Einsiedler Hauptstraße 94

Ehemalige Ortslistennummer/Brandkatasternummer (nicht bekannt)

Vormals Dr. med. Adolf Braune

 

Einsiedel Dr. Braune-HausIm Gebäude Hauptstraße 94 wohnte und praktizierte einst der Arzt Dr. med. Adolf Braune.
Nebenstehend ein Foto des Gebäudes etwa um 1910.
(Foto: Jürgen Krauß)

 

 

 

 

 

 

 

 

Einsiedler Hauptstr. 94 im April 2008

Dr. med. Adolf Braune

Dr. Adolf Braune

Das Haus wurde beim anglo-amerikanischen Bombenangriff am 5. März 1945 völlig zerstört und nicht wiedererrichtet.
Vielmehr wurde nun das schon damals bestehende Hintergebäude (Personalwohnung) aufgestockt und ist heute ein schmuckes Wohnhaus.
Links ein Foto vom 20. April 2008. Das Hauptgebäude stand rechts davon, da wo jetzt die Fichte in der Bildmitte erkennbar ist.

Rechts ein Foto von Dr. Adolf Braune. Er hat den Untergang seines Hauses wie auch des ganzen Ortes nicht mehr miterlebt.
(Foto: Ingobert Rost)

 

 

 

Bei verschiedenen Einsiedler Ortschronisten und Heimatforschern (Max List, Ingobert Rost, Bernd Obermaier) finden wir zu den Lebensdaten von Dr. med. Adolf Braune einige Angaben:
Braune wurde am 3. September 1872 geboren. Er praktizierte ab 1898 als praktischer Arzt und Geburtshelfer in Einsiedel. Ab 1899 wird er im Ort als Armen- und Polizeiarzt eingesetzt. 31 Jahre lang war er Kolonnenarzt bei der Freiwilligen Sanitätskolonne Einsiedel (von der Gründung derselben bis zu seinem Tod).
Er starb am 17. März 1939 während er (wie immer zu Fuß) einen Patienten in Berbisdorf aufsuchen wollte. Rodelnde Kinder fanden seine Leiche und bemühten sich, diese auf Schlitten gelegt, den Berg hinab nach Einsiedel zu bringen.

 

Oberförster-Bruhm-Haus, Einsiedel, 1875

Das Gebäude Hauptstraße 94 um 1875 auf einem Gemälde von Walter Leuteritz.
Zum Zeitpunkt war der Besitzer der Oberförster Richard Bruhm, der 1873 im noch heute so benannten Fischzuchtgrund die “Edelfischzucht AG Einsiedel” gegründet hatte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dr.-Braune-Haus um 1910

(Foto: Ingobert Rost)

Einsiedler Hauptstr. 94 im März 2009Links noch einmal das Haus in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts.
Daneben in etwa derselbe Blickwinkel am 29. März 2009.

 

 

 

 

 

 

Ehemalige Hintergebäude, jetzt Wohnhaus, in den 1960er JahrenLinks das nach dem Krieg aufgestockte Hintergebäude in den 1960er Jahren.
(Foto: Hans Morgenstern)

 

 

 

 

 

 

 

 

In der Einsiedler Ortschronik von Max List finden sich zwei Mundart-Anekdoten von Erich Schemionek, die wir unseren geneigten Lesern nicht vorenthalten möchten. Wir zitieren 1 zu 1. Mittig noch ein Foto von Dr. Adolf Braune (Ingobert Rost).

 

 

Dr. Braune

Adolf Braune in Uniform

Adolf Braune in Uniform

Wenn ofn Braune Dr. de Red kom, do sahtn manche: „Ze dan gieh mer nich, dar is ewing grob!“ Annere wieder mahnten: „Wenn ar a nich viel Mengenge macht, ar kaa abr wos!“ On ich sog: „Ar war e Arzt, dan sei Beruf über olles ging, on das er deswegn in sen Labn oft ze kurz komme is.“
Do war doch emol ze Sylvester ene Kält, doß mar ken Hund of de Stroß gejagt hätt, on dar Wind trieb Schindluder mitn Schneeflocken; mar kunnt kaum de Hand vürn Agn sah. Dar Braune soß in sener worm Stub on hatt sich e Buch vürgenomme. Sei Gong brannt de Lichter vom Christbaam a, on de Fraa decketn Sylvestertisch. Wu se nu grodn Karpfen reibracht klingelt s Telefon. Dar Wirt vom Geiersberg rief a, „Herr Doktor, s is suweit. Kommen se när glei, de Hebamm is a schie do.“ Dar Braune legetn Hörer ab, schielet nach dan Karpfen hie, – obr de Pflicht ließ n kaane Zeit, erscht ze assn. „Muß der Scheißer grad jetzt zur Welt komm?“ Saht ar eweng ärgerlich, schenkt sich noch an Korn ei, zugn Mantl a, nohm sen Stock on de Tasch on ging los. Ar fuhr in kaan Auto oder in enner Kutsch, ar ging ze Fuß dorch de Winterkält on en Winterstorm nachn Geiersberg, e Weg von mindestens ner ¾ Stund.

Dar Hexenschuß
Zen Braune kom e mol de Ziegnlies, weil se´s immer esu im Kreuz hatt on sich kaum bücke kunnt. „Ich glaab,“ saht se, „ ich ho´n Hexenschuß.“ – „Hexenschuß?“ saht dar Braune. „Na, da wolln wir mal nachsehen, obs auch stimmt! Machen Sie mal ein paar Kniebeugen und strecken Sie dabei die Arme nach oben!“
“O, – dos wärd wuhl schlacht gieh!“ jammert de Lies. „Na, – versuchen wirs mal!“ drängte dar Braune. De Lies ging nu eweng noch untn on versucht a, de Arm ze hebn. Obr dos worn Braune ze wing. “Ein bisschen mehr müssen Sie sich schon anstrengen!“ saht ar energisch. Do nohm de Lies alle Kraft zesamm, zug darbei ene Gusch, als ob se sterbn wollt, on ging in de Kniebeug ronner. Wu se noch de Arm in de Häh nohm, passiert ar wos, worüber mar sonst nich spreche tut. Do lacht dar Braune on saht: „Na, sehnse! Dar Schuß ist raus. Jetzt brauchn wir nur noch die Hex zu kurieren!“

 

Wir wollen abschließend noch einen Blick wagen, wie er sich Adolf Braune dargestellt haben muss, wenn er vorn am Grundstück am Zaun stand und auf die Hauptstraße blickte:
Die Zwönitzbiegung in Höhe Hauptstraße Nr. 94 links unten auf einer Fotografie Anfang des 20. Jahrhunderts und daneben reichlich 100 Jahre später, am 20. März 2005.

Das Motiv mit dem Mädchen am Fluss fand große Verbreitung, nachstehend finden wir es z.B. noch einmal als Lithografie auf einer Ansichtspostkarte.

Hintergrundwissen alte Ansichtspostkarten:
Bei der hier oben links abgebildeten Ansichtskarte zeigt sich uns die Rückseite. Bis zum Jahre 1905 durfte auf der Vorderseite nur die Anschrift stehen (siehe oben rechts) und bedingt dadurch nur die Rück- bzw. Bildseite beschrieben werden. Aus diesem Grunde wurde von den deutschen Druckereien (1897 waren das um die 60 im gesamten Deutschen Reich) oftmals auf der Bildseite ein unbedrucktes Feld gelassen, wo der Absender einige wenige Worte niederschreiben konnte. Aber wie so oft verkalkuliert man sich mit dem Platz, weil einem ja doch noch dies und jenes einfällt, und so verwundert es nicht, das allzu oft in das Bild hineingeschrieben wurde.
Diese „Gruß aus…-Karten” sind also bestimmend für den Zeitraum zwischen 1870 und 1905. Erst ab 1905 wurde die geteilte (Rück)-Seite, wie wir sie heute noch kennen, von der Postverwaltung zugelassen. Das Foto geht nunmehr über die ganze Seite und dreht man die Karte, kann man sich links noch immer kurzfassen und rechts den Empfänger bestimmen.
Oben rechts ist noch einmal die Vorderseite der Postkarte abgebildet. Diese wurde am 2. November 1903 im Einsiedel aufgegeben und traf bereits einen Tag später beim zuständigen Postamt in Hanau ein, wie uns der Posteingangsstempel verrät.

 

 


Heimatwerk Einsiedel sagt Danke!

 

 

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Die bildlichen und textlichen Inhalte stellen den Stand unserer Veröffentlichung zum Grundstück Einsiedler Hauptstraße 94 dar, wie er in der Version 2004, die über zehn Jahre (2004-2014) ausgegeben wurde, publiziert war. Für dieses Objekt liegen in unserem Archiv ergänzende Daten und Fotos vor.

 


 

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