Schrebergartenweg Flur-Nr. 273/18 (Einsiedel)

Ehemalige Ortslistennummer/Brandkatasternummer (nicht bekannt)

Eisenbahn: Der Schrankenposten Nr. 10

(Schrankenposten sind Gebäude, in denen die Schrankenwärter ihren Dienst verrichteten.)


In Betrieb

Der Posten Nr. 10 mit seinem Schrankenwärterhaus war ein täglich rund um die Uhr bewachter Eisenbahnübergang. Die Postennummern wurden vom Bahnhof Chemnitz-Süd beginnend gezählt.

Seit dem Abriss im Herbst 1982 gibt es diesen Posten am Schrebergartenweg in Einsiedel nicht mehr.

Aber stattdessen gibt es im Heimatwerk Einsiedel die kostenlosen Zeitreisen – gehen wir also einfach mal zurück. Die älteren Generationen werden sich wohl noch an den nachfolgenden Anblick erinnern.

Schrankenposten Nr. 10 der Deutschen Reichsbahn in Einsiedel.
1967 (Foto: Wolfgang Hilbert)

Aber schauen wir uns das Foto einmal im Detail an:
Unterhalb des großen Schildes „F“ (= Fernsprecher) ist eine Handkurbel zu sehen. Mit dieser Kurbel wurden die Schranken am Gärtnereiweg betätigt, eine sogenannte Fernschranke mittels Drahtzug.
Am Gärtnereiweg war das Schrankenwärterhaus vorher angesiedelt, wir kommen nachfolgend darauf zurück.
Zwischen dem senkrechten Telegrafenmast und dem schrägen Stützmast ist ein Betonsockel zu erkennen. Darauf war bis etwa 1965 ein ca. 2m hohes Läutewerk montiert. Bei Abfahrt des Zuges in Einsiedel bzw. Dittersdorf ertönte dann das Läutesignal: zwei Töne, mehrmals hintereinander, durch zwei ineinander angeordnete Glocken. Das war dann das Signal für den Schrankenwärter, den Schrankenbaum zu schließen.
Das kleine, von Grundriss her etwas modifizierte Haus hat drei Eingangstüren.

  • Tür links: Eingang zum kleinen Aufenthaltsraum (ca. 2,5 x 2,5 m)
  • Tür Mitte: Lampenraum für Petroleumlampen für Schranke und Signal, denn diese mussten separat gelagert werden
  • Tür rechts: Trocken-Toilette

Mit Beginn des Eisenbahnbetriebes in Einsiedel befand sich der Posten 10 in Höhe der ehemaligen „Gärtnerei Schwarz“.
Dieses Postenhaus steht – verlassen – auch 2026 noch und ist in Privatbesitz.

Wohl in den späteren 1920er Jahren wurde der Posten 10 an den hier behandelten Ort am Schrebergartenweg verlegt. Der Grund war das verstärkte Verkehrsaufkommen zu den Schrebergärten und in Richtung „Etablissement Waldesrauschen“1, welches an dieser Kreuzung wesentlich höher war als an der ursprünglichen Stelle.

Als Unterstand für das Schrankenpersonal am neuen Standort Schrebergartenweg wurde ein Wagenkasten abgestellt, der wie so unzählige andere Gebäude am 5. März 1945 ein Opfer des alliierten Bombardements auf Einsiedel wurde.

Als eine erste Maßnahme stellte die Deutsche Reichsbahn dann eine sogenannte „Otto-Hütte“ auf, eine einfache Unterkunft aus Presspappeteilen, die standardisiert waren (ca. 1 m²) und auch schon während des Krieges als Notunterkünfte für Bombenopfer dienten. 1947 wurde schließlich das massive, kleine Postenhaus errichtet.

Sommer 1971 oder 72. (Foto: Wolfgang Hilbert)

Die Frau mit dem Schrankenbaum in der Hand ist Erna Klaube. Mit der hier abgelichteten Handhabungsweise der Schranke konnte diese weder ganz geöffnet, noch ganz geschlossen werden. Frau Klaube hebt die Schranke lediglich ein kleines Stück an, um die Frau mit Kittelschürze noch hindurchgehen zu lassen, da es vermutlich noch ein Weilchen gedauert hat, bis der Zug kam. Vorschrift war: Wenn die Schranken einmal geschlossen waren, durften sie erst nach der Zugfahrt wieder geöffnet werden. Auf diese Weise wurde sozusagen eine Unkorrektheit im Bild festgehalten.
Hinter dem kleinen Bahngrundstück wird in wenigen Jahren das „Gartenheim Waldesrauschen“2 entstehen.

Schrankenposten 10 in Einsiedel, Winter 1971

Oben eine interessante Aufnahme vom Winter 1971, die uns Erich Hertel zur Verfügung stellte. Das Postenhaus sehen wir am rechten Bildrand. In der Mitte im Hintergrund die Schranken des Bahnübergangs Gärtnereiweg, also jener Übergang, an dem der Posten 10 bis zum Ende der 1920er Jahre stationiert war.
Gut erkennbar: die Stahlseile mit ihren Führungsrollen beiderseits des Gleises. Damit wurden die Schranken am Gärtnereiweg von hier aus bedient, und zwar mit der Handkurbel, wie weiter oben bereits beschrieben.


Betriebseinschränkung und Außer-Betrieb-Setzung

Ab etwa 1965 wurde der 24-h-Betrieb eingeschränkt und die Schranken nachts von 22 bis 6 Uhr geschlossen. Ein kleines, seitlich angeordnetes Drehkreuz ermöglichte den Durchgang für Fußgänger. Ab etwa 1970 wurden die Schranken auch in der Spätschicht geschlossen.
Die Tagschicht wurde jetzt neu festgelegt auf das Zeitfenster von 8 bis 16 Uhr. Mit dieser Schicht hat Frau Erna Klaube dann bis zum Rentenbeginn am 1. August 1974 Dienst getan. Danach wurde der Übergang vollständig aufgelöst.
Das Befahren des Überganges mit Pkw war fortan nicht mehr möglich. Und ist es bis heute nicht und wird es auch in Zukunft nicht sein …

Bahnübergang Schrebergartenweg Einsiedel Ende der 1930er Jahre
Ehemaliger Schrankenposten nr. 10 in Einsiedel 2005.

Links der beschrankte, mit Fahrzeugen passierbare Bahnübergang am Schrebergartenweg wohl Ende der 1930er Jahre. Wir erkennen am linken Bildrand noch gut die 1878 gebaute Strumpffabrik von Theodor Brückner.
(Foto links: Heinz Mütze)

Rechts zum Vergleich die selbe Stelle am 19. Mai 2005.

20. Januar 2013: Seit Jahrzehnten ist hier nun „Selbstbedienung“.
Luftbildaufnahme 12. Juli 2013 (Foto: Eckehard Mühlmann)

Nebenstehend eine Luftbildaufnahme vom 12. Juli 2013.

Der Pfeil kennzeichnet den ehemaligen Standort des Postens Nr. 10. Das Grundstück befindet sich noch immer im Bahnbesitz.
(Foto: Eckehard Mühlmann)


Chemnitzer Modell

16. Mai 2021: Im Zuge des Streckenausbaus „Chemnitzer Modell“ erfuhr auch der BÜ Schrebergartenweg einige Veränderungen. Jene betrafen selbigen eigentlich weniger (nur neue Umlaufsperren), sondern es wurde der neue Haltepunkt „August-Bebel-Platz“ geschaffen. Der Fotograf steht auf der gerade entstehenden Zuwegung.

Unten sehen wir nun diesen neuen Haltepunkt am 11. Januar 2022. Noch ist er nicht zugänglich, aber wenige Tage später, am 29. Januar 2022, wird die Strecke freigegeben und der Bahnsteig kann genutzt werden.


Heimatwerk Einsiedel sagt Danke!

 

Für die Unterstützung zu dieser Seite bedanken wir uns bei:

  • Wolfgang Hilbert
  • Gerhard Wagner
  • … und wie immer allen Bereitstellern von Fotos und Dokumenten.

Fußnoten und passende, ergänzende Artikel zu dieser Seite:

  1. Anton-Herrmann-Straße 47: Etablissement und Gesellschaftshaus Waldesrauschen ↩︎
  2. Schrebergartenweg 1: Gartenheim Waldesrauschen ↩︎

 

 


 

 

 

 

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