Von Rothenburg zur Seydelstraße

In Einsiedel befasste man sich schon recht früh mit der Ausgestaltung bestimmter Ortsteile. Bereits 1903 beschloss man spezielle Bauvorschriften für den Ortsteil “Rothenburg” an der nachmaligen Seydelstraße. Diese Vorschriften bestimmten im Wesentlichen die Größe der Wohnräume. Für die äußere Gestaltung der Grundstücke und Hausfassaden erfolgte 1906 eine Ausschreibung unter den Mitgliedern der “Bauhütte Chemnitz”. Man legte viel Wert auf eindrucksvolle, aber zweckmäßige Bauten. Die Stadt Rothenburg ob der Tauber (Bayern) mit ihren vielen mittelalterlichen Gebäuden sollte neben anderen historischen Städten als Beispiel dienen. Daher rührt auch der Name für den Ortsteil, welcher allerdings heute keine Anwendung mehr findet und nur noch den allerwenigsten in Bezug auf Einsiedel bekannt sein dürfte.

Man entschied sich letztlich für einen Entwurf des Regierungsbaumeisters Dr. Paul Klopfer aus Holzminden. Die Architekten Emil Büttner und Paul Meier wurden schließlich mit der Projektierung und Ausführung beauftragt. Büttner war es dann auch, der bis 1912 erste Häuser auf eigenen Kosten bauen ließ.

Einsiedel Rothenburg 1911

Der “Selbstverlag Büttner & Meier, Einsiedel”, gab z. B. auch diese Postkarte mit einer Projektionszeichnung für die Bebauung der Seydelstraße heraus. Die Karte lief postalisch am 5. Juli 1911.

Einsiedel Rothenburg um 1914

Das Foto zeigt die Ausbaustufe von Einsiedel-Rothenburg etwa um 1913/14.

Der Text in der nachfolgenden Ansichtskarte verrät uns schon den Blickwinkel. Und der aufmerksame Betrachter erkennt auch, dass zum Aufnahmezeitpunkt bereits Teile der Reichsstraße bebaut sind. Um den August-Bebel-Platz (rechts) indes sind noch keine Gebäude errichtet.

Rothenburg von Waldesrauschen aus

Aufnahme wohl zwischen 1925 und 1929.

Das Bombeninferno am 5. März 1945 hinterließ auch auf der Seydelstraße eine Spur der Verwüstung. Nachfolgend sehen wir eine Zeichnung von Walter Viertel aus dem Jahre 1946.

sys Viertel Ruinen1 600

Zur Orientierung: Die Gebäude links und Mitte (hinter dem Zaun), die hier rückseitig zu sehen sind, grenzen an den August-Bebel-Platz. Das linke Haus wurde nicht wieder errichtet, heute ist dort eine Parkfläche. In der Bildmitte der “Kreml”, August-Bebel-Platz 1. Die Ruine am rechten Bildrand wurde ebenfalls abgetragen. Lange war hier Freifläche, bevor von 1973 bis 75 dann dort der sogenannte “Neubau” (Seydelstr. 13-19) errichtet wurde.

sys Viertel Ruinen3 600

Oben eine weitere Zeichnung von Walter Viertel, ebenfalls von 1946. Der Focus rückt jetzt etwas nach rechts, wir blicken in den oberen Teil der Seydelstraße. Links die Ruine der Nr. 13, rechts die Nr. 14. In der Bildmitte im Hintergrund am Ende der Straße das Gebäude Neue Straße 27 und 29. Es scheint intakt zu sein, aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Seydelstraße vom Schulturm aus

Ein Blick vom Kirchturm wohl Ende der 1950er Jahre. In der Bildmitte die Rückseite der Gebäude Seydelstraße 5 und 3 (Adolf Kienert). (Foto: Hans Morgenstern)

 

 

Seydelstraße und August-Bebel-Platz 1999

Recht gut verdeutlicht uns diese Luftbildaufnahme aus dem Jahre 1999 die zwei 90°-Kurven der Seydelstraße.
(Foto: Jürgen Krauß)

Seydelstraße 2005

Eine Luftbildaufnahme vom 17. August 2005.
(Foto: Uwe Guskowski)

 


 

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