Berbisdorfer Straße 18

Ehemalige Ortslistennummer/Brandkatasternummer 48

Vormals Drechslerei Max Hofmann (Horndreher),
später Erzgebirgisches Kunsthandwerk Werner Glöß,
Inhaber heute Barbara & Steffen Göthel

Als am 20. Mai 1873 Traugott Langer das Fachwerkhaus in der Berbisdorfer Straße 18 erwarb, war das Gebäude bereits 81 Jahre alt. Und somit ist dieses Haus, welches 1792 als „Mühle mit Wasserrad“ errichtet wurde, vermutlich das Zweitälteste in Einsiedel.
Platziert haben sich mit Baujahr (vor) 1787 die Fachwerkhäuser Talsperrengrund 9 und Rosenstraße 12 (1797).

Fachwerkhaus Berbisdorfer Straße 18. Undatierte Aufnahme, nach 1911.

Traugott Langer war als Pfeifendrechsler tätig, der aus Tierhorn Pfeifenköpfe drehte. So entstand der Name “Horndreher“, der sich bei einigen Zeitgenossen bis heute erhalten hat. (Zum ehemaligen Berufsbild „Horndreher“ haben wir diese Seite gefunden.)

Das Gebäude in dem 1920er Jahren. Im Hintergrund links oben die „Lohs-Villa“, Baujahr 1886 und 2020 abgerissen.
(Foto: H+G Einsiedel)

Lehrbrief Max Hofmann 1891Drechsler Max Hofmann, EinsiedelJa, und dem aufmerksamen Betrachter ist ganz sicher das Schild an der Fassade aufgefallen:
„Drechslerei Max Hofmann“.

Albin Maximilian Hofmann (* 1872 † 1954) kaufte das Grundstück am 19. August 1901.

Links sehen wir dessen Lehrbrief als Drechsler-Lehrling in jungen Jahren, rechts eine Aufnahme vom ihm wohl aus den 1940er Jahren.

 

Drechslerei Max Hofmann, Einsiedel, um 1925Kastanie nahe Boden-Gut in Einsiedel, Berbisdorfer StraßeUnd dann haben wir noch zwei interessante, historische Aufnahmen. (Fotos: Ingobert Rost)
Links die Drechslerei Hofmann aus östlicher Richtung, also die Berbisdorfer Straße hinauf.
Vielleicht noch interessanter die Kastanie auf dem Foto rechts. Sie stand gegenüber der Einfahrt zum Boden-Gut Berbisdorfer Straße 17. Dahinter erkennen wir noch einen Teich. Dieser war rechteckig und gehörte zum hier behandelten Grundstück. Angelegt wurde er seinerzeit, um den Zulauf am Wasserrad zu regulieren.
Max Hofmann musste ihn später im Zuge eines gerichtlichen Vergleichs mit seinem Nachbar, dem Strumpffabrikanten Christian Karl Lohs, zuschütten. Lohs´ Ehefrau hatte sich am Quaken der Frösche in ihrer Nachtruhe gestört gefühlt…
(Zu dieser für Einsiedel berichtenswerten Gegebenheit wollen wir versuchen, noch einmal vertiefende Informationen zu erhalten. Bei Erfolg werden wir diese selbstverständlich hier noch ergänzen.)


Nachfolgend noch einige „Schriftstücke“ zur Firma Max Hofmann.

Gewerbeanmeldung Werner GlößIm November 1956 kaufte der am 13. Juni 1924 in Heidelberg (Seiffen) geborene Werner Glöß das Grundstück von den Erben Max Hofmanns und übernahm damit auch die Drechslerwerkstatt.
Glöß war für kunstvolle Holzarbeiten “vorbelastet“. Kein Wunder, wenn man wie erwähnt aus Seiffen stammt und der Großvater als Holzspielzeughersteller arbeitete. Dem Wunsch seines Vaters entsprechend erlernte er den Beruf eines Sitzmöbelbauers, besuchte aber zeitgleich die Spielwarenfachschule, um seinen Traumberuf zu erlernen.

Hauptgebäude und Hintergebäude mit Werkstatt Anfang der 1960er Jahre. Die großen Holzstapel rechts gehörten zur Drechslerei, lagerten wegen Platzmangel aber auf dem Grundstück des Oertel-Gutes, zu dem auch die Auffahrt (Rampe) im Vordergrund gehört.

Glöß wurde nach der Übernahme der Drechslerei Hofmann (jetzt „Erzgebirgisches Kunsthandwerk Werner Glöß“) die Werkstatt alsbald zu klein und so erfolgte bereits in den 1960er Jahren ein neuer Werkstattanbau an der Giebelseite, der 1981 noch einmal aufgestockt wurde, jetzt allerdings zu Wohnzwecken (Fotos unten). Auf dem Bild unten rechts sehen wir Werner Glöß vor dem Gebäude um 1981/82. Dahinter der Anbau mit Werkstatt (unten) und Wohnraum.

Erzgebirgisches Kunsthandwerk Werner Glöß - Bemalen des Jägers für die Einsiedler PyramideDer Jäger der Einsiedler Pyramide 2010Werner Glöß war es auch, der die Figuren und natürlich auch die Spanbäume der Einsiedler Pyramide schuf.
Auf dem linken Foto sehen wir ihn beim Bemalen des Jägers für die Pyramide, das Foto entstand 1970.
Rechts der Jäger am 27. November 2010 in Lauerstellung.
Freilich nicht für die Jagd, sondern wartend auf die alljährliche Mitfahrgelegenheit auf der Pyramide.




Werner Glöß´ jahrzehntelanges Schaffen, sein Wirken und dessen Anerkennung werden durch den nachfolgenden Flyer recht deutlich.

Werner Glöß, Steffen und Barbara Göthel in der Werkstatt

Ein Foto aus der Werkstatt, April 2001:
„Der Meister und seine Schüler“

Neben Werner Glöß dessen Schwiegersohn Steffen Göthel und Tochter Barbara Göthel geb. Glöß.

Details einer Weihnachtspyramide im Rathaus DresdenPyramide für das Dresdner Rathaus von der Fa. Werner Glöß in EinsiedelEine Pyramide für das Dresdener Rathaus. Die Aufnahme ist aus dem Jahr 2004 und die hier gezeigte Pyramide ersetzte ein sehr ähnliches Exemplar von Werner Glöß aus dem Jahr 1983, welches in den Kellerräumen des Dresdner Rathauses lagerte und im August 2002 dem Hochwasser zum Opfer fiel.

Und es gab weitere dieser 3,30 m hohen Pyramiden:

  • 1980 Gästehaus Karl-Marx-Stadt,
    jetzt DREGENO Seiffen
  • 1982 Rathaus Karl-Marx-Stadt
  • 1986 Kulturzentrum Paris
  • 1989 Stadt Berlin (Ost)
  • 1990 Privatperson,
    ab 2017 Stadthalle Chemnitz
  • 1996 Paletti-Park Lugau

Oben sehen wir Steffen Göthel, Werner Glöß und dessen Tochter Barbara am 20. Juni 2004 im Garten von Berbisdorfer Straße 18 bereit zum Abmarsch für den Festumzug anlässlich der 750-Jahr-Feier in Einsiedel und unten dann das dargestellte Bild im Festumzug selbst.

(Foto: Archiv Heimatwerk Einsiedel)

Steffen Göthel, Einsiedel, beim Spanbaumstechen am 13. Dezember 2004Werner Glöß´Schwiegersohn Steffen Göthel machte sich einen Namen als “Meister der Riesenspanbäume“.
Nebenstehend sehen wir ihn bei der Herstellung eines solchen Baumes am 13. Dezember 2004.
(Foto: Wolfgang Thieme)

Patentanmeldung Beschluss 1974

Beschluss zur Patentanmeldung 1974. Das in diesem Schreiben „Spanbaum“ genannte Patent ist eigentlich der von Glöß entwickelte Raureifbaum.

Als die Firma Erzgebirgisches Kunsthandwerk Werner Glöß 2006 ihr 50-jähriges Jubiläum feierte, konnte der Inhaber auf eine äußerst erfolgreiche Zeit zurückblicken. Über 15 Baumarten hat er neu entwickelt, die international patentiert sind. Neben dem 1979 in der DDR verliehenen Titel “Anerkannter Kunsthandwerker“, erhielt er für sein Lebenswerk 2004 vom Verband der Erzgebirgischen Kunsthandwerker den “Designerpreis Form und Tradition“.
Die Zeitungsartikel, die über das Wirken von Werner Glöß berichteten – sowohl zu DDR-Zeiten, als auch nach der Wende – sind ungezählt.

Werner Glöß verstarb am 16. August 2008. Er wurde am 29. August 2008 um 14:00 Uhr unter großer Anteilnahme auf dem Einsiedler Friedhof beerdigt.

Unter dem 1. November 2014 finden wir in der “Freien Presse“ einen Artikel über weihnachtliche XXL-Figuren aus dem Erzgebirge.

Freie Presse 01.11.2014Die in nebenstehenden Ausschnitt genannten Kurrende haben wir auf den Fotos oben schon gezeigt. Alljährlich in der Advents- und Weihnachtszeit stehen sie auf dem Balkon in der Berbisdorfer Straße 18. Und wir wollen nicht versäumen, darauf hinzuweisen, dass ein persönlicher Besuch vor Ort erstrebenswert erscheint, denn einige Leute, die an jener Stelle vorbeikamen, vermeinten, hie und da Gesang gehört zu haben …

 

Die Familientradition wird fortgesetzt:
Steffen Göthel mit den 75 Zentimeter hohen Kurrendekindern. Foto: Wolfgang Thieme
Das Gebäude Berbisdorfer Straße 18 am 16. Mai 2017.

 Heimatwerk Einsiedel sagt Danke!

Für die Unterstützung zu dieser Seite bedanken wir uns bei:

  • Barbara & Steffen Göthel
    Die Fotos und Belege dieser Seite sind – wenn nicht anders gekennzeichnet – von ihnen. Außerdem eine Fülle von Informationen.

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