Seydelstraße 26

Früher Bäckereien Hauser & Hager, später „Staatliche Arztpraxis“,
heute Kinder- und Jugendtreff „Club E“

Diese Seite behandelt das Grundstück Seydelstraße 26. Ende der 1970er Jahre wurde hier der Flachbau der „Staatlichen Arztpraxis“ fertiggestellt. Diese wurde postalisch der Neuen Straße 30 zugeschlagen, ist aber (wohl seit Ende der 1990er Jahre) wieder Seydelstraße 26. Aber der Reihe nach …

Seydelstraße 26 1914

Da die Seydelstraße um viele Jahre eher als die Neue Straße entstand, ist das Eckhaus Seydelstraße 26 auch wesentlich früher gebaut und der linke Gebäudeteil Neue Straße 30 in den 1930er Jahren angesetzt worden.
Links das Gebäude Seydelstraße 26 auf einer Postkarte, postalisch gelaufen am 24. Juni 1914 (Vorlage: Jürgen Fritzsche).

Reklame Bäckerei HauserEiniges Wissenswerte zum Gebäude haben wir in Erfahrung gebracht. Unten, mit dem Eingang an der Ecke, war die Bäckerei Hager. Die Hagers wohnten auch in Erdgeschoss. Im Jahre 1926 gehörte diese Bäckerei noch einem Max Hauser, siehe die nebenstehende Annonce aus dem gleichen Jahre (Vorlage: Ingobert Rost).

In der ersten Etage wohnten die Familien Großmann und Arno Ullrich (Eisenbahnsekretär) und im Dachgeschoss die Familien Reinhold und Uhlmann. Diese Angaben beziehen sich auf das Jahr 1944.

Auf einem anderen hier vorliegenden Plan, ebenfalls aus dem Jahre 1944 (12. Dezember) sind Grundstücke eingezeichnet, welche sich zum Zeitpunkt im Besitz der Firma Wex & Söhne befinden – dieses Haus gehört dazu. Wohlgemerkt nur das Eckhaus Seydelstraße 26, das angebaute Gebäude Hans-Schemm-Straße 30 hatte einen anderen Eigentümer.

Bäckerei Hager Einsiedel 1944

Das Gebäude Seydelstraße 26 auf einer Fotographie aus dem Jahre 1944. Es sollte der letzte Sommer für das stattliche Haus sein. Wie berichtet, ist der Gebäudeteil am linken Bildrand (also die linke große Dachgaube) schon das Haus Neue Straße 30. (Zum Aufnahmezeitpunkt “Hans-Schemm-Straße 30”.)

Ruinen Seydelstraße

Das Gebäude ging im Bombenterror des 5. März 1945 unter. Auf dem Foto, das uns einen Blick in die Seydelstraße gewährt, sehen wir es ganz links, der vormalige Bäckereieingang ist gut zu erkennen.

Sepp Lemberger

Die Ruinen wurden später abgetragen, das Haus selbst nicht wieder errichtet. Ab ca. 1955 gehörte das Grundstück dem Josef (Sepp) Lemberger. Das Foto zeigt ihm im Juni 1962.
Die unbebaute Fläche diente jetzt der Heu- und Grasgewinnung. Unzählige Schuppen und Kaninchenställe waren im rückwärtigen Teil des Grundstücks zu finden.
(Foto: Bernd Obermaier)

 

Staatliche Arztpraxis Einsiedel

Im Jahre 1978 wurde auf dem Grundstück der Flachbau der “Staatlichen Arztpraxis” fertiggestellt, der unmittelbar an das schon länger wieder errichtete Gebäude Neue Straße 30 angebaut wurde, dort auch das Erdgeschoss dieses Gebäudes nutzte und von da ab dieser Adresse postalisch zugeordnet war.
1986 wurde hier in den Kellerräumen noch eine physiotherapeutische Abteilung fertig gestellt.
(Foto: Haus & Grund Einsiedel)

Zur Arzt- und Zahnarztversorgung in Einsiedel seit Ende des Krieges nun einige kurze Betrachtungen:
Anfang 1948 kehrte Dr. Fritz Rauh aus französischer Kriegsgefangenschaft zurück und eröffnete am 1. April d. J. unter den typischen zeitgemäßen (…katastrophalen) Umständen eine Praxis in der Hauptstraße 56 (…war später Schlosserei Viehweg). Die örtlichen Verhältnisse besserten sich, als Anfang der 1950er Jahre der Umzug in die Erdgeschossräume des Hauses Hauptstraße 88 (vormals C.B. Reinicke) erfolgte. Rauh übte hier seine Tätigkeit bis zu seinem frühen Tode 1973 aus, sein Schwiegersohn Dr. Rolf Dietel übernahm die Praxis. Zu dieser Zeit beschäftige sich der Einsiedler Gemeinderat mit Möglichkeiten, um die medizinische Versorgung im Ort zu verbessern. Man entschied sich schließlich für den Neubau, der oben auf dem Foto abgebildet ist. 1978 war dieser fertig und bot nun für Dr. Dietel und die beiden Zahnärzte Christiane Rehm und Dieter Roscher ausreichend Platz. Auch die Gemeindeschwester hatte hier ihr Domizil.

Foto oben links: Dr. Rolf Dietel verbindet der Gemeindeschwester Petra Franke den Fuß. Im Hintergrund und auf dem rechten Foto: die langjährige Arzthelferin Ruth Seiler. (Fotos: Ruth Seiler)
Zu DDR-Zeiten waren diese Zahn-/Ärzte, Schwestern und Arzthelferinnen Angestellte der Gemeinde und hatten keine privat geführten Praxen wie heutzutage. Das änderte sich freilich 1990 und derartige Arbeitsverhältnisse mit der Gemeinde wurden aufgelöst. Dietel und Roscher eröffneten Ende 1995 ihre neuen Praxen im Neubau Am Plan 4, Rehm zog in das Sparkassengebäude in der Hauptstraße 80.

Mit Beschluss B 166/95 beschloss der Gemeinderat Einsiedel unter dem 16. August 1995, das Gebäude vorerst nicht zu veräußern und eventuellen Interessenten zur Vermietung anzubieten.

März 1996: Ein „Haus der Vereine“ soll entstehen (Beschluss 23/96). Im September 1996 lesen wir im „Gemeinde-Anzeiger Einsiedel“, dass das Architekturbüro Klaus Sandner aus Chemnitz von der Gemeindeverwaltung den Planungsauftrag erhalten habe, für das zum Zeitpunkt leerstehende Gebäude Nutzungsmöglichkeiten als Senoiren- und Jugendclub zu prüfen.

Entscheidend war dann der Beschluss 115/96, den die Gemeindeverwaltung unter dem 13. November 1996 traf. Es wurde beschlossen, hier einen „Jugendtreff“ einzurichten. Vor dem Hintergrund der kurz bevorstehenden Eingemeindung nach Chemnitz (1. Januar 1997) wurden jetzt alle Vorbereitungsmaßnahmen mit dem Jugendamt der Stadt und dem „Christlichen Jugenddorfwerk Burkhardtsdorf“, das als freier Träger vorgesehen war, abgestimmt.
Die Jugendlichen sollen mit einbezogen werden und die Gemeinde will den Jugendtreff mit dem nötigen Inventar ausstatten. Als einer der letzten Punkte der selbständigen Gemeinde Einsiedel wird mit Beschluss 206/96 die Bereitstellung von 12.600 DM für die Einrichtung des auszubauenden Jugendtreffs beschlossen.

Einsiedler Neue Straße 30 1997

10. März 1997, vor dem Umbau. In der linken Bildhälfte die „richtige“ Einsiedler Neue Straße 30, hinten der hier behandelte Anbau, der dieser postalisch zugeordnet war.
(Foto: Club E)

1997 ging es dann nur schrittweise voran, da Einsiedel nun ein Chemnitzer Stadtteil und die Fertigstellung des Jugendclubs nicht im Eingemeindungsvertrag niedergeschrieben worden war. Somit hatte die Stadt Chemnitz auch keine Mittel dafür in ihrem Haushaltplan. Der neue Träger der Einrichtung, das Christliche Jugenddorfwerk Burkhardtsdorf, führte notwendige Restarbeiten mit den Jugendlichen in Eigenleistung durch.

Andere freie Träger sowie der Einsiedler Ortschaftsrat und das Jugendamt der Stadt Chemnitz stellten finanzielle Mittel zu Verfügung. Am 15. Februar 1998 konnte der Jugendclub Einsiedel schließlich eröffnet werden.

Im Februar 2001 erhielt der Träger einen Scheck der ESSO-Niederlassung Chemnitz über 5.000,- DM, wo durch sich weitere Vorhaben realisieren ließen. Auf über 100 m² stehen den Jugendlichen Spiel-, Billard- und Aufenthaltsräume zur Verfügung. Alle Kinder (nachmittags) und Jugendlichen (abends) zwischen neun und 27 Jahren sind herzlich willkommen.
Eine feine Sache, wie wir meinen möchten …

Club E Einsiedel Jugendclub

20. Januar 2008

Kinderland Sachsen eVTag der offenen Tür 2016Als neuer Träger übernahm der Verein “Kinderland Sachsen e.V.” 2003 den Einsiedler Jugendclub.

Kurze Artikel (oft auch mit Fotos) im “Einsiedler Anzeiger” lassen die Aktivitäten des Clubs auch für die, die älter sind, gegenwärtig werden.
Weiterhin gibt es jährlich den „Tag der offenen Tür“, nachfolgend einige Eindrücke vom 16. April 2016:

 

 

 

Sabrina Uhlig & Silke Schönberner

Sabrina Uhlig, gern gesehene ehrenamtliche Mitarbeiterin und Silke Schönberner, die Projektleiterin, am 16. April 2016.

 

 

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