Dittersdorfer Weg 25 – Oktober 2015

¡No pasarán! – Sie werden nicht durchkommen! Für Schüler aus der ehemaligen DDR eine geläufige Parole. In den Nachmittagsstunden des 5. Oktober 2015 zeigte sich, was für ein Entwicklungspotenzial die Gegner der Erstaufnahmeeinrichtung innerhalb kürzester Zeit entwickeln konnten.

1. Oktober 2015

Heute berichtet die Freie Presse ausführlich und recht objektiv von der Bürgerversammlung und der Protestdemonstration vom Vorabend.

Die Bürgerinitiative „Einsiedel sagt NEIN zum Heim“ kündigt einen Info-Stand („Dauer-Protest“) an, der auf unbestimmte Zeit am Beginn der Anton-Herrmann-Straße stationiert wird. Dieser soll rund um die Uhr besetzt bleiben!

2. Oktober 2015

2. Oktober 2015, mittags halb eins.
2. Oktober 2015, mittags halb eins.

Widerstand gegen Asylheim in Einsiedel wird schärfer

… titelt die Freie Presse heute im Lokalteil. Der Redakteur Michael Müller nimmt Bezug auf den Info-Stand. Dann werden noch einmal bezüglich der Bürgerversammlung vom 30. September AfD, Pegida und Pro Chemnitz erwähnt und somit die stereotypen Klischees des Mainstreams bedient.
In dem Artikel wird auch berichtet, dass die CDU-Stadtratsfraktion ihre eigenen Parteigenossen in der sächsischen Landesregierung „kritisiert“.

Auf dem Facebook-Profil von „Einsiedel sagt NEIN zum Heim“ lesen wir indes:

Ein kurzes Statement nach 15 Stunden friedlichen Protest. Es ist Wahnsinn wieviel Zuspruch wir bekommen. Es gab keine Stunde wo nicht mindestens vier Menschen hier waren. Es wird von vielen Anwohnern für das leibliche Wohl gesorgt mit Kaffee, Tee, belegten Brötchen und Keksen…
Heute früh kam ein älterer Anwohner mit Tränen in den Augen nahm uns in den Arm und bedankte sich. Wenn ihr Lust habt kommt vorbei und leistet uns friedlich Gesellschaft. Wir geben nicht auf, jeder Tag zählt…

Der Zuspruch für diese Aktion scheint überwältigend! Wir waren heute Mittag mal 10 min. vor Ort (Foto oben rechts), selbst in dieser kurzen Zeit unzählige Sympathiebekundungen aus vorbeifahrenden Fahrzeugen!

Dauerprodest 021015 (1) 400

In den Abendstunden ist die Situation hier schon eine ganz andere. Ein kleines Warndreieck warnt im Kreuzungsbereich der Altenhainer Allee alle, die in die Anton-Herrmann-Straße abbiegen. Kurz nach der Biegung finden wir den Pavillon, der um halb 8 abends die Protestanten längst nicht mehr fassen kann. Zum Zeitpunkt um die 40 Leute, waren es viertel 10 dann schon mindestens 70.

Alles friedlich, auch wenn die Pkws Mühe haben, die Engstelle zu passieren. Alle verhalten sich diszipliniert.
Wir sehen hier nicht nur Ortsansässige, längst hat sich in den Nachbargemeinden und ‑stadtteilen herumgesprochen, dass das Erstaufnahmelager keineswegs nur Einsiedel betreffen wird.

Im Zuge dessen macht die Runde, dass auf Anfrage einer Landtagsabgeordneten die Landesdirektion bestätigt hat, dass nur 544 Asylanten für das Einsiedler Lager geplant sind, aber im Notfall diese Zahl auch überschritten wird. Die Notfälle (Plural!) sieht man tagtäglich in den Nachrichten, da muss man kein Prophet sein. Wir lehnen uns also nicht zu weit raus, wenn wir jetzt schon mal voraussagen, dass mal eine Zahl 544 kolportiert wurde, die dann locker mit 2 oder 3 multipliziert werden musste.

Wir schließen den 2. Oktober ab mit einer Stellungnahme von „Einsiedel sagt NEIN zum Heim“ direkt von der Anton-Herrmann-Straße:

Fazit nach 26 Stunden friedlichen Protest. Ihr seid spitze mit soviel durchgehenden Zulauf hätten wir nie gerechnet. Die Bürger aus Einsiedel und dem Umland zeigen Gesicht von der Hilfe ganz zu schweigen. Wir machen weiter und werden nicht aufgeben. Danke danke danke….

3. Oktober 2015

Demo 3.10.15

Der nebenstehende Aushang oder besser dessen letzter Absatz läutete die bis zu diesem Zeitpunkt machtvollste Demonstration ein, die es seit 1990 hier gab.

Screenshot (Ausschnitt) der MDR-Website vom 04.10.2015
Screenshot (Ausschnitt) der MDR-Website vom 04.10.2015

Die Teilnehmerzahlen gehen auseinander. Der Veranstalter und viele Teilnehmer setzen über 2.000 Personen an, der MDR berichtet auf seiner Homepage am 4. Oktober von etwa 1.000 Personen.
Man kann dem MDR vieles vorwerfen, bei Fällen und Themen wie diesen aber wohl kaum Objektivität. Heißt im Umkehrschluss: weit, weit über 1.000 Menschen.
Und wieder blieb alles friedlich, man berichtet von Gänsehautfeeling, Gemeinschaftsgefühl und so viel Solidarität untereinander.

Erklärung von „Einsiedel sagt NEIN zum Heim“:

Wir sind überwältigt…
Zum Tag der Deutschen Einheit wurde aus dem kleinen Ortsteil Einsiedel ein mehr als deutliches Zeichen gesetzt. Über 2000 Menschen aus Einsiedel und den umliegenden Gemeinden, von alt bis jung, aus allen Gesellschaftsschichten, bekundeten friedlich und schweigend ihren Protest in Richtung Politik.
Wir sind stolz auf alle, die uns unterstützen. Wir machen weiter für uns, für euch und alles was wir lieben.

Der Streckenverlauf des Demonstrationszuges war Altenhainer Allee – Berggasse – Einsiedler Hauptstraße – Anton-Herrmann-Straße. Nachfolgend noch einige Bilder:

Was gab es heute noch?
Die „Bürgerinitiative gemeinsam für Einsiedel“ lädt für den 10. Oktober 2015 zu einer Kundgebung auf dem Grillplatz an der Waldklause ein.

4. Oktober 2015

„Einsiedel sagt NEIN zum Heim“ gibt auf Facebook bekannt:

Nach einvernehmlichem Beschluß, führen wir unseren Infostand vorerst bis zur Ankunft der Busse fort! Wir freuen uns auf eure weitere Unterstützung und heißen jeden einzelnen willkommen.

Bereits am Vorabend wurde uns berichtet, dass die Planung des Freistaates, die ersten Asylanten schon am 2. Oktober in Einsiedel unterzubringen, vorerst ob des unerwartet starken Protestes fallen gelassen wurde.
Der Termin deckt sich übrigens mit (versehentlichen) Aussagen des Moderators bei der Bürgerversammlung am 30. September. Es war geplant, die Einrichtungen in Görlitz und Dresden zu entlasten.

5. Oktober 2015

Dieser Montag war ein ereignisreicher Tag, wohl der ereignisreichste bisher! Verursacht durch einen defekten Lkw auf der Anton-Herrmann-Straße.

Aber der Reihe nach: Betrachten wir erst einmal die Presseschau vom frühen Morgen, denn mittlerweile kommt Einsiedel auch überregional in die Schlagzeilen. Dies begründet sich mit dem Schweigemarsch zum „Tag der Deutschen Einheit“ am 3. Oktober:

Spiegel Online (Hamburg):

Ähnliche Bilder wie aus Sebnitz gab es am Wochenende auch aus dem Stadtteil Einsiedel in Chemnitz. Dort hatten sich am Samstagabend laut Polizei rund tausend Menschen zu einem Schweigemarsch versammelt. Sie wandten sich gegen eine geplante Flüchtlingsnotunterkunft in einem ehemaligen DDR-Pionierlager.

Junge Freiheit (Berlin):

Protest in Einsiedel
Im Chemnitzer Stadtteil Einsiedel gingen ebenfalls rund 1.000 Menschen auf die Straße, um gegen eine geplante Asylbewerberunterkunft für 500 Personen zu demonstrieren. Nach Angaben der Polizei verlief die Kundgebung friedlich. In Einsiedel wird bereits seit Tagen über die angedachte Umfunktionierung eines ehemaligen Pionierlagers in eine Erstaufnahmestelle gestritten. Kritiker bemängeln vor allem den fehlenden Brandschutz des Gebäudes.
Während einer Bürgerversammlung Ende September hatten die Bewohner ihren Unmut über die Unterbringung der Asylsuchenden deutlich gemacht. Viele gaben an, sie würden ohne Diskussion vor vollendete Tatsachen gestellt. Eine Anwohnerin warnte dabei: „Kein Mensch traut sich abends noch auf die Straße, wenn die kommen. Dann bringen sie uns die Kriminalität, den Islam und die Krankheiten ins Land.“ Sie erhielt dafür tosenden Beifall.

Die Freie Presse („Einsiedel: Mietvertrag für Asyl-Unterkunft läuft fünf Jahre“) berichtete in der Montagsausgabe vom Mietvertrag für das Lager und der Demonstration am Samstag. Immerhin wurde hier über die recht unterschiedlichen Angaben bezüglich der Teilnehmerzahlen berichtet, es wurden also nicht einfach die Zahl von 1.000 Teilnehmern unterstellt, die in anderen Medien kolportiert worden war, sondern auch die Veranstalterangabe von über 2.000 Personen genannt.


No pasarán!

Aber das alles rückte im Laufe des Nachmittags in den Hintergrund. Wir erlebten eine – absolut friedliche – Polizeiaktion, wie es sie von der Einsatzstärke her wohl hier im Ort seit den politischen Kämpfen Ende der Weimarer Republik nicht mehr gegeben hatte.
Am frühen Nachmittag wurde (vermutlich aus Ebersdorf) die Nachricht gesandt, dass Busse mit Flüchtlingen, Asylanten und Gepäck beladen würden, Ziel: Einsiedel. Durch „Social Media“ verbreitete sich die Nachricht rasend schnell im Ort.
Das Heimatwerk Einsiedel war vor Ort und wir haben uns entschlossen, die Ereignisse in einer kleinen Bildergalerie darzustellen:

Unten im Ortszentrum hatte sich die Lage völlig entspannt, wenn auch zum Zeitpunkt (ca. 21:15 Uhr) noch sehr viele Demonstranten vor Ort waren.
Gegen 22:00 Uhr schließlich leerte sich dann hier der Platz, auch die Polizei zog ihre Einsatzkräfte ab. Nichts passiert, alles friedlich verlaufen.

Für eure Besonnenheit: Danke Polizei! Danke Demonstranten!

6. Oktober 2015

Beginnen wir mit der Presseschau.

Freie Presse:

Blockade: Lage in Einsiedel spitzt sich zu

Der Bericht mit einem Foto gibt noch einmal die Ereignisse vom Vorabend wieder.

Neues Deutschland (Berlin):

In Sachsen sind am Montag wieder Tausende gegen Flüchtlinge und deren Asylrecht aufmarschiert. Im Chemnitzer Stadtteil Einsiedel versammelten sich Hunderte, um eine Aufnahmeeinrichtung für Asylsuchende zu blockieren. Die linke Landtagsabgeordnete Jule Nagel sprach von einer »Naziblockade« und einer »Eskalation«. Andere Beobachter berichteten von »Volksfeststimmung« bei der Blockade des Asylbewerberheims. In Einsiedel hatten sich bereits am Samstagabend laut Polizei rund 1.000 Personen zu einem »Schweigemarsch« gegen eine geplante Flüchtlingsnotunterkunft in einem ehemaligen DDR-Pionierlager versammelt. Es wurde befürchtet, dass der Chemnitzer Ableger des rechten Pegida-Netzwerkes am Montagabend auch noch nach Einsiedel mobilisiert.

Nur mal am Rande die verkauften Auflagen der beiden Zeitungen im 1. Quartal 2014:
Freie Presse, erscheint regional: 255.807
Neues Deutschland, erscheint überregional: 31.213

Es hatten aber noch mehr Zeitungen und der Boulevardjournalismus von den Ereignissen berichtet, teilweise schon am späten Abend des 5. Oktober.

19:00 Uhr war eine reguläre Sitzung des Ortschaftsrates mit Einwohnerfragestunde. Es waren viele Gäste da, aber es hätten noch mehr Menschen im Sitzungssaal Platz gefunden.
Es gab reichliche Wortmeldungen und der Haupttenor war, dass das nach außen transportierte Bild von Einsiedel bewusst falsch wiedergegeben wird. Die Sorge der Einsiedler, dass im Umland (und Deutschland) sehr viele glaubten, dass hier nur Rassisten und sogenannte „Asylgegner“ wohnen, wurde deutlich. Und freilich von diversen Medien begierig aufgegriffen, wohl wissend, dass sie es selbst sind, die hier das Zerrbild verbreiten.
Vornedran das Flaggschiff des Boulevards (dessen Name wir hier keinesfalls nennen werden), es folgt mit kurzem Abstand der MDR. Und freilich schlägt die Freie Presse erwartungsgemäß in die gleiche Kerbe, wenn auch zum Zeitpunkt noch etwas verhaltener. Aber das wird sich ändern, das prophezeien wir hier einmal!
Es muss aber an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass die Chemnitzer Morgenpost von den Ereignissen bisher wirklich objektiv berichtet hat!

In der Ortschaftsratssitzung wurde das Brandschutzkonzept, das zum Bauantrag gehört, besprochen und mit reichlich Hinweisen wieder zurück ins Bauamt gegeben.
Der Vorsitzende des Ortschaftsrates, Falk Ulbrich, berichtete, dass der 5-Jahres-Mietvertrag eine Sonderkündigung nach zwei Jahren ermöglicht. Allerdings muss da der Schulbetrieb in der F+U geklärt sein.
Weiterhin wurde durch Falk Ulbrich ein Brief der OB Barbara Ludwig an die Einsiedler Bürgerschaft verlesen. Wir geben ihn hier wieder:

 

7. Oktober 2015

Aufruf Demo 05.10.15
Aufruf zur Demonstration am 7. Oktober 2015

Ein Mittwoch. Und da es nun beinahe schon eine Tradition ist, wurde erneut zu einem Schweigemarsch aufgerufen.

Aber an diesem Tag gab es etwas Neues, eine Gegendemonstration, organisiert von einem linken Bündnis namens „Chemnitz Nazifrei“. Dieser Name wird im Mainstream selten erwähnt (Ausnahme: Chemnitzer Morgenpost), warum wohl? Auch die Freie Presse spricht nur von „annähernd 100 Teilnehmern aus dem linken Lager“.
Nun, wie dem auch sei: Berichtet wird, dass diese sich am Ortseingang am Gymnasium trafen und um 17:00 Uhr losmarschierten. Es soll sich nicht nur um Teilnehmer aus Chemnitz gehandelt haben, auch aus Leipzig, Dresden und Halle wurden Demonstranten für das Heldenkommando gesichtet.

Der kleine Protestzug wurde von der Polizei an der Luthereiche, unmittelbar vor dem Bahnübergang, gestoppt. Bezeichnend ist hier ein Bild aus der Chemnitzer Morgenpost, das die Sperre aus behelmten Polizisten in „voller Kampfmontur“ zeigt.
Dem aufmerksamen Betrachter erschließt sich nicht, wieso 100 linke Demonstranten derart umstellt werden, später aber weit über 2.000 „Dunkeldeutschland-Demonstranten“ mit wenigen (unbehelmten) Polizisten vor dem Zug und einem Polizeifahrzeug dahinter eskortiert werden. Laut Bundesfamilienministerin Schwesig (SPD) sei das Problem des Linksextremismus in den vergangenen Jahren „aufgebauscht“ worden (Aussage Sommer 2014). Also, wir kommentieren das hier nicht, wir zitieren lediglich die Ministerin!

Zurück zur Luthereiche, hier wurde es dann laut, Trillerpfeifen und Sprechchöre wurden skandiert und entsprechende Banner präsentiert. Einem privaten Fotografen wurde von einem Linken gedroht, ihm die Kamera wegzunehmen, ansonsten wurden aber keine Gewalttätigkeiten aus dem linken Lager gemeldet.

Gegen 19:00 Uhr formierten sich auch die Teilnehmer des Schweigemarschs an der Anton-Herrmann-Straße. Viele kamen „kurz vor knapp“, nicht weil sie von „Chemnitz Nazifrei“ behindert worden wären, sondern weil es sich hinter der Polizeiabsperrung vortrefflich „gucken“ ließ.
Von den Organisatoren wurden vor Inmarschsetzung des großen Zuges die obligatorischen und – wegen „Chemnitz Nazifrei“ – die besonderen Verhaltensregeln noch einmal durchgesagt. Hieß insbesondere, sich in Höhe des Bahnübergangs nicht provozieren zu lassen und die Linken zu ignorieren.
Hätten die Linken nun wiederum auch ihren Anführer gehört, hätte es gar keine weitere Begegnung gegeben. Der hatte nämlich seine kleine Truppe mittels Megafon aufgefordert, die Aktion zu beenden. Nicht aus Furcht, sondern weil der Zug Richtung Chemnitz gleich käme und man diesen nehmen wolle. Hier muss angemerkt werden, dass aufgrund der meist jugendlichen Zusammensetzung der Gegendemonstranten davon ausgegangen werden muss, dass viele noch gar keinen Führerschein haben und wohl auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Das ist aber rein spekulativ, wir wissen es nicht.
Jedenfalls verweigert die Truppe ihrem Flüstertüten-Befehlshaber die Gefolgschaft und blieb, um auf den Schweigemarsch einzubrüllen und diesen auszupfeifen.
Das nutzte freilich gar nichts, da sich die Schweigemarschteilnehmer nicht provozieren ließen und die linke Truppe einfach ignorierten.
Und dann marschierten über 2.000 Menschen aus Einsiedel und so vielen Nachbarorten friedlich über die Einsiedler (alte) Hauptstraße und die Einsiedler Neue Straße zum Ausgangspunkt zurück.
Alles wie gehabt, alles ruhig, alles friedlich. Und bei der Rückkehr des Zuges war der Spuk vorbei, s.h., alle linken Demonstranten verschwunden.

Am Ausgangspunkt angekommen, gab es dort noch einen kurzen Dank an die Polizei, und die Veranstaltungsteilnehmer gingen in alle Richtungen auseinander.
Wenn wir uns Bilder dieses ruhig und geordnet durch den Abend laufenden Demonstrationszugs ansehen, getragen von so unterschiedlichen Menschen, die gegen eine völlig verfehlte Asylpolitik ihrer Regierung friedlich (!) protestieren, kommen wir nicht umhin, an den ressentimentbehafteten Begriff „Dunkeldeutschland“ zu denken, den Bundespräsident Gauck im August 2015 so pauschal gebrauchte.
Aber da unser Demonstrationszug in den dunklen Abendstunden des 7. Oktober 2015 stattfand, gehen wir davon aus, dass Gauck diesen abwertenden Begriff aus naturwissenschaftlicher Sicht gebrauchte und das nicht politisch gemeint war … Manchmal ist man aber auch wie vernagelt, Pardon, Herr Bundespräsident!

8. Oktober 2015

Proteste der Asylheim-Gegner beunruhigen andere Einsiedler

… lautet heute die Schlagzeile der Freien Presse im Lokalteil.

Jetzt wird es deutlich: Noch immer kein Nazi-Mob in Einsiedel, keine rechtsextremen Parolen und auch keine NPD-Parteikader im Demonstrationszug. Die beiden im Artikel genannten Redakteure Michael Brandenburg und Michael Müller kommen augenscheinlich in Zugzwang. Ob vom Vorgesetzten oder aus eigenem Antrieb und politischem Blickwinkel heraus, wissen wir nicht.
Und so werden aufgrund unterschiedlicher Ansichten „beunruhigte Einsiedler“ ins Feld geführt, als ob es in einem Ort mit weit über 3.000 Einwohnern je eine einheitliche Meinung gegeben hätte.

Und im Bilduntertitel berichtet man von einigen Schweigemarsch-Teilnehmern, die mit brennenden Fackeln und Kerzen mitgelaufen seien. Na logisch, brenn’ ich Fackeln und Kerzen an, wenn ich sie mithabe!
Hier wäre dann die Option, beim nächsten Mal von Schlagstöcken und vorbereiteten Zündern für Molotow-Cocktails zu fabulieren, sollten die Fackeln und Kerzen dann nicht brennen und nur so zum Angeben mitgeschleppt werden.
Noch viel mehr Einsiedler waren von „Chemnitz Nazifrei“ beunruhigt, aber das erfährt man nicht, wenn man mal zwei, drei Augenblicke hier im Ort die Stimmung erhascht, sondern lange und vor allem mit vielen Menschen redet.
Oder man weiß es, publiziert es aber nicht … weil nicht sein kann, was nicht sein darf!

10. Oktober 2015

Kundgebung 10.10.15 an der Waldklause
Bürgerversammlung 10.10.15

Heute gab es um 11:00 Uhr eine halbstündliche Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative „Gemeinsam für Einsiedel“. Erstmals wurden die Initiative oder besser deren Mitstreiter öffentlich vorgestellt. Das war eine gute Entscheidung, da einige von ihnen später zugezogen sind und damit vielen „Alteingesessenen“ nicht bekannt waren.

Bürgerversammlung 10.10.15

Neben den im Flyer genannten Rednern kamen auch noch Falk Ulbrich (Vorsitzender des Einsiedler Ortschaftsrates) und Günther Boden (dessen Stellvertreter) zu Wort.
Wie angekündigt, wurde die derzeitige Situation erläutert und vor allem wegen der bereits seit Wochen diskutierten Klage gegen den Freistaat wurden einige Angaben gemacht.
Auch wurde die Zusammenarbeit mit „Einsiedel sagt NEIN zur EAE“ (vorher: …zum Heim) betont, was selbstredend mit Wohlwollen von den etwa 300 Zuhörern aufgenommen wurde.

Bürgerversammlung 10.10.15

Es lag eine Liste aus, auf der bekundet werden konnte, ob es als sinnvoll erachtet wird, den Info-Stand an der Anton-Herrmann-Straße über das Genehmigungsdatum hinaus aufrecht zu erhalten.

Bürgerversammlung 10.10.15


Auch der MDR („Exakt“) war vor Ort, was uns im Umkehrschluss vermuten lässt, dass es wieder „schlechte Presse“ über Einsiedel geben wird.

Nachtrag 14. Oktober 2015:
Der Artikel wurde heute um 20:15 Uhr im Zuge einer größeren Reportage über Einsiedel ausgestrahlt. Der Bericht, vordergründig über den Ort mit den Ereignissen der letzten Wochen, war objektiv gehalten! Wir freuen uns, dies schreiben zu können!

12. Oktober 2015

In der Freien Presse finden wir heute den Bericht über die Zusammenkunft vom 10. Oktober.
Auch Ortsvorsteher Falk Ulbrich wird noch einmal mit seiner Ankündigung eines Treffens zwischen OB Barbara Ludwig und Vertretern der lokalen Vereine und der Kirche zitiert.
Uns liegt dieses Schreiben mit einer Einladung für den 22. Oktober, um 17:00 Uhr, im Chemnitzer Rathaus als Kopie vor. Es sind nur bestimmte Vereine, die Kirche, die Feuerwehr und einige Einzelpersonen eingeladen, sogenannte „Hilfswillige“. Wir möchten betonen, dass uns dieser Begriff so übermittelt wurde, was recht seltsam wirkt. Stammt er doch aus einer Zeit, an die man sich ungern erinnert, aber durch andere ständig erinnert wird.

Schnappschuss Einsiedler Hauptstraße Ecke Einsiedler Neue Straße
Schnappschuss Einsiedler Hauptstraße Ecke Einsiedler Neue Straße

Der Info-Stand an der Anton-Herrmann-Straße muss ab heute täglich neu beantragt werden und wird auch immer nur für 24 Stunden verlängert. Auf der Straße werden (erwartungsgemäß) die ersten Parkverbotsschilder aufgestellt. Vermehre Aktivitäten auf den Zufahrtsstraßen zum Lager. Es wird kolportiert, dass die SFZ CoWerk gGmbH das Catering im Lager übernehmen wird. Betreiber soll das DRK sein. Aus anderer Quelle erfahren wir, dass der DRK-Kreisverband Chemnitz das Einsiedler Lager wohl personell nicht mehr stemmen kann.

Unabhängig davon gibt es noch einmal einige Zahlen, die recht interessant sein dürften, um das Zahlen- oder Mengenverständnis des Freistaates zu begreifen und Schlüsse daraus für Einsiedel zu ziehen.
Ehemaliges Technisches Rathaus in Dresden
Das Gebäude bietet Unterkunft für bis zu 450 Flüchtlinge“ (Stand 18. September).
Quelle: https://www.lds.sachsen.de/index.asp?ID=9494&art_param=705
Belegungsstärke des Objektes am 12. Oktober: 1.362 Personen
Quelle: https://www.lds.sachsen.de/asyl/?ID=9284&art_param=731 (Artikel anbieterseits nicht mehr verfügbar.)

14. Oktober 2015

Aufruf zur Demo am 14.10.15

Wieder ein Mittwoch und erneut gibt es einen großen Schweigemarsch mit über 2.000 Teilnehmern. Gegendemonstranten gab es keine, und so wurde die Ruhe des Abends nicht durch Gegröle und Trillerpfeifen gestört. Dankbar genießt die Luthereiche (1883) den Abend und still sieht sie dem nicht enden wollenden Schweigemarsch zu. Auch andere Naturdenkmale säumen den Weg der Teilnehmer.
Uralte Recken wie die Friedenseiche (1871) und die Teuerungseiche (1847) sehen schweigend zu, wie die Nachkommen ihrer Pflanzer vorüberziehen: Menschen, die sich um ihre Heimat sorgen – und dafür von anderen, wohl nur einer Minderheit, aber mit Deutungshoheit, mit Schmach und Verleumdung überzogen werden.

Vor Marschbeginn
Vor Marschbeginn.

Vor dem Marschbeginn wurden durch die Veranstalter noch einige Hinweise gegeben. Die Regeln sind restriktiver geworden: keine Hunde, keine Fackeln, keine Chemnitzer Wappen. Die Angst geht wohl um bei Ordnungsbürgermeister Miko Runkel, seinerzeit von den LINKEN aufgestellt. Aber immerhin war es im freiesten Rechtsstaat, der je auf deutschem Boden existierte, erlaubt, die Kinder mitzunehmen!

Es gab auch massive Kritik an OB Barbara Ludwig, dass diese sich sonntags persönlich um 58 Asylanten kümmert, welche sich weigern, ein zugewiesenes Quartier zu beziehen, und andererseits tausende Bürger von Einsiedel mit einem Schreiben mit erhobenem Zeigefinger abspeist.

Aber noch wichtiger war die Bekanntgabe eines Schreibens der Einsiedler Bürgerschaft an Ludwig, welches noch diese Woche an die OB übergeben werden soll:


Die Veranstaltungsteilnehmer wurden gebeten, nach Beendigung des Schweigemarsches dieses zu unterzeichnen, wovon rege Gebrauch gemacht wurde.

Um 20:15 Uhr wurde vom MDR („Exakt“) ein ausgesprochen objektiver, auf Tatsachen und Interviews basierender Bericht von etwa 7 Minuten Länge ausgestrahlt. (Ehemals eingebundenes Video anbieterseitig nicht mehr verfügbar.)

15. Oktober 2015

Oktober 2015 in Einsiedel
Oktober 2015 in Einsiedel

Die Erneuerung des maroden Maschendrahtzauns um das Lager beginnt.

Und die Freie Presse widmet dem Schweigemarsch vom vergangenen Abend erneut einen größeren Artikel:

Einsiedel: Protest gegen Flüchtlingsheim hält an

Die Reportage beschränkte sich im Großen und Ganzen auf eine angemessene Berichterstattung der Geschehnisse vom 14. Oktober.
Für wohl 99 % der Leser war wahrscheinlich die rechtsextremistische Kleinstpartei „Der dritte Weg“, deren Banner an einem Kleidungsstück vom Reporter gesichtet wurde, vollkommen unbekannt, aber nun wissen auch sie von deren Existenz. Ansonsten hat Berichterstatter Benjamin Lummer, anders als seine Kollegen vom FP-Artikel vom 8. Oktober, einen ausgewogenen Aufsatz geliefert.

17. Oktober 2015

Einen längeren, dem vor allem westdeutschen Zeitgeist entsprechenden Artikel, lesen wir heute in der Zeit online:

Ist doch überall so

Interessant die Verbindung von Redakteur Lenz Jacobsen, der für die Mitarbeit am Artikel einen Johannes Grunert dankt. Grunert selbst ist auf seinem Twitterprofil „Freier Journalist im Bereich soziale Bewegungen und rechte Szene, vor allem in Sachsen unterwegs.
Aus seiner Twitter-Timeline erfahren wir, dass er am Schweigemarsch vom 14. Oktober teilgenommen hat, und entsprechend unparteiisch fällt jetzt auch die Zeit-online-Reportage aus. Wir könnten diesen Artikel jetzt von vorn bis hinten zerpflücken, das geht bei den einfachsten Dingen los, wenn von Ortschaftsbeirat, Ortschaftsrat und Ortsrat geschrieben wird und immer dasselbe gemeint ist, oder wir könnten auch Gegenargumente bringen. Aber letztlich ist auch dieser Artikel alter Wein in neuen Schläuchen, alles tausendmal gelesen, alles tausendmal (ergebnislos für beide Seiten) durchdiskutiert.
Wichtig ist die Botschaft der Recherche, die vorrangig in den alten Bundesländern zu verkünden ist: „Wehret den Anfängen dieses grässlichen, nazistischen Mobs, der die tägliche Realität als Alltag tarnt und sich nicht offen mit ‚Fleischmütze‘ und Springerstiefeln zur Nazi-Garderobe der 1990er Jahre bekennt.“
Aber wir werden uns nicht in Einzelheiten verlieren und bitten den geneigten Leser, sich vielleicht selbst ein Bild zu machen und den Beitrag durchzulesen.
Hochinteressant sind primär die Leserkommentare. Hier gilt keinesfalls „Kennste einen – kennste alle“.

Wir waren am Sonntag, 18. Oktober, noch einmal am Infostand, um uns die von Jacobsen beschriebene „Blockade“ im Detail anzusehen. Und da Zeit online zum Artikel nur ein Foto von einem der vielen Protestmärsche zeigt, sind wir noch mal auf „Barrikaden-Schau“ gegangen, um uns das Bollwerk der Nazis anzuschauen, um zu fotografieren und durch schonungslose Offenheit (Publizierung!) einer erstaunten, wohl meist westdeutschen Leserschaft die sächsische Bürgerkriegs-Infrastruktur zu zeigen.
Leider, leider wurde unser Nähern bemerkt, in aller Eile die Panzer-, nee, die Bussperren beseitigt, die Straße gefegt und die zwei Kohorten Nationalsozialisten durch ganz normale Bürger ausgetauscht. Ach, und Blumen wurden auch noch aufgestellt!
Und somit können wir leider unserer geschätzten Leserschaft nur ein völlig geschöntes Bild der Einsiedler Realität an diesem wolkenverhangenen Oktobersonntag vermitteln.
Vielleicht, aber nur vielleicht (wir wollen ja nicht zu viel versprechen!), sieht der Besucher des Info-Standes diesen des Nachts in seiner eigentlichen Funktion. Will heißen: nicht im stillen und friedlichen Protest gegen etwas, was vielen Angst macht und für die nicht die Realität ist, was der Mainstream schreibt.
Sondern in seiner wahren, kriegerischen Funktion, die zum Vorschein kommt, sobald die Busse anrollen. Dann werden all die Waffen aus dem Arsenal geholt, die weder Jacobsen noch Grunert entdeckt haben und die ganz bestimmt Putin, dieser Drecksack, geliefert hat!

18. Oktober 2015

Wie bereits berichtet, ist der Zaunbau am Lager in vollem Gange. Die Internationalisierung des Lagers erfolgt nicht erst mit den in Bälde ankommenden (Dauer-)Gästen aus Asien und Afrika, sondern zeigt sich uns schon jetzt. Die Zaunelemente wurden aus Polen geliefert und werden von Rumänen montiert. Und der Wachschutz wird mit Tschechen verstärkt, da sich nicht ausreichend Deutsche finden.

Auch können wir verkünden, dass das bisher unbelegte Lager der Einsiedler Talsperre und anderer historischer Bauten hier im Ort in Bezug auf „Sehenswürdigkeiten“ längst den Rang abgelaufen hat. Die „Besucher“ da oben am Dittersdorfer Weg 25 in den vergangenen Wochen sind ungezählt …

20. Oktober 2015

Heute war nun die Besprechung zwischen OB Barbara Ludwig und diversen Vertretern aus der Einsiedler Bürgerschaft. Neben dem Ortschaftsratsvorsitzenden waren auch dessen Stellvertreter, die Leiterin der Grundschule, Vertreter des Grundschulvereins, des Fördervereins Gymnasium, der Bürgerinitiativen „Einsiedel sagt nein zur EAE“ und „Gemeinsam für Einsiedel“, Vertreter von Viktoria und Skiverein sowie der Freiwilligen Feuerwehr vor Ort. Seitens der Kirche waren der Einsiedler Pfarrer und der Vorsitzende des Kirchenvorstands anwesend.
Wer wenig von dieser Zusammenkunft erwartet hatte, wurde nicht enttäuscht!
Seitens der Stadt war auch noch Ordnungsbürgermeister Runkel im Ratssaal, der aber dann, nachdem er einige „schlimme“ Worte über das Geschehen in Einsiedel geäußert hatte, wegen angeblichen Termins früher ging. Ob das mit dem Termin nun stimmte oder nicht – wir wissen es nicht.
Was wir aber aus eigener Erfahrung wissen, ist die Tatsache, dass es bei LINKEN-Politikern weitverbreitet zu sein scheint, eine Sitzung vorzeitig zu verlassen, wenn die eigenen Argumente nicht reichen.
Die OB hatte auch einen Syrer und einen Iraker eingeladen, die beide als integriert gelten, „um den Einsiedlern die Angst zu nehmen“. Nun, wir haben im Nachgang einige der Einsiedler Protagonisten gesprochen und müssen zugeben, dass das seit Wochen anhaltende Zittern derselben war weg! Die anderen weit über 3.000 Einsiedler müssen wir wohl noch um etwas Geduld bitten und hoffen, dass die heilende Wirkung eines später voll belegten Lagers sich alsbald auf den Ort niederschlägt. Das Verhältnis zwischen „Ängstlichen“ und „Heilenden“ nähert sich ja dann stetig an.

Aber zur Sache:

  • Es wurde festgelegt, dass es eine zweite Bürgerversammlung geben soll, und zwar in einem größeren Raum. Vorgeschlagen wurden die F+U-Mensa oder das Einsiedler Gymnasium.
  • Wichtig sind als Gäste aussagefähige(!) Vertreter von Staatsregierung und Landesdirektion
  • Abgelehnt wurde der Moderator der ersten Bürgerversammlung wegen Parteilichkeit. Vorgeschlagen wurde stattdessen der Einsiedler Pfarrer Johannes Dziubek, der allerdings zu diesem Zeitpunkt noch nicht zugesagt hat.
  • Der Vorschlag der OB, dass diese Veranstaltung nur für Einsiedler und andere betroffene Bürger zugelassen ist, wurde angenommen. Ludwig will verhindern, dass die Zusammenkunft als Sprachrohr ihr unliebsamer Parteien und Verbände genutzt wird. Wir nennen beispielhaft Pegida, Pro Chemnitz und die AfD, die seinerzeit bei der ersten Bürgerversammlung viel Applaus erhalten hatten.
  • Es soll ein Sicherheitskonzept für Einsiedel erarbeitet werden. (Ein solches gibt es für die Erstaufnahme Adalbert-Stifter-Weg bis heute nicht!)
  • So möglich, soll die Versammlung noch vor Erstbelegung stattfinden.

Also wir denken, dass man den letzten Punkt wohl vergessen kann, der Freistaat wird sich ganz sicher nicht um eine solche Vereinbarung zwischen Dritten kümmern, wenn die Kapazitätsnot groß ist. Also wie die ganzen letzten Wochen schon …

Unabhängig davon gibt die Stadt bekannt, dass über den Bauantrag Ende Oktober/Anfang November entschieden und die Öffentlichkeit darüber informiert wird.

21. Oktober 2015

Aufruf Demo Einsiedel 21.10.15

Wer heute in Einsiedel am späten Nachmittag aus dem Fenster schaut, sieht auch ohne Kalender, dass Mittwoch ist, denn die Fahrzeuge der Polizei machen gefühlte 10 Prozent des Fahrzeugbestandes auf den Straßen hier aus.
Allerdings stört das niemanden, da die Zusammenarbeit mit der Polizei bisher ausgezeichnet war und dies von beiden Seiten auch für heute erwartet wird.
Kleine Grüppchen von Polizisten (… und Polizistinnen) stehen leise sich unterhaltend zusammen, mal eine rauchend, mal die ab 18:00 Uhr zum Treffpunkt eilenden Einsiedler und die vielen Gäste aus den Nachbargemeinden betrachtend.

Demo kritischer Bürger in Einsiedel 21.10.15

Am Startpunkt des Demonstrationszuges an der Anton-Herrmann-Straße war auf einem Privatgrundstück eine große Leinwand gespannt, auf der mittels Beamer kurze Punkte zum Info-Stand und Danksagungen in Form einer Präsentation eingeblendet wurden. Es gibt hier immer neue Ideen und man kann sich nur wundern oder besser es bewundern, was hier tagtäglich auf die Beine gestellt wird!

Auch der Schweigemarsch heute hat mit mindestens 2.200 Teilnehmern einen neuen Rekord aufgestellt! Andere nennen noch höhere Zahlen von über 3.000.
Die Freie Presse berichtete kurz darauf auf ihrer Homepage von ca. 1.500 Demonstranten, aber Gott sei Dank war noch ein Redakteur einer höheren Besoldungsstufe im Hause, der die Teilnehmerzahl von 2.000 nennen durfte und damit schon näher an der Realität agierte.

Amtsberger Bürgermeister schaut besorgt nach Einsiedel

… war eine weitere Schlagzeile in der Freien Presse am heutigen Tage. Nachdem sich der Amtsberger Bürgermeister Silvio Krause (CDU) bereits unter dem 23. September erstmals besorgt gezeigt hat, lesen wir heute, dass die Sorgen nicht weniger und der Artikel entsprechend länger geworden ist.
Der Tenor aus Amtsberg ist indes recht deckungsgleich mit Einsiedler Anliegen, man weiß um die Sorgen mit der geplanten Erstaufnahme hier, teilt diese und weiß auch, dass vor allem der Ortsteil Dittersdorf in verschiedenen Formen mit der staatlicherseits angestrebten Form der Kompensation des Fachkräftemangels mitbetroffen sein wird.

22. Oktober 2015

Wir wissen es nicht genau, denken aber, dass Einsiedel im Lokalteil der Freien Presse seit September einen einsamen Spitzenplatz unter den 39 Stadtteilen und Ortschaften einnimmt. Auch heute war es wieder so: großes Foto, größerer Artikel, prominent platziert. Also, dass die Geschehnisse hier totgeschwiegen würden, wäre wirklich eine Lüge!
Wenn wir als Redakteur des Artikels Michael Müller lesen, haben wir ein etwas durchwachsenes Gefühl bezüglich Objektivität, aber wir kommen nicht umhin zu sagen, dass das, was Müller heute schreibt, Fakten waren. Einzig warum er den geforderten Dialog in Anführungsstriche setzt, bleibt unerklärlich.
Ach, und freilich wurde auch die Danksagung an Pegida Chemnitz-Erzgebirge für die Unterstützung in den letzten Wochen von Müller noch mal benannt, da sich das nach den Ereignissen in Dresden am letzten Montag zahlreich verkauft und die Einsiedler dann doch etwas ins rechte [sic!] Licht rückt.
Auch wird im Artikel noch einmal vom Amtsberger Bürgermeister Silvio Krause und dessen kritischen Erklärungen zu den Plänen der Landesdirektion berichtet.

23. Oktober 2015

Auf der Webpräsenz von „Haus-Wohnung-Grund Einsiedel“ (H+G) finden wir heute einige Schreiben, in denen der Verein bezüglich des Objektes Dittersdorfer Weg 25 und dessen geplanter Verwendung Stellung bezieht. Die beiden gleichlautenden Briefe wurden an Ministerpräsident Tillich und an OB Ludwig versandt.
Während aus Dresden zum Zeitpunkt noch keine Antwort vorlag, hatte Ludwig das Schriftstück an die Fraktionen im Stadtrat weitergegeben. Und es kamen zwei Antwortschreiben. Beide von der CDU, beide recht unterschiedlich.
Einmal vom Bundestagsabgeordneten Frank Heinrich. Hier erfährt der geneigte Leser, wie man nichts sagen (… schreiben) kann und doch beinahe eine Seite vollbekommt.
Ganz anders die Antwort der Chemnitzer CDU-Stadtratsfraktion. Also hier fühlt man sich beinahe wie in den 1990er Jahren, als die Christdemokraten noch eine konservative Partei waren, bevor sie im hausgemachten „Einheitsbrei der Mitte“ landeten. Ein sachliches Schreiben, ohne Polemik, glaubhaft geschrieben und wirklich auf das Problem eingehend. Allgemein wurde dies bei H+G mit großer Befriedigung aufgenommen.

Überhaupt stellen auch wir fest, dass keineswegs alle CDU-Mitglieder hier in der Kommunalpolitik die „Wir schaffen das“-Entscheidungen ihrer Vorsitzenden bzw. des Landesverbandes mittragen können oder wollen. Stadträte wie Ines Saborowski-Richter oder CDU-Ortsverbandschef Grüna/Mittelbach Nico Köhler stechen da hervor. Wir kennen beide nicht persönlich, aber diese Namen fallen uns in verschiedenen Publikationen/Internet in letzter Zeit öfter auf. Und zwar in einer Weise, dass sich beide doch tiefergehend mit den Problemen hier befassen und scheinbar erkannt haben, dass sich mit dem standardisierten „Alles-Nazis“-Vokabular der linken Stadtratsmehrheit die Realität nicht zurechtbiegen lässt.

24. Oktober 2015

Heute haben wir gute Nachrichten!

Das ständige Gejammer, Stadt und Freistaat sorgten sich nur um die Asylanten und nicht um die eigene Bevölkerung, müssen wir entkräften! Der Zaunbau um das Lager schreitet voran, aber:
Auch zum Schutz der Kinder hier im Ort hat die Stadt Chemnitz einen hübschen Zaun um die kleine Rutsche im Walter-Wieland-Hain errichtet. Und für ein tolles Schild hat das Geld auch noch gereicht! Mit viel Geschick und unter Ausnutzung selbst der kleinsten Möglichkeiten gelingt es Chemnitz, den traurigen Rekord als „älteste“ Stadt Deutschlands wieder und wieder zu verteidigen und, wenn möglich, den Vorsprung auszubauen!

Dieses Jammerbeispiel Chemnitzer Kommunalpolitik haben wir heute fotografiert. Wir garantieren, dass jeder Verantwortliche dafür einen Schuldigen präsentieren kann, der auf dem Ast über ihm (… ihr) sitzt oder ein anderes Parteibuch hat!
So, das nur am Rande in der Debatte „Ist kein Geld da, ist kein Geld da …“.

Wie erwähnt, schreitet der Zaunbau nicht nur am Walter-Wieland-Hain, sondern vor allem am Dittersdorfer Weg 25 voran. Die rumänischen Fachkräfte haben in der letzten Woche allerhand Meter geschafft. In Bälde sind hier wohl die Arbeiten fertig. Diverse Brandschutzarbeiten werden an einigen Gebäuden ausgeführt und Liegen mit Matratzen sind auch schon eingetroffen.
Wie vermutet, werden die unteren Häuser am Feld zuerst belegt.

Die Sauna am Info-Stand
(Foto: Ronny Buchholz)

26. Oktober 2015

Heute sollten die Frauen und Männer am Infostand (Tag 26), die unseren Respekt verdienen, durch eine fahrende Sauna unterstützt werden. Leider nur kurz! Die gesponserte Sauna wurde kurzzeitig neben dem Infozelt stationiert und sollte der Aufwärmung dienen.
Allerdings „äußerte das Ordnungsamt Bedenken“ wegen der Genehmigung, und angesichts dessen wurde sie wieder abtransportiert. Schade! Trotzdem ein großer Dank an den Bereitsteller, eine wirklich nette Geste der Solidarität.

28. Oktober 2015

Hinweisbanner Lichterdemo 28.10.15

Immer wieder mittwochs…
Nun, unsere geneigten Leser wissen es bereits: Mittwoch ist Demo-Tag und ein kurzer Bericht folgt weiter unten.

Vorher gibt’s aber erst einmal die Presseschau vom heutigen Tage:
Minister kommt nicht nach Einsiedel“ (zur Einwohnerversammlung am morgigen Donnerstag) informiert die Freie Presse in einer kleinen Randnotiz. Gemeint war Innenminister Markus Ulbig (CDU), der zum wiederholten Male das Gespräch mit der Einsiedler Bürgerschaft verweigert. Seiner Beliebtheit hier im Ort tat das keinen Abbruch, da man von Null bekanntlich nichts mehr abziehen kann.
Statt Ulbig ist nun der sächsische Asyl-Koordinator Dirk Diedrich angekündigt. Einige kennen ihn bereits aus der Infoveranstaltung unter dem 25. September in der Kirche.

Schon wesentlich größer in der Aufmachung war ein Freie-Presse-Interview mit der Landtagsabgeordneten Ines Saborowski-Richter (CDU) unter dem Titel: „Ich hoffe, dass es nicht zur Gewalt kommt“.
Wenn auch die Befragung nichts spektakulär Neues offenbarte und wir das Interview hier nicht über den grünen Klee loben wollen, zeigt sich doch wieder einmal das Engagement Saborowski-Richters, welches wir kürzlich erst anerkennend erwähnten. Landtagswahlen stehen nicht an und es ist in Sachsen wahrlich kein Kunststück, als CDU-Mitglied sein Direktmandat zu gewinnen, sodass wir Saborowski-Richter hier wirklich Interesse an der Sache unterstellen können.

Aber: Das sehen nicht alle so. Uns erreichte heute ein Schreiben der „Bürgerinitiative gemeinsam für Einsiedel“, welches wir nachfolgend mit Genehmigung der Verfasserin publizieren. Es gibt die Meinung desselben wieder, nicht die unsere. Der Vollständigkeit halber geben wir aber auch andere Meinungen wieder … wir sind ja nicht der Mainstream.

Nachbarort sorgt sich um Naturschutzgebiet“ war schließlich ein weiterer Artikel in der heutigen Freien Presse. Hier wurden noch einmal die Bedenken vom Amtsberg deutlich hervorgehoben, da die Gemeinde informativ (zwecks Stellungnahme) in das Baugenehmigungsverfahren eingebunden wurde. Amtsberg fordert ein Mitspracherecht und pocht hier hauptsächlich auf Natur- und Brandschutz. Die Grenze zwischen den Gemarkungen Einsiedel und Dittersdorf läuft direkt am Weg um das Lager herum, der Wald gehört bereits zum Erzgebirgskreis. Und liegt damit weit unter den geforderten 30 Metern Sicherheitsabstand bezüglich Brandschutz. (Wir hatten das bereits mehrfach erwähnt.)

Sächsisches Waldgesetz, § 25, Abs. 3:
Bauliche Anlagen mit Feuerstätten müssen von Wäldern, Mooren und Heiden mindestens 30 Meter entfernt sein; die gleiche Entfernung ist mit Gebäuden von Wäldern sowie mit Wäldern von Gebäuden einzuhalten. Ausnahmen können gestattet werden. Größere Abstände können verlangt werden, soweit dies wegen des Brandschutzes oder zur Sicherheit der Gebäude erforderlich ist. Die Entscheidung trifft die untere Baurechtsbehörde im Benehmen mit der Forstbehörde.

Auch um 19 Uhr gab es heute ein Treffen der Einsiedler Kirchgemeinde. Wie wir erfahren, treffen sich jeden Mittwoch etwa zu der Zeit, wenn auch die Schweigemärsche stattfinden, unterschiedliche Kreise zum gemeinsamen Gebet. Die Örtlichkeiten sind verschieden. Heute fand die Veranstaltung im Kantorat statt, an anderen Mittwochen aber auch in der Parentationshalle (Friedhofskirche) oder auch auf dem Feldweg Richtung Eibischbusch. Grundsätzlich ist es so, dass die meisten Teilnehmer evangelischen Glaubens sind, ein Erstaufnahmelager in Einsiedel als unvermeidlich betrachten und für eine baldige Ankunft von Flüchtlingen hier in Einsiedel eintreten. Die Kirchgemeinde und deren Förderverein formieren einen „Helferkreis für Flüchtlinge“.

19:00 Uhr, Treffpunkt Anton-Herrmann-Straße:
Wie immer gab auch dieses Mal vor Inmarschsetzung des Demonstrationszuges eine kurze Ansprache … nein, heute waren es zwei. Die Ereignisse der letzten Woche bezüglich des Info-Standes wurden genannt und auch Ordnungsbürgermeister Miko Runkel (er stand am linken Rand) wurde mit Buh-Rufen herzlich begrüßt. Die Euphorie war verständlich, war es doch der von den LINKEN seinerzeit aufgestellte Runkel, dessen Amt am Montag die Sauna so erfolgreich verhindert hatte.
Der Schweigemarsch selbst, der auch heute wieder ca. 2.000 Teilnehmer hatte, verlief wie immer ruhig und friedlich.

Und die bereits seit letzter Woche bewährte Leinwand mit Beamer gab es heute natürlich auch.

29. Oktober 2015

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Rechts ein Screenshot der MDR-Website vom heutigen Tage mit Bezug auf den Schweigemarsch vom Vorabend.

Gänzlich anders war heute die Berichterstattung in der Freien Presse. Hier war man immerhin des Zählens mächtig und gab die Teilnehmerzahl des Vorabends korrekt mit 2.000 Menschen an. Ansonsten wurde auf den Redebeitrag des zweiten Sprechers gestern Abend, in welchem dieser von der gestiegenen Kriminalität seines Wohnortes Siegmar berichtete, nicht eingegangen. Er sagte, dass es grundsätzlich nicht nur Flüchtlinge und Asylanten sind, die hier für die Zunahme verantwortlich seien. „Trittbrettfahrer“ aus Osteuropa und auch Deutsche nutzen derartige Erstaufnahmeeinrichtungen, um im Umfeld derselben vor allem Diebstähle und Einbrüche zu begehen.
In der Freien Presse liest man davon nichts, erfährt aber, dass der Redner vor Jahren einmal für die Bürgervereinigung „Pro Chemnitz“ für den Stadtrat kandidierte.
Wir haben hier also wieder mal die ausgewogene und auf das Wichtigste bezogene Berichterstattung des Redakteurs Michael Müller. Bei dessen Beiträgen ist es fast zwanghaft, die Veranstaltungen zu besuchen oder aber sich via Internet auch andere Darstellungen anzusehen, um sich ein halbwegs realistisches Gesamtbild machen zu können.

2. Bürgerversammlung 29.10.15 Einladung

Viel wichtiger war heute allerdings die zweite Bürgerversammlung um 18:30 Uhr in der Aula des Gymnasiums Einsiedel.

Podium Bürgerversammlung

Wir haben nachfolgend eine kleine Fotogalerie vorbereitet, um auch denen, die nicht dabei waren, die Geschehnisse nahe zu bringen.

Vorab nebenstehend die vier Hauptakteure im Podium v.l.:

  • Dirk Diedrichs, sächsischer Asylkoordinator
  • OB Barbara Ludwig
  • Pfarrer Stephan Brenner, Moderator
  • Mandy Kürschner, Revierleiterin Polizeirevier Chemnitz Südwest
MDR 1 Radio Sachsen Sachsen-Nachrichten um 9:30 Uhr
MDR 1 Radio Sachsen   Sachsen-Nachrichten um 9:30 Uhr

30.Oktober 2015

Die Berichterstattung zur Veranstaltung gestern Abend war heute in unterschiedlichen Medien zu finden.
Beispielhaft rechts ein Screenshot der MDR-Website von heute Vormittag.
Etwas umfassender der Artikel „Freistaat hält an geplanter Erstaufnahme in Einsiedel fest“ in der Freien Presse. Es war eine Zusammenfassung auf vier kurzen Spalten mit Foto und nur für diejenigen von Interesse, die nicht dabei sein konnten und sich grob informieren wollten.

Nach 30 Tagen endet heute der Info-Stand auf der Anton-Herrmann-Straße „im gegenseitigen Einvernehmen“ zwischen Stadt und Betreibern.
Auf der Webseite der Freien Presse finden wir unter „Einsiedel: Heimgegner müssen „Info-Stand räumen“ dazu einige Informationen.
Nicht nur bei uns, auch an anderer Stelle, gab es zu den Auslegungen der Freien Presse heftige (Gegen-)Kommentare.
Die Lüge…

Dessen Duldung [Info-Stand] war seit langem umstritten, da er zeitweilig als eine Art Kontrollposten fungierte. Anwohner berichteten, sie seien dort angehalten und nach ihrem Weg befragt worden. Mitarbeiter von Pflegediensten sollen aus Unbehagen freiwillig Umwege in Kauf genommen haben.

… löste die entsprechenden Reaktionen aus.

Wie die allermeisten Printmedien verliert auch die Freie Presse tagtäglich Leser. Viele der Gründe dafür sind hausgemacht. Falschinformationen wie oben leisten einen großen Beitrag zum Abonnentenschwund („Lügenpresse“). Man schreibt am Leser vorbei oder belehrt statt informiert. Und lernt selbst wohl nichts von der geänderten Realität. Es gibt kein Umdenken, keine noch so kleine Reaktion auf einen (moderaten) Richtungswechsel, weg von Einheitsbrei. Der Druck auf die Redakteure scheint enorm. Ständig kann aus wirtschaftlichen Gründen die Zeitung dichtgemacht oder einem anderen Verlag einverleibt werden und der Arbeitsplatz ist futsch.
Die Freie Presse scheint heute in der Meinungsbildung so „frei“ wie zu DDR-Zeiten.

31. Oktober 2015

Thesenanschlag in Einsiedel am 31.10.15

Reformationstag. Und darum wurden auch in Einsiedel (von Unbekannt) einige Thesen angeschlagen. Zwar nicht an der Kirchentür, aber an mehreren Anschlagtafeln im Ort.

Der Info-Stand wird ab sofort vom Grundstück Anton-Herrmann-Straße 4 aus betrieben. Dieses liegt dem vormaligen Standort auf dem Fußweg gegenüber und die schikanösen, weil täglichen, städtischen Genehmigungen sind damit obsolet. Nachfolgend zwei Fotos des Infostandes vom 1. November 2015.

 

 


Wir danken allen, die Fotos und Daten bereitgestellt haben!
Und freilich sind wir auch zukünftig auf Zuarbeit angewiesen und freuen uns über diese!


Straßenschild Dittersdorfer Weg Einsiedel

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