Talsperrengrund 1

Ehemalige Ortslistennummer/Brandkatasternummer 100

Bis 1908 das Kreißig-Gut (Robert Erdmann Kreißig)

 

Uferstraße 1 um 1900Das Haus auf dem Grundstück Talsperrengrund 1 hat mittlerweile auch schon ein stattliches Alter erreicht. Links eine frühe Aufnahme, die wohl um das Jahr 1900 herum entstanden ist. Das ursprüngliche Baujahr des Gebäudes kann auf etwa 1850, wenn nicht noch früher, datiert werden.

In der Chronik von Max List (1972) und in alten Adressbüchern finden wir einige Sätze zum Anwesen.
Wie eingangs beschrieben, gehört die kleine Wirtschaft (1/2 Hufe) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts einem Robert Erdmann Kreißig. Er betrieb die bäuerliche Tätigkeit in „Teilzeit“ und war laut Angaben in der Chronik List im Nebenberuf noch Hausstrumpfwirker. (Es ist zu vermuten, dass wohl die Strumpfwirkerei den größeren Teil des Einkommens ausmachte.) Ursprünglich gehörten zum Anwesen Felder im Fischzuchtgrund, die er aber 1873 an den Königlich-Sächsischen Forst veräußerte. Neben ihm verkaufte auch ein Hermann Wieland (Uferstr. 21) dort seine Felder, so dass auf den ehemaligen Fluren der beiden die von Oberförster Richard Bruhm gegründete „Edelfischzucht AG Einsiedel“ etabliert werden konnte. Die Gesellschaft bestand nur zehn Jahre, der Name „Fischzuchtgrund“ und das ehemalige Wohnhaus erinnern uns bis heute daran.
Die beiden Verkäufer von der Uferstraße bewirtschafteten fortan Pfarrfelder, bevor beide 1908 die Wirtschaften aufgaben, d.h. die Güter wurden nicht mehr landwirtschaftlich genutzt.

 

Damit folgten sie einem „Trend“. Seit Beginn der Industrialisierung wurden mehr und mehr Güter aufgegeben, die Landwirtschaft verlor immer weiter an Bedeutung als Haupterwerb in Einsiedel (und nicht nur hier).
Zum Vergleich: 1841 gab es in Einsiedel ohne Berbisdorf 29 Bauerngüter + Pfarrgut + Lehngericht. 2016 haben wir noch drei, zwei davon in Berbisdorf.
(Quelle: Einsiedler Anzeiger Februar 2015 Ingobert Rost)

 

"Junge Welt" Januar 1967Talsperrengrund 1 13.08.2006 Textschnipsel

 

 

 

 

In den Jahren 1965-66 erfolgte eine aufwendige Sanierung, welche auch in der DDR-Jugendzeitschrift “Junge Welt” entsprechend gewürdigt wurde. Der Zeitungsausschnitt stammt vom Januar 1967.
(Vorlage: Eheleute Theileis)

Rechts das äußerlich fast unveränderte Gebäude am 13. August 2006.

 

 

Blick zur Talsperre 08.06.1903

Das Grundstück, welches nach heutigen Verhältnissen mitten auf dem Talsperrengrund liegt, trägt die Hausnummer „1”, weil damals hier die Straße begann. Bei der nebenstehenden Fotopostkarte aus dem Jahre 1903 sehen wir die Brücke über den Überlaufkanal der Talsperre (Kaskaden) und verfolgen von da aus den Weg weiter nach links, er ist (…bis zum Dach des Rathauses) gut erkennbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Um den Sachverhalt zu dieser Brücke verständlich zu machen, zitieren wir die Zuschrift eines Mitarbeiters der „Landestalsperrenverwaltung Sachsen LTV“ vom April 2016:

Eine Anmerkung habe ich noch zur Brücke über die Hochwasserentlastung, welche zum Grundstück Talsperrengrund 1 führt. Das Grundstück der Hochwasserentlastung von der Straßenbrücke Altenhainer Allee bis zur Einmündung in die Zwönitz hat der LTV bis zum Jahre 2012 gar nicht gehört. Eigentümer war hier die Südsachsen Wasser GmbH.

Als die Talsperre 1894 in Betrieb gegangen ist, war sie im Eigentum der Stadt Chemnitz gemeinsam mit der Wasseraufbereitungsanlage. Zu Zeiten der DDR wurden das Wasserwerk dann von der VEB WAB und die Talsperre von der WWD (Wasserwirtschaftsdirektion) verwaltet und irgendwann nach 1990 gab es dann eine Vermögenszuordnung/Grundstückszuordnung an die als Staatsbetrieb gegründete LTV, sowie den Fernwasserzweckverband. Dadurch ist eine Trennung der Grundstücke entstanden.

Rein rechtlich ist derjenige Eigentümer einer Brücke, auf deren Auflager sie liegt. Dies war hier zu 50% auf städtischem und 50% auf privaten Gebiet. Also alles etwas verzwickt!

Als wir die Hochwasserentlastung der Talsperre kürzlich sanierten, hat die LTV im Vorfeld das Grundstück der gesamten Hochwasserentlastung erworben und die Brücke ebenfalls auf Kosten der LTV saniert, mit der Begründung zur erforderlichen Fließgewässerunterhaltung (Zwönitz) durch die Flussmeisterei Chemnitz.

Das Heimatwerk Einsiedel bedankt sich für die Genehmigung zur Veröffentlichung. Wir möchten an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir grundsätzlich an Hinweisen, Ergänzungen, Richtigstellungen usw. interssiert sind. Und das betrifft natürlich das gesamte Projekt.
Die vier nachfolgenden Fotos stammen vom 21. April 2013. Das oben geschilderte Bauvorhaben der LTV beginnt. Eine Behelfsbrücke wurde montiert und dem Abriss und Neubau der Hauptbrücke steht nichts mehr im Wege.

 

Talsperrengrund 1 von der oberen Kaskadenbrücke aus

Von der oberen Kaskadenbrücke aus … 21. Februar 2015.

 

Schlussendlich einige Aufnahmen vom 29. April 2016.

tsg1 290416 (4) 600Noch ein Blick von der 2013 neu bzw. wieder errichteten Brücke die Kaskaden hinauf.
Wir sehen den unteren Teil der Hochwasserentlastung der Talsperre Einsiedel. Im Hintergrund die Altenhainer Allee, oberhalb dieser finden wir den größeren Abschnitt dieses Kanals mit wesentlich mehr und teilweise höheren Stufen.

Brückenbaujahr

Brückenbaujahr

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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