Eine kleine Berbisdorfer Zeittafel

3er Ansicht Berbisdorf 1927

Fotopostkarte, postalisch gelaufen am 31. Oktober 1927.
Oben Teilansicht aus nördlicher Richtung, links unten das Restaurant “Keglerheim”, rechts die Berbisdorfer Kirche.

Der Ort Berbisdorf …

… war im Mittelalter eine Liegenschaft der Herren von Waldenburg, welche ihren Sitz in Wolkenstein hatten.

 

 

 

1381
Am 21. März verkauften Hans von Waldenburg und seine Söhne die Bauerndörfer Berbisdorf und Eibenberg an die Pfarrkirche zu Ehrenfriedersdorf. In eben diesem Verkaufsdokument findet sich erstmals der Name “Berbisdorf” und somit gilt das Jahr 1381 als Gründungsdatum für die Gemeinde. (Es ist aber davon auszugehen, dass die Besiedlung dieses Fleckens bis zu 100 Jahre früher begann.)
Der Name selbst rührt wahrscheinlich von einem der ersten Ansiedler, “Berwig” genannt, her. Jahrhunderte lang war Berbisdorf ein reines Bauerndorf und blieb es bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

 

1537
gelang dem Ort auf vertraglicher Basis eine Ablösung der Frondienste durch Geld. Der Hintergrund war der, dass diese Frondienste in Ehrenfriedersdorf abzuleisten waren. Die Bauern konnten somit nur einen geringen Teil ihrer Arbeitszeit auf dem eigenen Hofe verbringen, da schon der Weg nach Ehrenfriedersdorf erhebliche Zeit in Anspruch nahm, vom Zeitrahmen der eigentlichen Frondienste ganz zu schweigen.

Unterer Berbisdorfer Ortsteil

Berbisdorf, unterer Ortsteil, in den 1920er Jahren.
Die Bauerngüter: oben links Schubert-Bauer, ganz rechts Weiß-Bauer, in der Mitte das Edelmann-Haus.
(Vorlage: Jürgen Fritzsche)

1550
wurde Berbisdorf der Amtshauptmannschaft Forchheim zugeschlagen (vorher: Amtshauptmannschaft Wolkenstein).

 

1618 – 1648
Der Dreißigjährige Krieg verschont auch Berbisdorf nicht, verschiedene Quellen berichten, dass der Ort von feindlichen Truppen heimgesucht wurde. Ob es aber die meist genannten “Hussiten” waren, muss bezweifelt werden.

 

1831
Berbisdorf zählt 16 Bauern, 34 Häusler (Hausbesitzer) und 34 Hausgenossen (Mieter).

Oberer Berbisdorfer Ortsteil

Berbisdorf, Pappelweg, nach 1905. Ganz links das Lehngericht.
(Vorlage: Jürgen Fritzsche)

1840
Die Einwohnerzahl beträgt 524 Einwohner und wächst in den folgenden fünf Jahrzehnten auf 854 Einwohner an.

 

1846
Ein erster Hauch des begonnenen Industriezeitalters streift Berbisdorf, die Strumpffabrik F.A. Löffler wird gegründet.

 

1855
Der Friedhof wird neu angelegt.

 

1875
Gründung der Strumpffabrik Herrmann Richter. Mit Ausnahme der zwei Strumpffabriken ging der Kelch der Vor- und Nachteile der Industrialisierung im Großen und Ganzen an der Gemeinde vorbei. Es gab beispielsweise nie einen Bahnanschluss. Die Einwohnerzahl stieg gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf ca. 900 Personen.

3er Motiv Berbisdorf 1911

Postkarte, gelaufen am 17. Oktober 1911. Oben Lehngericht und Turnhalle, unten links Schule, Gasthof “Friedenseiche” und Kirche. Rechts Blick zur Ortsmitte mit Strumpffabrik Richter.

 

1899
wird ein neues Schulgebäude mit 3 Klassen errichtet.

Die ehemalige Berbisdorfer Schule am 20. August 2005.

Die ehemalige Berbisdorfer Schule am 20. August 2005.

1904
Bau der Turnhalle gegenüber dem Lehngericht.

Die berbisdorfer Turnhalle gegenüber dem Lehngericht.

Die Turnhalle, 1904 erbaut. Die Karte lief postalisch am 9. April 1912.

1905
Bau der Berbisdorfer Kirche.

 

1935
erfolgt die Eingemeindung nach Einsiedel. Im „Wochenblatt für Einsiedel“ war seinerzeit folgende Erklärung zu lesen:

Aus alten SchriftenDurch Verfügung des Reichsstatthalters Mutschmann ist mit Wirkung vom 15. Juli 1935 die Gemeinde Berbisdorf in die Gemeinde Einsiedel (Amtshauptmannschaft Chemnitz) eingegliedert worden. Die Gemeinde Berbisdorf führt den Namen Ortsteil Berbisdorf.“

 

Diese Eingemeindung war allerdings kein Willkürakt nationalsozialistischer Diktatur, sondern durch wirtschaftliche Notwendigkeit gegeben. Eingemeindungen gab es schon seit dem Mittelalter und sie forcierten sich mit zunehmender Industrialisierung. Ein naheliegendes Beispiel ist wohl Chemnitz, hier wurden zwischen 1844 und 1929 16 Vororte eingemeindet.
Aber natürlich war nach Bekanntwerden der Eingemeindungspläne die Aufregung in Berbisdorf groß. Die Gemeindevertreter forderten den damaligen Bürgermeister Meyer auf, im Ort eine Unterschriftenliste gegen diesen Beschluss herumgehen zu lassen, da man glaubte, Einsiedel wolle sich auf Kosten der Berbisdorfer sanieren. Es muss noch gesagt werden, dass bereits 1934 Gespräche zwischen den beiden wirtschaftlich schwachen Dörfern Berbisdorf und Eibenberg mit der Gemeinde Kemtau geführt wurden, um die Möglichkeiten eines Zusammenschlusses der drei Orte zu sondieren. Diese Gespräche scheiterten und so kam es, dass Eibenberg nach Kemtau und Berbisdorf nach Einsiedel „zwangsweise“ eingemeindet wurden.
Durch den Zusammenschluss vergrößerte sich Einsiedel auf fast 1050 Hektar, die Einwohnerzahl stieg um 831 auf 6176.

 

1945
Am 6. Februar erster Bombenangriff auf Berbisdorf. Der Versuch, die Masten der Überlandleitung zu treffen, schlug fehl. Lediglich die Leitung wurde unterbrochen, der Schaden war am Folgetag repariert. Schlimmer war, dass dieser einzelne Flieger nach Einsiedel flog und weitere Bomben über der Eibenberger Straße ausklinkte. Zwei Menschen starben hier.
Am 2. März erneuter Fliegerangriff auf Berbisdorf. Der Großteil der Bomben ging auf den umliegenden Feldern nieder. Eine einzelne traf jedoch das Bauerngut Weiß. Hier fielen der Eigentümer Fritz Weiß, dessen Sohn und das Landjahrmädel dem anglo-amerikanischen Bombenterror zum Opfer. Ein dritter und vierter Bombenangriff erfolgte am 5. März.

 

1964
Im Zuge des NAW leisteten 105 Berbisdorfer 1.300 Arbeitsstunden und schufen innerhalb eines Monats eine Buswendeschleife. Am 31. Mai (ein Sonntag) wurde die Wendeschleife feierlich übergeben, am 1. Juni fuhr der erste Bus nach Berbisdorf. Im gleichen Jahr wird die Schule geschlossen, die Berbisdorfer Kinder gehen (…fahren) jetzt nach Einsiedel.

 

1974
begann man mit dem Bau einer Wasserleitung für Berbisdorf und Eibenberg. Auch dies geschah zu einem großen Teil in Eigeninitiative der Einwohner (sog. “Mach-mit-Wettbewerb”).

 

1976
Am 12. Dezember wird der letzte Bauabschnitt der Wasserleitung übergeben.

 

1981
Vom 5. bis 12. Juli findet eine 600-Jahr-Feier in Berbisdorf statt.

 

2006
625-Jahr-Feier? Fehlanzeige!

Unterer Ortsteil, 20. August 2005.

Unterer Ortsteil, 20. August 2005. Hintergrund Bildmitte das Bauerngut Kunze.

 

 


 

Berbisdorf

 

 

 

 

 

 

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