Dittersdorfer Weg 25 ab Januar 2022

Unterkunft für Ukraine-Vertriebene
ab Winter 2022/23 für afghanische Immigranten, sog. Ortskräfte  

Ab 1. Januar 2022

<<< Die Zeit davor

März 2022

Mit Aushängen an den Anschlagtafeln im Ort am 9. März und – deutlich effizienter – mit Mundpropaganda wurde einer breiten Einwohnerschaft mitgeteilt, was am Vortag bei der Ortschaftsratssitzung besprochen wurde:
Die Landesdirektion Sachsen als zuständige Behörde plant die erneute Belegung des Ex-Pionierlagers, dieses Mal mit ukrainischen Vertriebenen.

Die Anschlagstafel in Höhe Kindergarten am 10. März 2022. Hier der Text für die Einladung zur Informationsveranstaltung.

Also richtig überraschend kam wohl für niemanden die Einquartierung ukrainischer Flüchtlinge oben in der Einrichtung am Dittersdorfer Weg 25. Wer die Bilder und Nachrichten seit Beginn des Krieges unter dem 24. Februar 2022 verfolgt hatte, sah die unzähligen flüchtenden Menschen, sah das Leid, sah die Zerstörungen.

Veranstaltung Neubelegung mit ukrainischen Flüchtlingen
Ca. 110 Einwohner besuchten die einstündige Informationsveranstaltung der Landesdirektion Sachsen am 10. März 2022 in der Aula des Einsiedler Gymnasiums.

Und völlig anders, also wirklich völlig anders, war die Stimmung unter den Zuhörern im Vergleich zu der ähnlichen Informationsveranstaltung unter dem 29. Oktober 2015. Soll heißen, es gab nur Zustimmung zu diesem Vorhaben. Und viele Angebote der Unterstützung.
Aber auch die deutlich geringere Resonanz seitens der Einsiedler Bürgerschaft zeigte, dass hier nicht ansatzweise solche Probleme befürchtet werden, wie 2015/16 bei den meist jungen, männlichen und muslimischen Asylbewerbern und Immigranten.

Die wichtigsten angesprochenen Punkte:

  • Rechtlich handelt es sich bei den hier ankommenden Ukrainern um Vertriebene, keine Asylbewerber
  • D.h. günstigere Bedingungen, keine Asylverfahren
  • Keine Residenzpflicht, also freie Wohnortswahl
  • Arbeitserlaubnis und nach Aussage der LDS wollen die Meisten wohl auch arbeiten
  • Der Aufenthalt in Einsiedel soll nur fünf bis sieben Tage betragen
  • Maximal 500 Plätze, sukzessive Belegung, wohl schon ab kommenden Sonntag
  • Belegung hier auch mit Kindern, Babys, Jugendlichen und Schwangeren
  • Die Betreuung des Objekt erfolgt durch die Malteser, die Sicherung durch einen Wachschutz aus Mittweida
  • Wegen der geplanten Durchgangssituation sind Kindergarten und Schule/Gymnasium nur relevant, falls im Einsiedel Wohnung genommen würde
  • Drei Häuser im Objekt werden wegen Untauglichkeit nicht angemietet
  • Es werden keine Asylbewerber in Einsiedel untergebracht

Ehemaliges Ferienlager in Chemnitz-Einsiedel wird als Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine genutzt

Die Landesdirektion Sachsen (LDS) wird das Objekt der F+U Gemeinnützige Bildungseinrichtung für Fortbildung und Umschulung Sachsen GmbH am Dittersdorfer Weg in Chemnitz-Einsiedel ab dem kommenden Wochenende für die Unterbringung von Kriegsvertriebenen aus der Ukraine nutzen.

Das Objekt bietet maximal 500 Plätze. Zunächst werden nur rund 100 Menschen ein Quartier erhalten. Parallel mit dem Hochfahren der Unterkunft wird die Anzahl der untergebrachten Flüchtlinge erhöht.

Vor Ort werden die erforderliche soziale und medizinische Betreuung, der Wachdienst sowie die Verpflegung für die neu ankommenden Flüchtlinge vorbereitet. Die Einrichtung wird von den Maltesern betrieben.

Hintergrund der Unterbringung in diesem Objekt in Einsiedel ist der starke Zustrom von Vertriebenen aus der Ukraine nach Deutschland und damit auch nach Sachsen. Vertriebenen, die nicht bereits auf eigene Initiative oder vermittelt durch Familie, Freunde oder Unterstützer eine private oder kommunale Unterkunft finden konnten, stellt die Landesdirektion Sachsen ein Quartier in den eigenen Erstaufnahmeeinrichtungen zur Verfügung.

Die Kapazitäten der sächsischen Erstaufnahmeeinrichtung sind inzwischen nahezu ausgelastet. Deshalb nimmt die Landesdirektion Sachsen auch die Unterbringungsmöglichkeit in Einsiedel in Anspruch.

Mit einer Informationsveranstaltung am 10. März 2022 im Gymnasium Einsiedel hatte die Landesdirektion Sachsen – unter der Beteiligung der Präsidentin, Frau Regina Kraushaar – interessierte Bürgerinnen und Bürger über die Inbetriebnahme der Unterkunft bereits informiert.

Landesdirektion Sachsen, Pressemitteilungen 2022 [011/2022 – 11.03.2022]
Eingang zum ehemaligen Pionierlager Einsiedel am 11. März 2022
Am 11. März war Brandschutzbegehung und am Samstag, dem 12. März, wurde die Einrichtung durch das THW mit Betten und ähnlichem ausgestattet.
Ein Bus bringt ukrainische Vertriebene ins ehemalige Einsiedler Pionierlager
Am 15. März um 17:59 Uhr gelang dieser Schnappschuss. Er zeigt einen Bus mit Ukraine-Flüchtlingen an Bord auf dem Weg hoch ins Lager. Diese Erstbelegung soll mit 47 oder 49 Personen erfolgt sein, die Angaben dazu variieren.

In den späten Abendstunden des 15. März erreichte uns noch dieser Spendenaufruf von Ortschaftsrat und Freiwilliger Feuerwehr Einsiedel.

Als sich am 16. März dann viele Neuankömmlinge unten im Ort z.B. zum Einkauf einfanden, war das Erstaunen zum Teil recht groß.
Keinesfalls nur (ukrainische) Mütter mit Kindern, sondern auch junge Männer, die augenscheinlich eher aus Afrika stammen oder arabischer Herkunft zu sein scheinen. Ausländische Studenten aus der Ukraine?
Auf alle Fälle bemerkt man sofort wieder eine gewisse Unruhe im Ort … so wie 2015. Und die alten „Meldeketten“ scheinen auch noch zu funktionieren.

Am 17. März fand dann der zwei Tage vorher initiierte Sachspendenaufruf von Freiwilliger Feuerwehr und Ortschaftsrat Einsiedel im Feuerwehrgebäude Einsiedler Hauptstraße 95a eine große Resonanz.

Oben: Neben Kleidung gab es sehr viele, recht unterschiedliche Sachspenden.
Sie wurden von den Kameraden eingesammelt und noch am gleichen Tage oben im Lager abgeliefert (rechts).
(Fotos: Dirk Hänel)

Ausgesetzt wurden seit der Wiederbelegung des Lagers auch die Warnungen mit Sirene in Einsiedel, egal aus welchem Anlass.

Juli 2022

Die Flüchtlingsunterkunft ist geschlossen und wird noch bis Jahresende als Reserve vorgehalten.

Falk Ulbrich (Ortschaftsratsvorsitzender/CDU), im Einsiedler Anzeiger Juli 2022

(Der Status „Reserve“ begann am 1. Juli und endete am 31. August 2022.)

Spätsommer 2022

Es gibt Gerüchte, dass das Lager verkauft werden soll bzw. ein Vertrag schon zustande gekommen wäre.

18. Oktober 2022

Freistaat Sachsen plant Unterbringung von asylsuchenden Familien in Chemnitz-Einsiedel

Die im Freistaat Sachsen für die Aufnahme und Unterbringung von Asylsuchenden zuständige Landesdirektion (LDS) plant, Familien mit Kindern, die aus Krisen- und Kriegsgebieten nach Deutschland kommen und hier Asyl beantragen, im Chemnitzer Ortsteil Einsiedel unterzubringen – genauso wie afghanische Ortskräfte und deren Familien.

Für die Unterbringung der Familien soll ein Objekt am Dittersdorfer Weg genutzt werden, welches bereits 2015/2016 für die Unterbringung von Asylsuchenden sowie im Frühjahr 2022 zeitweilig für die Unterbringung von Kriegsvertriebenen aus der Ukraine genutzt wurde. Es eignet sich aufgrund seiner speziellen Struktur mit einzelnen Würfelhäusern sehr gut für die Unterbringung von Familien mit mehreren Kindern. Das innerhalb der sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen als Familienunterkunft geplante Areal soll eine Kapazität von 380 Plätzen bieten.

Die Vorbereitungen und Planungen stehen noch am Anfang. So steht gegenwärtig noch nicht fest, wer die Einrichtung betreiben wird. Aus diesem Grund gibt es derzeit noch keinen Termin für die Inbetriebnahme.

Die LDS wird vor Aufnahme des Betriebes die Anwohnerinnen und Anwohner im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung über die Einzelheiten des Betriebes der Unterkunft informieren. Der Termin der Veranstaltung wird rechtzeitig vorher bekanntgemacht.

Vor dem Hintergrund der seit August 2022 stark angestiegenen Zahl der in Sachsen ankommenden Asylsuchenden muss der Freistaat seine Unterbringungskapazitäten dringend erweitern. Daher wird gegenwärtig ebenso ein ehemaliges Hotel in Rötha für die Unterbringung von 300 Asylsuchenden vorbereitet. Auch hier ist die Inbetriebnahme noch nicht abzusehen.

Landesdirektion Sachsen, Pressemitteilungen 2022 [049/2022 – 18.10.2022]

19. Oktober 2022

Immer wieder mittwochs …

… wie vor sieben Jahren um 19 Uhr Demo in Einsiedel?
So schien es jedenfalls heute. Nur einen Tag nach Bekanntwerden der Pläne der Landesdirektion, dass das ehemalige Pionierlager erneut mit Immigranten und Asylbewerbern belegt werden soll, formierte sich Protest.


Ca. 110 Personen nutzen den Abend zu einem gemeinsamen Spaziergang, nachdem sie sich im Bereich der Luther-Eiche versammelt hatten.
Vornweg zwei junge Polizistinnen, hinterher drei ebenso junge Polizisten und das Polizeifahrzeug, zogen die Spaziergänger etwa eine halbe Stunde ihre Runde durchs Oberdorf.

Bereits im Tagesverlauf sah man heute deutlich, dass der Ort recht oft durch ein Polizeifahrzeug bestreift wurde.

Was wird jetzt hier zukünftig werden?

26. Oktober 2022

Demonstration

… mit ca. 129 Teilnehmern (eigene Zählung).

November 2022

Demonstrationen, Spaziergänge, Schweigemärsche

… wie auch immer man es nennen will – sie finden wieder mittwochs 19 Uhr statt. Die Teilnehmer kennen sich seit Jahren, die Bewegung ging nahezu nahtlos aus Demonstrationen und Kundgebungen gegen die Corona-Politik von Bund, Land und Kommune hervor und hat in Einsiedel ihren Ursprung aber schon 2015/16, als äußerst medienwirksam gegen die seinerzeitige Masseneinwanderung von Asylbewerbern und Immigranten protestiert wurde.
Man trifft sich wieder an der Pyramide oder vorm Rathaus und marschiert meist schweigend eine Runde durch das Oberdorf. Publikgemacht werden diese Aktionen nur im bescheidenen Rahmen, Handzettel und Aushänge wie 2015/16 finden sich nicht.
Und so ist auch die Anzahl der Teilnehmer nicht vergleichbar mit den seinerzeitigen Aktionen, sie schwankt um die +-100 Personen.
Am 30. November wurde es lauter: vor ca. 94 Teilnehmern wurde ein Handwagen mit Musik hergezogen. Ob die „Neue Deutsche Welle“ die Leute zukünftig aus den Häusern holt – wer weiß das schon? Dass Babys und Kleinstkinder „aus den Betten geholt“ wurden, steht fest.

3. Dezember 2022

Informationsveranstaltung der Landesdirektion Sachsen in der Turnhalle der Grundschule Einsiedel

Hausen noch erlaubt, drinnen verboten: Fotografieren

Etwa 240 Gäste zählen wir. Also wohl zum allergrößten Teil Leute mit der „richtigen“ Meldeadresse im Ausweis, was vor Veranstaltungsbeginn von ca. 20 schwarzberockten Security-Mitarbeitern, die die Landesdirektion Sachsen (fortan LDS) aus Leipzig für den ganz sicher „schmalen Taler“ hat ankarren lassen, kontrolliert wurde.

Wer es dann in dieses „Bollwerk der demokratischen Teilhabe Aller“, welches nächste Woche wieder als Turnhalle genutzt wird, schaffte, erlebte und vor allem hörte Folgendes:

Pünktlich um 10:00 Uhr eröffnet der Pressesprecher der LDS, Dr. Holm Felber, die Veranstaltung, stellt sich als Moderator vor, erklärt den geplanten Ablauf und verweist auf das Verbot von Auszeichnungen via Bild und Ton.

Auf Nachfrage der Freien Presse darf die Zeitung teilnehmen, obwohl laut Einladung die Veranstaltung nur für Einsiedler Bürger vorgesehen ist. Begründet wird diese „Sondererlaubnis“ mit einem Interesse der Allgemeinheit an Berichterstattung. Felber führt aus, dass für die FP die gleichen Einschränkungen bezüglich Bild- und Tonaufnahmen gelten würden, wie für alle anderen Besucher und die Zeitung auch kein Frage- und Rederecht habe. Deutliches Murren im Publikum – alte Erinnerung an die Berichterstattung der FP 2015/16 werden wach (… und wohl im selben „unparteiischen“ Niveau zukünftig erwartet).

Die schon in der Einladung bekannt gemachten Verbote (Foto, Video, Audio) wurden auch noch einmal mit Piktogrammen im Format A3 an jedem vorstehendem Wandpfeiler angebracht, so dass niemand bezüglich dieser Restriktionen sich auf Unwissenheit beziehen konnte und der Laie sich fragt, ob nicht noch ein Statiker bemüht wurde, um die eventuellen Zusatzlasten für der Tragfähigkeit des Gebäudes zu berechnen. (Das war jetzt natürlich übertrieben, so übertrieben wie die Anzahl der Security-Mitarbeiter und Verbotsschilder.)

Foto- und Audioverbot

Felber stellt die Personen im Präsidium vor, einige sind in (guter) Erinnerung von der Veranstaltung unter dem 10. März 2022. Damals ging es um Vertriebene aus der Ukraine, heute bewegen wir uns im Bereich mittlerer Orient.
Regina Kraushaar, Präsidentin LDS; Jens Löschner, Asyl und Ausländerrecht LDS; Ingo Reichel von den Johannitern als zukünftigem Betreiber und Daniel Goldmann vom Polizeirevier Chemnitz Südwest, in dessen Verantwortungsbereich Einsiedel liegt.

Kurzer Vortrag Regina Kraushaar:
Sie respektiert den Protest und ist sich so etwas aus Einsiedel bewusst. Die Ukrainer im ersten Halbjahr wären eine Sondersituation gewesen. Keinerlei Einspruch aus dem Publikum.
Sie trägt Zahlen und Daten zu Asylbewerbern vor und warum das ehemalige Pionierlager wieder eröffnet wird. Es geht hier um afghanische Ortskräfte und auch Russen, die verfolgt würden.
Es folgt eine gute, für Laien verständliche Aussage zum Status der einreisenden afghanischen Großfamilien:
Sie sind keine klassischen Asylbewerber wie 2015/16, sondern Ortskräfte, die das deutsche Heer in Afghanistan unterstützten. Diese arbeiteten dort keineswegs nur als Dolmetscher, sondern waren auch Fahrer, Küchenhilfen oder wurden zu Hilfsdiensten eingesetzt. (Nach dem Abzug der Bundeswehr und der anderen westlichen Verbündeten und dem Sieg der Taliban gelten diese Ortskräfte nun dort als Kollaborateure – wieder einmal wiederholen sich tausende Jahre Menschheitsgeschichte.)
Gerechnet wird mit großen Familienverbänden, anfangs ca. 150 Personen. Allmählige Belegung, max. 350 Personen, durchschnittlich 5,5 je Familie. Keine Inanspruchnahme der örtlichen Infrastruktur in Sachen Bildung, also Kindergarten und Schulen.

Kraushaar macht ein Angebot für ein neues Treffen im hohen Frühjahr, ein ständiger Dialog zwischen Ortschaftsrat und Betreiber wird angestrebt.

Holm Felber eröffnet die Fragerunde. Obwohl sich alle Fragesteller vorstellten, unterscheiden wir fortan nur zwischen männlich und weiblich (m/w).

W: Fragen zu Verweildauer, Aufnahme, Transfer, Lagerlogistik
Löschner: Kein klassisches Asylverfahren, die Aufnahme erfolgt nach Zusage durch das Auswärtige Amt, das die Ortskräfte und deren Familienangehörigen überprüft habe. Die Länder müssen nach einem Verteilerschlüssel aufnehmen. Verweildauer bisher max. fünf Monate, aber eigentlich unklar wegen der Wohnraumzuteilung.
Anreise nur anfangs mit dem Bus, später kein Shuttleverkehr zum Ortszentrum wie 2016, da jetzt eine gute Anbindung via City-Bahn ins Stadtzentrum besteht.
Winterdienst: LDS nicht zuständig, sondern Stadt Chemnitz, man will klären.
Kraushaar: Die Bundeswehr holt die Ortskräfte am Flughafen Frankfurt/Main ab und verteilt diese auf die Kommunen.
Reichel: „Wir sind immer ansprechbar!“ und seit 2015 mit der Arbeit mit Asylbewerbern vertraut.

M: „Warum sind nur Einsiedler zur Veranstaltung zugelassen?“
Felber (schwammig): Gäste konnten/können Fragen schriftlich stellen.

W: Kosten pro Person?
Löschner: „Wir reichen die Kosten nach.“ (Unruhe in der Halle, Murren). „Die Tagespauschale muss noch zusammengestellt werden.“
Kraushaar: Der Mietvertrag wurde für ein Jahr geschlossen. Es besteht Verschwiegenheitspflicht, sonst wäre kein Abschluss seitens des Vermieters möglich gewesen.
W. weiter: äußert Zweifel an den Sicherheitsmaßnahmen.
Goldmann: „Einsiedel ist einer der sichersten Stadtteile.“ (Gelächter). Er denkt, es gibt auch zukünftig keine Probleme. Auch 2015/16 hätte es hier keine erhöhte Kriminalität gegeben. Polizeiarbeit war damals hauptsächlich durch die vielen Demonstrationen und dem Infostand verursacht worden. Ortskräfte stellen derzeit keine Gefahr nach polizeilicher Einschätzung dar. Gegenwärtig erhöhte Streifentätigkeit, Einsatzlagen nun wieder mittwochs wegen des aufgeflammten Demonstrationsgeschehens.
Verweis auf den ansprechbaren Bürgerpolizisten.
Das Objekt verfügt über einen eigenen Wachschutz.
Löschner: „Alleinreisende Männer sind in Einsiedel nicht vorgesehen.“ Ortskräfte durchlaufen vorher eine Sicherheitsüberprüfung.

M: Wie lange ist der Betrieb des Lagers geplant und die Nutzung danach?
Löschner: ein Jahr, weitere Pläne gibt es nicht.

M: Sicherheitsüberprüfung durch das Auswärtige Amt von allen, also komplette Familie.
Löschner: ja

M: Ab wann Belegung?
Löschner: Verlegung aus Dölzig ab Mitte Dezember, langsames Anwachsen geplant.
Reichel: Nicht vor Mitte Januar.
Kraushaar: Das Bauamt Chemnitz hat die Baugenehmigung an den Besitzer erteilt.

(Im Ort geht die Sirene los … der monatliche Probealarm. Deutung als Omen, verhaltenes Lachen in der Halle.)

Es folgt die erwartbare, berechtigte und doch hier an falscher Stelle vorgetragene Frage:
M: Weshalb wird das Lager erneut geöffnet und Chemnitzer Kinder- und Jugendtreffs geschlossen?
Kraushaar: Die Stadt Chemnitz hat mit den Kosten der Unterbringung hier in Einsiedel nichts zu tun.

M: Meinungsäußerung: „Die Flüchtlinge sollen nach Amerika geschafft werden!“ (spontanes Klatschen). Holt aus, trägt zur vergangenen Asylpolitik vor. Ist strikt dagegen, dass Afghanen hier aufgenommen werden. (Bravorufe, Beifall)
Die Ortskräfte wussten, auf was sie sich einlassen! (Immer wieder klatschen). Vortrag wird mit Ausweitung auf den Ukrainekrieg vorgesetzt und vorgeschlagen, dass Pg’s von SPD, CDU, Grünen und FDP afghanischen Familien aufnehmen und für deren Unterhaltung sorgen.

M: (spricht als Stadt- und Ortschaftsrat) zu Diskrepanzen in Finanz- und Asylpolitik und richtet eine dahingehende Frage explizit an Kraushaar.
Kraushaar (schwammig): wiederholt bereits Vorgetragenes. 16.000 Asylbewerber jetzt gegenüber 70.000 2015. Sagt, dass sie nicht alles beantworten kann. Setzt aber alles daran, dass hier alles ordnungsgemäß wird!

(Zwischenruf: „Wir wollen Deutschland bleiben!“)

W: Nachfrage, ob die Ortskräfte sofort arbeiten können.
Löschner: ja, sie sollen so schnell wie möglich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen.
Kraushaar: afghanische Ortskräfte können gut Englisch und in aller Regel Deutsch.

M: äußert Unmut, Frage zur Organisation und der viel zu kurzen Bekanntmachung, dass diese Veranstaltung angesetzt ist.
Felber: Bezieht sich auf eine Verabredung mit dem Ortschaftsrat und dass diese Einladung letzte Woche Dienstag zugestellt worden sein. Nennt als weitere Veröffentlichungen die Website der Schule, die Aushänge im Ort und das Heimatwerk.
Kraushaar: Wenn es in sechs Wochen die Belegung gibt, dann – wiederholt sie – erfolgt nochmals eine solche Veranstaltung im Frühjahr.

W: Bringt (ehrliches!) Entsetzen über die viele Security zum Ausdruck – „Was glauben Sie, wie die Einsiedler sind, was Sie hier erwartet?!“) (Weniger Frage, mehr berechtigter Vorwurf). Viel Beifall aus dem Publikum!
Felber: Geben nicht gern Geld dafür aus, die nächste Veranstaltung soll anders werden.

W: Erstmalig Aussagen klar pro Asyl in Einsiedel. (Buhrufe und geringer Beifall)

M: Spricht als Handwerksmeister bezüglich „Asylbewerbern in Arbeit“ und dass Realität und Praxis weit auseinanderklaffen. Vollmundige Versprechen scheitern sehr oft am Willen der beteiligten Asylbewerber. (Beifall)
Kraushaar: führt zur deutschen Asylpolitik aus. Aber Ukrainer hätten beispielsweise einen anderen Status. Sagt, dass Vorschläge zur Verbesserung gern entgegengenommen werden.
Reichel: Beklagt auch zu wenig Unterstützung durch Ämter bisher. Wenn jedoch Personal auch ohne Sprachkenntnisse gebraucht werde, bitte auf Johanniter zukommen.

M: Erneute Frage wegen der Baugenehmigung, erinnert an vorab (also vor der Veranstaltung) eingereichte Fragen. Wer zahlt die Ertüchtigung der Häuser/Infrastruktur im Areal?
Löschner wiederholt, dass Stillschweigen vereinbart wurde. Er nimmt aber mit, dass Interesse an weiteren Informationen zum späteren Betreiben vom Dittersdorfer Weg 25 besteht.
Fragesteller führt aus, dass in den vergangenen Jahren keine Gelder des Steuerzahlers (Mietzahlungen) in die Unterhaltung des Objektes geflossen seien. Er hat dafür kein Verständnis, zeigt seinen Unmut. (Beifall)
Kraushaar: Es gibt anderswo Zelte und andere Unterbringungen, die schlechter sind. Lobt das Kulturgebäude des ehemaligen Pionierlagers, so etwas gibt es sonst nicht. Einsiedel ist gut geeignet, die Häuser sind ideal!

M: Einwurf zur Offenlegung der finanziellen Verwendung der Steuerzahlermittel durch den privaten Vermieter
Felber: führt zu weit.

W: führt vorstehenden Faden fort, über Steuermittel, die von der Bevölkerung erarbeitet werden usw. Mahnt sorgfältige Verwendung an, „… auch wenn die LDS selbst nicht produktiv tätig ist!“ (Volltreffer ins Beamtenkontor der höheren Besoldungsstufen –  Bravorufe – Beifall)
Kraushaar mit dem vielsagenden Satz: „Dazu äußere ich mich nicht!“

M: Mahnt bessere Präsentation (z.B. PowerPoint) bei solchen Veranstaltungen an und sagt, dass LDS merkt, wie ein Großteil des Ortes zur derzeitigen Situation steht. Die Ausführungen werden eine Art Schlussplädoyer. (Beifall)
Kraushaar verweist auf die Website der LDS und dass dort noch nochmals Fragen und Antworten eingestellt werden.

W: Werden die Kosten der Polizeieinsätze im Zusammenhang mit der Maßnahme publiziert? Nein.
Goldmann: ergänzt, dass die Besoldungstabellen der sächsischen Polizei frei zugänglich sind und dass die Polizisten bezahlt werden, egal ob sie Streife fahren oder Kaffee trinken.
Felber: LDS wird diverse Zahlen offenlegen, wenn nicht Verschwiegenheit dagegensteht.
Kopfpauschale soll veröffentlicht werden.

M: Wohin sind die Gelder aus den Mieteinnahmen geflossen? Fragesteller regt an, dass Vertreter des SIB (Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement) mit eingeladen werden.
Kraushaar: SIB inspiziert die angemieteten Objekte vereinzelt. Sie weiß, dass die Steuergelder für den Vermieter hier kritisch gesehen werden.
Felber: Zwangslage, kein alternatives Objekt.
Löschner: Der Markt regelt …

11.59 Uhr hält Holm Felber ein kurzes Abschlussresümee der Veranstaltung.
Die LDS will ständig in Kontakt bleiben.
„Frohes Fest, wir sehen uns spätestens im neuen Jahr wieder!“

(Verhaltenes Klatschen)

 

Heimatwerks Nachlese

Aus heimatgeschichtlicher Sicht und deren Dokumentation: gut, dass wir zu dieser Veranstaltung waren! Diese war wohl für alle dabei Gewesenen hochinteressant und uns selbst vor Augen führend, dass augenscheinlich ein Großteil der Einsiedler klar zwischen ukrainischen Vertriebenen und afghanischen Immigranten unterscheidet. Und das ganz sicher nicht aus rassistischen Motiven.

Wir wollen nicht versäumen, die Mitglieder im Präsidium (gilt auch für die Veranstaltung unter dem 10. März 2022), zu loben. Es gab ausreichende und auch unbefriedigende Antworten, aber sämtlich ohne Arroganz vorgetragen. Berechtigte Kritik (z.B. Anzahl der Security vor Ort) scheint gefruchtet zu haben. Ehrliches Bemühen der LDS, hier die Wogen zu glätten und auch zukünftig niedrig zu halten, nehmen wir ihr ab.

Wir beziehen uns dazu auch noch mal zur Bürgerversammlung der LDS unter dem 30. September 2015, die von Burghard Kurtz, damals ein Vizepräsident der LDS, geleitet wurde und der zeigte, „wie es nicht geht“ und dass man sich auch unzureichend vorbereitet zu so einer Veranstaltung begeben kann.

Befriedigend war die ganze Veranstaltung freilich nicht aus politischer Sicht der meisten Gäste.

Die von uns angegebenen 240 Gäste haben wir anhand der Stühle je Sitzreihe und der Anzahl der Sitzreihen hochmultipliziert, leergebliebene Stühle subtrahiert. Unser Ergebnis kann von anderen Angaben abweichen, die Zählung erfolgt aber in Ruhe.

Zu keiner Zeit wurden wir am Mitschreiben gehindert, unser spektakuläres „Keine Fotos-Foto“ (oben) machten wir nach Veranstaltungsende.

„Einsiedel! Nein zum Heim“. Hastig am Schutzzaun wohl während der Veranstaltung angebrachte Losung. Wenige Augenblicke nach der Fotoaufnahme wurde diese – augenscheinlich von den Anbringern – wieder entfernt.
Siehe auch: Bilder vom Tage, 3. Dezember 2022

7. Dezember 2022

Mittwochabend = Demo

Ca. 106 Teilnehmer zählte die Kundgebung vor dem Rathaus, bei der noch einmal die Infoveranstaltung der LDS unter dem 3. Dezember ausgewertet wurde.
Der anschließende Demonstrationszug durch das Oberdorf wurde erneut von lauter Musik angeführt. Dass das oder wie das weitere Teilnehmer anlocken soll, erschließt sich uns nicht …
Siehe auch Bilder vom Tage, 7. Dezember 2022

20. Dezember 2022

Festzuhalten bleibt, dass die Einrichtung in Einsiedel wegen ihrer baulichen Voraussetzungen auch über die afghanischen Ortkräfte hinaus als Familienunterkunft fungieren soll. [sic]

Website der Landesdirektion Sachsen, abgerufen am 21. Dezember 2022

Unter „Antworten auf Fragen zur Inbetriebnahme einer Flüchtlingsunterkunft in Chemnitz-Einsiedel“ löst die LDS das Versprechen ein, Antworten auf Fragen zu publizieren, die im Zuge der Informationsveranstaltung unter dem 3. Dezember 2022 gestellt wurden.

(Wir raten, die verlinkte Website ggf. zu speichern, da Erfahrungen zeigen, dass diese Veröffentlichungen anbieterseitig nicht dauerhaft vorgehalten werden.)

12. Januar 2023

Überlegung …

Wenn die Belegung Mitte Januar erfolgen soll, dann wäre es wohl nächste Woche so weit.
Oder vielleicht schon am kommenden Wochenende, 14./15.1.?

15. Januar 2023, vormittags

„Diversity-Booster“

Ein rassistischer Flyer (Postwurfsendung) macht in Einsiedel die Runde. Auf den ersten – aber wirklich nur kurzen Blick – wirkt er, als stamme er tatsächlich von der Stadt Chemnitz. Dem ist natürlich nicht so.

Recht einfach gehalten, inhaltliche Lügen (Die Stadt Chemnitz plant …) und mit den gendertypischen Worthülsen und Worthülsinnen (oh, jetzt hat sich unsere Rechtschreibkorrektur gerade erschossen), glaub man nach dem Durchlesen, hier ein linkes Pamphlet vor sich zu haben. Kann gut sein, wird wohl auch so sein …

Andererseits – eher unwahrscheinlich, aber nicht ganz von der Hand zu weisen – ein Flyer, der aufrütteln soll und dem konservativen Spektrum zuzurechnen wäre.

Wir wissen zum Zeitpunkt freilich nicht, ob hier nächste Woche diesbezüglich noch etwas hochkocht und die allermeisten dieser Zettelchen werden wohl – falls überhaupt gelesen – entsorgt werden. (Achtung: Trotz der Grütze kein Biomüll, also blaue Tonne!)

Nun, egal wer’s zu verantworten hat, jetzt zwei frohe Botschaften:

  • So leicht wie die inhaltliche Kost, so leicht ist auch der Flyer. Er lässt sich problemlos mit einer Hand halten, falls man mit der anderen irgendwo festklebt.
  • Hier beim Heimatwerk ist dieser Flyer ein Heimatbeleg, der archiviert wird. Einige „überleben“ also …

Nachmittag

Die Verteilung der „Frohen Botschaft“ scheint äußert lückenhaft, viele Einsiedler erfahren erst durch diverse Publizierungen von der Hetzschrift.

In der zweiten Nachmittagsstunde distanziert sich die Stadt Chemnitz in sozialen Medien (oben Screenshot Facebook) von dem Flyer.

Später veröffentlichen auch Freie Presse und Tag24 auf ihren Webseiten entsprechende Artikel.

16. Januar 2023

Endlich!

Sieben Jahre und elf Tage nach der Erstbelegung mit zum Großteil muslimischen Einwanderern und Asylbewerbern (5. Januar 2016) erfolgte heute die (auch für heute erwartete) Neubelegung des ehemaligen Pionierlagers „Palmiro Togliatti“ mit afghanischen Immigranten, sog. Ortskräften.

Dazu die Pressemitteilung der Landesdirektion Sachsen vom heutigen Tage:

Landesdirektion Sachsen bringt erste afghanische Ortskräfte in Chemnitz Einsiedel unter

Die Landesdirektion Sachsen hat heute die ersten afghanischen Ortskräfte mit ihren Familien in einer Unterkunft am Dittersdorfer Weg in Chemnitz Einsiedel untergebracht.

Zunächst sind 41 Geflüchtete in die Einrichtung eingezogen, davon 11 männliche, 10 weibliche und 20 Kinder. Insgesamt verfügt das Objekt über 352 Plätze, die vorrangig mit afghanischen Ortskräften und ihren Familien belegt werden sollen.

Diese Ortskräfte haben – im Gegensatz zu Asylsuchenden – bereits mit dem Tag der Ankunft in Deutschland Anspruch auf eine Aufenthaltserlaubnis. Sie sollen zeitnah an die Kommunen im Freistaat Sachsen verteilt werden, sobald dort geeigneter Wohnraum zur Verfügung steht. Die Einrichtung in Chemnitz Einsiedel dient diesen Menschen daher nur vorübergehend als Unterkunft.

Die Einwohner von Einsiedel wurden im Rahmen einer Bürgerinformationsveranstaltung über die Einzelheiten des Betriebes der Unterkunft informiert. Häufig gestellte Fragen im Zusammenhang mit der Unterbringung werden darüber hinaus auf der Internetseite der Landesdirektion (www.lds.sachsen.de/asyl) detailliert beantwortet.

Landesdirektion Sachsen, Pressemitteilungen 2023 [003/2023 – 16.01.2023]

Straßenschild Dittersdorfer Weg Einsiedel