Harthauer Weg 1

Ehemalige Ortslistennummer/Brandkatasternummer 55 F

Fotoateliere Förster, Roux & Löffler-Urbahn, außerdem „Farben-Preißler“

 

Kirchgasse 1 in Einsiedel um 1890Das Gebäude Harthauer Weg 1 ist mit einem Baujahr um 1850 eines der ältesten, heute noch stehenden Gebäude im Ort. Das Foto zeigt uns den Zustand etwa um 1890. Die links zu sehende “Friedenseiche” wurde 1871 gepflanzt, insofern lässt sich der Aufnahmezeitpunkt einigermaßen datieren.
(Foto: Manfred Wildfeuer)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit 1885 befand sich in dem Gebäude das Fotoatelier von Hermann Förster. Aus diesem Grunde erfolgte am westlich liegenden Flügel später der Anbau eines großen Glashauses, also eine Art Wintergarten. Dies diente dazu, um auch bei schlechter Witterung entsprechende Fotografien, in erster Linie Porträtaufnahmen, zu fertigen (Lichteinfall). Das Geschäft mit der Fotografie sollte noch viele Jahrzehnte im Hause verbleiben.
Die Zeichnung linker Hand zeigt die Rückseite eines Fotos, einen Werbedruck auf einer festen Unterlage aus Pappe, mit dem die Aufnahme stabilisiert und gleichzeitig die entsprechende Reklame “gestreut” wird. Auf die vielfältigen, oftmals sehr aufwändig gestalteten und dem damaligen Zeitgeist entsprechenden Fotorückseiten kommen wir gleich noch einmal zurück.
(Vorlage: Andreas Wildfeuer)

 

 

Helene Andree, Einsiedel, um 1905Fotorückseite Atelier Förster, EinsiedelNebenstehend eine typische, professionelle Porträtaufnahme mit großer Tiefenschärfe von Hermann Förster etwa aus den Jahren 1905/06.
Dargestellt ist die später auf der Berbisdorfer Straße wohnende Einsiedlerin Helene Andree, geb. Stoll.

Auch hier Reklame in zeitgenössigem Jugendstil auf der Rückseite:
“Atelier für moderne, künstlerische Photographie. Prämiert: Dresden 1901 und Leipzig 1904.”
Text darunter:
“Die Platte bleibt zum Nachbestellen aufbewahrt. Vergrößerungen nach diesem sowie jeden anderen Bilde in feinster Ausführung.”
(Foto: Jörg Herrmann)

 

 

 

 

 

Kirchgasse 1 in Einsiedel, heute Harthauer Weg 1Frau Neubauer, Einsiedel, Am PlanNoch eine Porträtaufnahme Hermann Försters. Hier wollen wir uns zuerst einmal der Rückseite widmen, präsentiert sie doch die eingangs der Seite “Harthauer Weg” beschriebene ehemalige Straßenbezeichnung “Kirchgasse”.
Und auch hier: Ganz klassischer Jugendstil.

Die Vorderseite rechts zeigt uns eine Frau (Vorname?) Neubauer. Auch sie stammte aus Einsiedel und wohnte vermutlich in der Schusterei Roth, Am Plan. Sie verstarb früh, weitere Daten sind nicht bekannt.
(Foto: Heinz Mütze)

 

 

 

 

 

 

Fotorückseite Jugendstil, Förster EinsiedelOben und nebenstehend noch einmal drei weitere Motive über die Gestaltung von Rückseiten der hochwertigen Fotografien des Hermann Förster.

Noch heute finden wir in einschlägigen Auktionshäusern oder Flohmärkten viele Aufnahmen aus seinem Atelier. In den allerseltensten Fällen ist der Name der abgebildeten Personen bekannt. Die gängigsten Umschreibungen lauten daher:
“Schöne Frau, stolzer Soldat, edle Herren … auf einem Foto aus dem Atelier Hermann Förster“ usw.

Die Anbieter selbst wissen mit den Ateliernamen wohl nichts anzufangen. Der Heimatbelegsammler ist meist überversorgt und ohne die Namen der Personen auf der Vorderseite ist auch das Motiv an sich für die allermeisten anderen Sammler und Genealogen uninteressant. Das erklärt auch, warum nie ein entsprechend hoher geforderter Preis für so ein altes “Original-Förster-Foto” erzielt wird, so man es überhaupt verkaufen kann …
(Vorlage oben links: Bernd Obermaier)

 

 

 

 

Annonce Fotograf Roux 1935Nach Hermann Förster übernahm Ludwig Roux das Geschäft. Dieser stammte aus Leipzig und wohnte fortan in Einsiedel, da er eine der beiden Töchter des Oberförster Bruhm geheiratet hatte.

Anzeige im Adressbuch 1926/27

 

Die Anzeige links stammt aus dem Einsiedler Adressbuch 1926/27, die Annonce rechts aus dem Einsiedler Wochenblatt 1935.
(Vorlagen: links Ullrich Krauß, rechts Hans-Christian Günther)

 

 

 

Annonce Farben-Preißler, Einsiedel, 1935Seit mindestens 1897 finden wir im Gebäude auch den „Farben-Preißler“. Links eine Anzeige desselben aus dem Einsiedler Wochenblatt von 1935.
(Vorlage: Hans-Christian Günther)
Auf dem Foto unten rechts (Sommer 1959) erkennen wir ein Schaufenster rechts neben der Haustür. Dieses gehörte auch zu Malermeister Ernst Preißler, der einige der Erdgeschossräume damals als Verkaufsraum, Büro und Lager nutzte.

 

 

Harthauer Str. 1 in Einsiedel 1959Rechts ein Foto des Hauses Harthauer Weg 1 im Sommer 1959. Nach wie vor beherbergt das Gebäude ein Fotoatelier.

Inhaberin zu dieser Zeit ist Ingeburg Löffler-Urbahn. Diese war vorher bei Ludwig Roux beschäftigt und betreibt nunmehr das Geschäft im 1. Stock des Hauptgebäudes, da der oben beschriebene “Wintergarten” seit dem Bombenangriff 1945 nicht mehr existierte und auch nach dem Kriege nicht neu errichtet worden war.

 

 

 

Unten zwei Annoncen der Fotografenmeisterin Ingeburg Löffler-Urbahn. Links aus dem Begleitheft zur 700-Jahr-Feier Einsiedels 1955, rechts eine Offerte von 1956.
(Vorlage unten rechts: Bernd Obermaier)

Oben links und Mitte das Wohnhaus Harthauer Weg 1 Anfang der 1960er Jahre und am 1. September 2004. Das Hauptgebäude ist seit über 100 Jahren äußerlich fast unverändert, der mittlere Teil des Seitenflügels wurde umgebaut, der “Wintergarten” ist nunmehr eine Art “Hochterrasse” (Foto rechts, 1. September 2004).
Die Person in der Bildmitte auf dem Schwarzweiß-Foto oben links ist Erika-Katherina Roux, geborene Bruhm. Sie war die jüngere Tochter des Oberförsters Richard Bruhm. (Der Vollständigkeit halber sei angemerkt: Die ältere Tochter hieß Marianne.)
(Foto oben links: Andreas Wildfeuer, Daten: Manfred Wildfeuer)
Auf allen drei Bildern erkennen wir am linken Bildrand die “Friedenseiche 1871”.

Oben links der Kreuzungsbereich Harthauer Weg/Hauptstraße in den 1960er Jahren. Vorn der Bahnübergang, damals noch mit den nur ca. 80° öffnenden Schranken. Diese wurden in den 1970er Jahren durch Schranken ersetzt, die dann fast rechtwinklig hochschwangen. Auch die Beleuchtung wechselte zu Natrondampflampen auf wesentlich höheren Holzmasten. Hinten sehen wir das Gebäude Harthauer Weg 1 und rechts daneben die Hausnummer 3. (Foto: Andreas Wildfeuer)
Oben rechts in etwa der gleiche Anblick mit dem 2004 völlig veränderten Bahnübergang und den Häusern 1 und 3 am 18. Dezember 2005.

 

 


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