friedhof uns aber bis heute erhalten blieb.

Einerseits haben wir die „Direktive Nr. 30“ des Alliierten Kontrollrates vom 13. Mai 1946. Und andererseits haben wir zwei Schreiben der Landesverwaltung Sachsen, beide ebenfalls vom Mai 1946. Von beiden Schreiben haben wir sehr schlechte Fotokopien, so dass wir zwei Abschriften gefertigt haben.

Entfernung militaristischer und nazistischer Denkmäler 17. Mai 1946

Entfernung militaristischer und nazistischer Denkmäler Präzisierung 28. Mai 1946

 

 

 

Es lohnt sich, vor allem die beiden Schreiben durchzulesen, denn in Ausführung dessen wurde das Denkmal am Plan noch 1946 abgerissen und das Gefallenendenkmal blieb stehen. In Berbisdorf kam eine „Zwischenvariante“ zum Einsatz. Das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges blieb stehen, man entfernte aber die weihevolle Inschrift „Euer Opfer ist heilige Saat“ sowie das bekrönende Schwert mit Stahlhelm und Eichenlaub.

Wieder gingen die Jahrzehnte dahin. Still stand das Denkmal meist unbeachtet auf dem Friedhof. Über irgendwelche Aktivitäten aus der DDR-Zeit, wie auch immer diese ausgesehen haben, liegen uns keine Informationen vor.

Am Volkstrauertag 1994 wurde am Fuße des Denkmals eine zusätzliche steinerne Tafel aufgestellt: „Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“. Es war der Landkreis Stollberg, zu dem Einsiedel im Vorjahr eingegliedert worden war, der die Tafel finanzierte. Auch ließ dieser einige Arbeiten am Denkmal ausführen, mehrere Granitsegmente wurden wieder gerade gerückt und neu verfugt. Zur Einweihung war dann auch der Landrat selbst da sowie ein Oberst aus der Erzgebirgskaserne Marienberg. (Wir vermuten, es handelte sich um einen Oberstleutnant, Kommandeur des Panzergrenadierbataillon 371, einem Truppenteil der damaligen Heimatschutzbrigade 37.)

Kurze Erwähnung fand das Denkmal im Buch „750 Jahre Einsiedel“ aus dem Jahre 2004, was dann wiederum der Startschuss war, selbiges am 25. September 2004 einmal zu säubern (unten links).

http://www.verfassungen.de/de/de45-49/kr-direktive30.htmGereinigtes Kriegerdenkmal Einsiedel 2004Ringsum um das Ehrenmal wachsen stattliche Laubbäume und so zog sich längst ein ebenso stattlicher Moos- und Algenfilm darüber.

Die Säuberung als solche war ein Erfolg (…der allerdings nur wenige Jahre Bestand hat). Aber Ergebnis war auch, dass die eingemeißelten Namen und Daten der Gefallenen trotz Reinigung sehr schlecht lesbar waren -genau wie vorher. Längst war die ehemals schwarze Farbe im Laufe so vieler Jahrzehnte verschwunden. Man musste schon nah herantreten, um die einzelnen Buchstaben zu entziffern.

 

 

Volkstrauertag 2008 BlumengebindeAber unabhängig davon rückte dieses Mahnmal und das nur wenige Schritte entfernte Gedenkkreuz über dem Massengrab für die Opfer des Bombeninfernos vom 5. März 1945 erfreulicherweise am Volkstrauertag wieder in den Focus. Wir haben eine kleine Fotogalerie vorbereitet, die die niedergelegten Blumengebinde und Kränze verschiedener Jahre zeigt.
Links: Volkstrauertag, 16. November 2008

Für den Volkstrauertag 2015 hat auch Haus & Grund Einsiedel seine Kranzniederlegung dokumentiert.

Ab 2015 rückten kleinere Arbeiten an Denkmalen und ähnlichem in greifbare Nähe. Wir zitieren hier noch einmal einen Absatz aus dem „Einsiedler Anzeiger“ vom März 2017, dort hatten wir einige Zeilen über der „Grünpflegefond der Stadt Chemnitz“ geschrieben:

… Was 2015 noch als Pilotprojekt für die Ortschaften der Stadt Chemnitz begann, scheint sich seit letztem Jahr als feste Größe etabliert zu haben. Jede der acht Ortschaften erhält ein Budget von 3.000 € p.a., über das die jeweiligen Ortschafträte selbständig Aufträge vergeben können. Drei Mitglieder, die jedes Jahr durch der Ortschafstrat aus seinen Reihen gewählt werden, koordinieren die anstehenden Aufgaben. „Grünpflege“ ist hier keinesfalls in dem engen Rahmen zu sehen, den der Name suggeriert. …

Wie beim Gedenkstein „Ewige Mahner“ auf dem August-Bebel-Platz, so musste auch hier erst einmal der Moosfilm vom Ehrenmal entfernt werden, oder besser: wieder einmal. Eine Aufgabe, die von der Freiwilligen Feuerwehr Einsiedel auf kurzem Wege erledigt wurde:

Schriftsanierung Kriegerdenkmal EinsiedelDanach begann die recht zeitintensive und sehr filigrane Arbeit des Nachzeichnens der vielen Namen und Todesdaten durch den Einsiedler Malerbetrieb Michael Pfoh. Jeder Buchstabe, jede Zahl musste mit kleinem Pinsel und spezieller Steinfarbe nachgezogen und überschüssige Farbe mit scharfer Klinge wieder abgekratzt werden. Ein großflächiges Aufbringen und wieder Abziehen von Farbe (ähnlich Fliesen verfugen) schied aus, da unzählige kleine Poren und geringfügige Ausplatzungen ein absolut unbefriedigendes Gesamtergebnis hinterlassen würden.
Erschwerend kam dazu, dass nur wenige Tagesstunden zur Verfügung stehen, da der Sonnenstand und damit der Lichteinfall für das korrekte Erfassen der Gravuren entscheidend waren. Und freilich musste auch das Wetter mitspielen. War abends Regen angesagt, wie in so einem deutschen Sommer üblich, konnten keine Arbeiten ausgeführt werden, da die Spezialfarbe auf dem Granitstein eine längere Trockenzeit brauchte.
Die Arbeiten begannen im September 2016, ruhten über Winter und wurden Ende Juli 2017 zum allergrößten Teil beendet. Einige geringe Restarbeiten sind hier im Nachgang noch geplant, z.B. ist ein Name nicht identifizierbar und kann eventuell auf anderem Wege recherchiert werden.

Wir waren bei den Arbeiten immer mal vor Ort und haben eine kleine Fotogalerie vorbereitet:

 

(Vorläufiger) Schlussakkord – das Denkmal am 6. August 2017:

Das Kriegerdenkmal Einsiedel am 6. August 2017

 


 

Harthauer Weg Einsiedel

 

 

 

 

 

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