Die ehemalige Erfenschlager Straße …

… und der Bau der „Entlastungstraße“.

Erfenschlager Straße in Einsiedel 24.06.1939Die Erfenschlager Straße auf einer Fotopostkarte. Der linke Teil, zur Einsiedler Flur gehörend, wird nach dem Krieg den Namen Kurt-Franke-Straße tragen.
(Vorlage: Jürgen Fritzsche)

 

Die Karte lief postalisch am 24. Juni 1939. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt hatte die ehemalige Hauptverbindungsstraße nach Chemnitz-Erfenschlag nur noch untergeordnete Bedeutung. Wie kam das?

 

 

Ideen für eine sogenannte “Entlastungsstraße” gab es bereits seit etwa 1905, 1935 wurden dann detailliertere Vorschläge in den Gemeindebericht eingebracht. Diese neue Straße, wie wir sie heute noch kennen und natürlich auch nutzen, brachte den entscheidenden Vorteil, dass man zweimal das Überqueren der Gleise vermied. Das war bei den damals hohen Zugdurchläufen im Personen- und Güterverkehr durchaus angebracht. Anfang der 1930er Jahre gab es täglich 38 Zug- und 12 Busverbindungen nach Chemnitz.

 

Gärtnerei Weniger mit papierfabrik im HIntergrundIm Jahre 1937 wurde mit dem Bau der Straße begonnen, ein Jahr später wurde sie dem Verkehr übergeben. Diese neue Straße begann am “Kaiserhof” und führte durch das Gelände der 1930 in Konkurs gegangenen Papierfabrik. Das der Fabrik vorgelagerte und für die neue Straßenführung genutzte Gelände ist auf dem Foto links gut zu erkennen. Im Hintergrund die Gebäude der Papierfabrik, vorne die betriebseigene Straße. Als markanter Punkt kann der Teich gelten, da es ihn noch heute gibt, muss er als Bezugspunkt herhalten: Unmittelbar links neben dem Teichrand, da wo sich die kunstvoll angelegten Gartenwege schlingen, befindet sich heute die Straße. Na, erkannt? Weiterhin machte sich eine Verlegung des Flußbettes der Zwönitz nötig. Nahe des heutigen Haltepunkts “Gymnasium” der Erzgebirgsbahn wurde sie in den Mühlgraben der Papierfabrik umgelegt.

 

Die Kosten betrugen seinerzeit 194.000 Reichsmark für die gesamten Bau- und Umverlegungsarbeiten. Die Gemeinde Einsiedel als Bauherr erhielt Zuschüsse von der “Deutschen Reichsbahn” , vom Land Sachsen und vom Reich.
(Kerndaten: Ingobert Rost, Stadtarchiv zu Chemnitz, “Chemnitzer Tageblatt” Oktober 1936)

26. Juni 1955. Auf der Erfenschlager Straße (links) und der Kurt-Frank-Sraße (rechts) stellte der Festumzug anlässlich der 700-Jahr-Feier von Einsiedel. Anders als wir es heute kennen, fand dieser Umzug bereits zu Beginn der Festwoche statt.
Offizieller Start war dann um 13:00 Uhr am ehemaligen Gasthaus “Kaiserhof”. Den ganzen Ort der Hauptstraße folgend, drehte der Umzug über die Brauhausstraße eine Schleife, führte zurück über die Neue Straße um schließlich via Herrmannstraße auf dem Festplatz an der Waldklause zu enden.
(Fotos: Maria Engelhardt)

Winterdienst auf der Kurt-Franke-Straße in Einsiedel 1965

 

 

Zehn Jahre später – Winterdienst auf der Kurt-Franke-Straße 1965.
Der Dienstleister ist der Einsiedler Fuhrunternehmer Adolf Kienert (Seydelstraße 3). Kienerts sämtliche Speditionsleistungen oder aber eben auch der Winterdienst wurden mit seinen Pferden erbracht. Er befindet sich zum Aufnahmezeitpunkt nur wenige Meter von der Stelle entfernt, an der die „Rot-Kreuz-Schwestern“ im Bild darüber standen.
(Foto: Jürgen Krauß)


Kurt-Franke-Straße Einsiedel 1986Kurt-Franke-Straße Einsiedel 30. August 2008

 

 

 

Die Kurt-Franke-Straße im Jahre 1986. (Foto: Jürgen Krauß)

 

In etwa der gleiche Anblick
am 30. August 2005.

 

 


Kurt-Franke-Straße und Am Hübel 2005Zufahrt zu den Häusern Erfenschlager Straße 160-172

 

 

 

 

 

 

Eine Luftbildaufnahme vom 17. August 2005. Links parallel der Gleise verläuft die Erfenschlager respektive Kurt-Franke-Straße als Sackgasse.
Rechts von den Schienen, unter den dichten Bäumen verborgen, die heutige Hauptverbindungsstraße (Entlastungsstraße) nach Erfenschlag. Die Straße vorne mit der starken Biegung ist “Am Hübel”.
(Foto: Uwe Guskowski)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch heute zeigt sich uns die Grenze der Gemarkungen zwischen den beiden Chemnitzer Stadtteilen Einsiedel und Erfenschlag. Erfenschlag endet an der Erfenschlager Straße 172 und unmittelbar danach beginnt Einsiedel an der Kurt-Franke-Straße 4.

Angst´n Bang

(Angst und Bang)

Ein Begriff aus alter Zeit für diese Gegend, der heute nur noch wenigen bekannt sein dürfte. Mit Ausnahme der Bewohner Kurt-Franke-Straße, Erfenschlager Straße und Am Hübel selbstverständlich! Mit großer Genugtuung sehen wir vom Heimatwerk, dass der Name „Angst ‘n Bang“ hier an allerlei Stellen erhalten wird. Und auch die Schreibweise, die dem seinerzeitigen Sprachgebrauch entspricht, ist korrekt!
Früher -also wirklich ganz früher- war das hier ein furchterregender, schmaler Weg durch den Wald in Richtung Chemnitz und es bedurfte also einigen Mutes, diesen bei Nacht zu beschreiten.
Und es nutzte übrigens auch nichts, die andere Zwönitzseite (Niederwaldstraße) zu nutzen, den dort befand sich die „Hölle“, ein Hammerwerk, dessen Pochen und Feuerschein zu später Stunde nicht weniger Furcht erregte.

 

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