Ehemalige Ortslistennummer/Brandkatasternummer (nicht bekannt)

Früher Gasthaus Drei Eichen
später Kultursaal „20. Jahrestag der DDR“, 1996 abgerissen
Drei Eichen
Die Gast- und Schankwirtschaft Drei Eichen war neben dem Waldesrauschen und dem Gasthof Einsiedel wohl eines der bekanntesten und bezüglich der Platzkapazität ein sehr großes Etablissement in Einsiedel. Der Altbau auf dem nachfolgenden Foto in der linken Bildhälfte wurde bereits um 1832 herum errichtet.

(Foto: Ulrich Piqué)
Dieser Altbau wurde 1909 durch einen großen Saalanbau erweitert, der nunmehr erlaubte, auch Vereins- und Tanzvergnügen durchzuführen.
Noch weit in die spätere DDR-Zeit hinein war auch der Name „Schützens“ für das Objekt ein Begriff. Er rührte vom Namen des Besitzers Max Schütz und dessen Kinder her, da diese Familie der ehemalige Besitzer war.
Links: Fotopostkarte Ende der 1920er Jahre.
Wie so oft bei alter Reklame wurden neben Zeitungswerbung auch entsprechende Ansichtspostkarten in großer Anzahl und mit unterschiedlichen Motiven herausgegeben. Nachfolgend eine kleine Galerie, die uns einige dieser Karten zeigt, die man auch heute noch auf Flohmärkten oder in Auktionshäusern erhält.
Aber auch die klassische Zeitungswerbung kam nicht zu kurz.


Fotos oben und unten: Der Saal im Laufe der Zeiten oder besser der Systeme. Die Dekoration bedarf gar keiner großen Änderung … ein paar neue Fahnen und es gibt gleich ein anderes Bild.
Das Foto oben ist undatiert, aber unschwer zu erkennen aus der Zeit des Dritten Reiches. Wahrscheinlich wurde der Saal wegen eines Feuerwehrjubiläums oder einer anderen Feuerwehrveranstaltung geschmückt.
Genauer datierbar das Bild darunter: 80 Jahre Freiwillige Feuerwehr Einsiedel und 10 Jahre Gemischter Chor 1959.
(Fotos: Doris Großmann)

Das Drei Eichen überstand die alliierten Bombenangriffe im Februar und März 1945 relativ unbeschadet und nach dem Krieg wagte das kulturelle Leben in Einsiedel hier wieder einen neuen Anfang – war es doch der letzte große Saal, der nach dem Bombenterror im Ort noch verfügbar war.
Für 2,50 Reichsmark Eintritt präsentierte das „Orchester Max Tennert“ 1947 einen „Abend bei Franz Lehár und Paul Lincke“. Ebenso wurde das Haus auch als Kino (rechts) und für Vergnügungen (z. B. Feuerwehr) genutzt.
Es gab kurz nach dem Krieg hier Gottesdienste, bis die Notkirche 1948 geweiht wurde und die Post nutzte bis 1946 die Veranda, um den Postbetrieb behelfsmäßig aufrecht zu erhalten.

Innenansicht um 1930.

Groß blühte der Saal zu den Feierlichkeiten „700 Jahre Einsiedel“ auf. In der Festwoche vom 26. Juni bis 3. Juli 1955 gaben sich viele Einsiedler Vereine und Laienspielgruppen auf der Bühne in Drei Eichen ein Stelldichein und zeigten eindrucksvolle Darbietungen.
Die Eröffnungsveranstaltung zur 700-Jahr-Feier am Samstag, den 25. Juni 1955:
„Einsiedel – bunt und heiter.“
Eine Spielszene aus der Operette „Maske in Blau”, präsentiert wurde daraus das Musikstück „Die Juliska aus Budapest”.
Am Donnerstag, den 30. Juni 1955 um 16:30 Uhr und um 20:00 Uhr wurde das Theaterstück „Der Stülpner Karl“ aufgeführt.

Von links: Walter, Martha und Marie Schütz. Aufnahme vermutlich aus den 1950er Jahren.
(Foto: Ulrich Piqué)

(Foto: H+G Einsiedel)
Die Bausubstanz hauptsächlich des Saales verschlechterte sich in den 1950er Jahren immer mehr, die Verhältnisse konnten aber von den Eigentümern aus finanziellen Gründen nicht behoben werden. Angesichts dessen wurde Drei Eichen 1964 von den Behörden geschlossen.

(Foto: Doris Großmann)
Eine große Ära endete hier – wenige Jahre später sollte eine neue beginnen.
Der Kultursaal „20. Jahrestag der DDR“
Die Einsiedler modernisierten den „Lichtspielsaal“ in Eigenleistung und fünf Jahre später, am 6. Oktober 1969, konnte dieser wieder eingeweiht werden. Passend zum Jubiläum am folgenden Tage erhielt dieses neue Einsiedler Kulturhaus den Namen „20. Jahrestag der DDR“. Aber natürlich sprach das keiner so aus, man ging „auf den Saal“…
Neben dem obligatorischen Kino gab es freilich wieder jede Menge anderer Nutzungen, einige wenige Beispiele wollen wir nun nachfolgend in einem kurzen Abriss aufzeigen.
Eine der ersten Veranstaltungen im modernisierten Hause waren die Feierlichkeiten zum 90. Jubiläum der „Freiwilligen Feuerwehr“ 1969 (unten links).



Fotos oben Mitte und rechts: Im Juni 1972 sah man dann eine „Leistungsschau der Südgemeinden“. Ortschaften also, die südlich der Bezirksstadt Karl-Marx-Stadt lagen und hier die Errungenschaften ihrer sozialistischen Produktion und Leistungsfähigkeit präsentierten. (Das war jetzt ohne Sarkasmus geschrieben!) Neben Einsiedel waren die Orte Dittersdorf, Burkhardtsdorf, Neukirchen, Kemtau, Adorf und Klaffenbach vertreten.
Es gab nicht nur die Ausstellung von Konsumgütern, sondern ebenso Kurzfilmvorführungen, Diavorträge und Kindermodenschauen und auch der Heimatfilm zur 700-Jahr-Feier von 1955 wurde zweimal gezeigt.
Am 18. November 1972 (einem Samstag) gab es eine politische Veranstaltung. Wir glauben, die unten links abgebildete Eintrittskarte hat ausreichend Aussagekraft. Hinzuzufügen wäre vielleicht noch, dass mit „unserer Partei“ die SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) gemeint ist.



Eine ganz andere Motivation hatten die Besucher des Kultursaales sechs Wochen später: Die Silvesterveranstaltung 1972 war bis auf den allerletzten Platz ausverkauft. Selbst auf der eigentlichen Bühne befanden sich Tische (Foto Mitte). Für die beiden Musikkapellen wurde eine Hochbühne eingerichtet (Foto rechts). Unter dieser Bühne befand sich der Zugang zu den Toiletten. Es spielten auf: die Einsiedler Kapelle „Menuett“ und eine Blasmusikgruppe aus Olmütz (Mähren/Tschechei).
Links und rechts zwei Innenansichten um 1980. Neben „normalen“ Tanzveranstaltungen für die ältere Generation gab es auch Disco (inclusive häufiger Schlägereien) oder auch „Jugendtanz“, wo live gespielt wurde.
Nachfolgend hat uns der ehemalige Bandleader der Gruppe Vox, Frank Irmscher, in seinem Buch „Irmis Weg von Ost nach West“ einen interessanten Einblick in eine solche Jugendtanzveranstaltung im Kultursaal gegeben …

… Die Zeit lief uns einfach davon, da am 5. Juli 1980 unser erster großer Jugendtanz im Kultursaal „20. Jahrestag“ in Einsiedel stattfinden sollte. Das war ein bekannter „Rockschuppen“ und wir konnten uns schon etwas einbilden, in diesem Haus eine „Mugge“ bekommen zu haben.
Zitiert aus dem Buch „Irmis Weg von Ost nach West“ mit freundlicher Genehmigung des Autors Frank Irmscher, der auch das „Vox-Foto“ und die Annonce zur Verfügung stellte.
Der 5.7.1980
Auch das noch. Ein total verregneter Tag. Das fängt ja gut an. 14.00 Uhr Treffpunkt „GERMANIA“ und verladen der Anlage. Abfahrt – Aufbau – Soundcheck – alles o.k.
Totale Erleichterung!
Noch schnell einen Drink zur Beruhigung. Einlass, 18.00 Uhr auf die Bühne und los ging es.
Im Nu sprang der Funke zum Publikum über. Wir gaben alles. Unser neues Programm hatte mit der ersten Runde sofort eingeschlagen. Die neue „PA“ brachte auch den entsprechenden Sound! (Outward Bound von Wishbone Ash, Black Night von Deep Purple und unsere 3 „AC/DC-Renner“.)
Die Tische waren so gestellt, dass die „Massen“ direkt bis an die Bühnenkante saßen. Sie konnten uns die Schnürsenkel aufmachen, wenn sie es wollten.
Die neue Lichtanlage heizte zudem die Bühne so sehr auf, dass wir uns bald wie in den „TROPEN“ versetzt sahen. Da mussten wir durch. Wir bekamen Getränke angeboten, die nicht alle in den Hals passten. Der Saal kochte und war ausverkauft!
Was wollten wir mehr, auch wenn der Schweiß in Strömen floss. Nach der „großen Pause“ des Abends bekam Irmi plötzlich einen kleinen „Blackout“ auf der Bühne (die „Wärme“ und der „Alk“ taten ihr übriges und schlugen knallhart zu).
Bei einer „Bühnenaction“ stieß Irmi seinen Verstärker von der Box, wollte ihn gerade wieder hochhieven, als er das Übergewicht verlor und mit gesamter Gitarre noch die Box umschmiss und kopfüber in den hinteren Bühnenvorhang „abtauchte“. Das war’s dann erst mal! Die anderen mussten ja weiter spielen, nur eben ohne Irmi, denn der lag hinter der Bühne. Dem Publikum hat das Schauspiel gefallen, … [sic]


Das nebenstehende, qualitativ leider sehr schlechte Foto (H+G Einsiedel), ist aus dem Jahre 1982. Noch steht der Altbau direkt vorn an der Straße. Die Fenster sind schon „blind“, bald darauf wird das Gebäude abgerissen.
In der Abendstunden des 2. Oktober 1990 gab es dann im Kultursaal „20. Jahrestag der DDR“ den „Tanz in die Einheit“ und bald darauf begann eine neue Odyssee … die letzte!
Unmittelbar nach der Wende war der Gemeinderat nicht bereit, das Grundstück zu veräußern. Im ersten Drittel der 1990er Jahre gab es eine Vielzahl von privaten Investoren, die das Gebäude durch Sanierung und Erweiterung einer weit intensiveren Nutzung als bisher zugeführt hätten.
Durch die oben erwähnten Eigenleistungen der Einsiedler Bürger Ende der 1960er Jahre war die Gemeinde aber der Meinung, das Gebäude aus moralischen Gründen nicht verkaufen zu können. Andererseits ließen die ständig größer werdenden Bauschäden auch keinerlei Nutzung mehr zu. Schließlich war man dann doch zum Verkauf bereit. Am 16. August 1995 wurde beschlossen, Gebäude und Grundstück für 250.000 DM zu veräußern. Nun fand sich für das heruntergewirtschaftete Gebäude aber kein Käufer mehr.
Am 9. Oktober 1996 beschloss der Gemeinderat schließlich den Abriss, der dann im Dezember 1996 erfolgte.

(Foto: Peter Hollstein)
Ganz verschwunden ist der Name „Drei Eichen“ aus Einsiedel allerdings nicht. Der unmittelbar hinter dem ehemaligen Objekt liegende Fußballplatz trägt noch heute den Namen „Stadion Drei Eichen“. Der Einsiedler Fußballverein „SV Viktoria 03“ nutzt dieses Spielfeld seit 1909, als es dem Verein von Max Schütz zur Verfügung gestellt wurde, aber das ist eine andere Geschichte …













Ja, schade, dass es das Gebäude nicht mehr gibt. War eine coole Zeit bei Livemusik. War auch rechtzeitig zu Ende und alle kamen gut mit den letzten Zügen um Mitternacht nach Hause
Lange ist es her,den Kinosaal und nebenan die Sporthalle kenne ich noch.Wenn ich zu Besuch komme ist man schon erstaunt wie Einsiedel sich verändert hat.War am 02.06.2018 zum Klassentreffen,bei mir ist es eben immer noch der Hampelschmand mit einer Führung in der Talsperre.Wenn man 50 Jahre aus Einsiedel weg ist kan man die Veränderung im Ort schon sehr erkennen.
War ne schöne Zeit „auf dem Saal“. Habe mit meinem Sohn die letzten Jahre in der verruchten Kellerbar Getränke ausgeschenkt und musste bis in die frühen Morgenstunden Musik ertragen, die nicht gerade meinem Geschmack entsprachen. Trotzdem hat`s Spaß gemacht.
Ede-Mutti
Schade das es „den Saal“ nicht mehr gibt. Erinnere mich gerne an die Disco-Samstage und auch an den Jugendclub der da ja auch war.
Ich habe in den 80 er Jahren in Einsiedel ,bestimmt 5 bis 6 mal Gespielt . Kann mich noch sehr gut daran erinnern . Ich spielte Damals bei Rockponie Leipzig . Ich habe mich immer gefreut dort Spielen zu dürfen und habe ,so oft ich da war nur gute Erinnerungen ! Das Publikum war immer mit Begeiserung dabei ! Danke für die schöne Zeit !
Echt traurig und ne Schande das dieses Gebäude platt gemacht wurde….könnt ich mich sogar nach fast 20 Jahren maßlos aufregen.