Teuerungseiche Einsiedel

Pflanzjahr 1847

 

Teuerungseiche EinsiedelBei der Teuerungseiche handelt es sich um einen von der Namensgebung her einzigartigen Baum.
Seit vielen, vielen Jahrzehnten erfreut die Eiche, welche in Höhe Einsiedler Hauptstraße 89 steht, alle Vorbeikommenden.

Das Foto links kann wohl als “Historisches Hauptmotiv” gelten, man findet es – auch heute noch – auf unzähligen alten Fotopostkarten und Lithografien.

Die Teuerungseiche wurde im Jahre 1847 gepflanzt. Im Zuge der Industrialisierung im Königreich Sachsen gewann der Ausbau der Infrastruktur immer größere Bedeutung. Ein Projekt war der Umbau der bisher unbefestigten Straße zwischen Altchemnitz und Ehrenfriedersdorf zu einer Chaussee (Landstraße/Schotterstraße), der Abschnitt zwischen Erfenschlag und Einsiedel wurde 1846 begonnen. Aus dem heutigen Verständnis heraus war dieser Straßenbau auch als eine Art “Arbeitsbeschaffungsmaßnahme” zu sehen, dessen Finanzierung vom Königreich Sachsen, der Gemeinde Einsiedel und der
Gräfin von Löwenhielm als Eigentümerin der Grundherrschaft Weißbach/Dittersdorf, zu deren Besitz auch der Ort Einsiedel gehörte, getragen wurde.
Neben dem Bau einer befestigten Straße wurde somit auch der soziale Aspekt “Arbeit” erreicht.

 

 

Man beachte die steinerne Bank am Fuße der Eiche, sie ist zwar etwas versetzt worden, aber 2019 immer noch erhalten.

 

 

 

 

 

Eine Erinnerungstafel an diese Zeit ist vor der Eiche angebracht, sie hat folgenden Wortlaut:

 

Erinnerungstafel an der Teuerungseiche

Erinnerungstafel: Mindestens die zweite ihrer Art

Steinerne Bank neben der Teuerungseiche

Original: Steinerne Bank

Erinnerung
an die Jahre 1846 – 47

Pflanzung der Teuerungs – Eiche

Um den Bedrängten hier Arbeit zu geben,
so rief man den Bau der Straße ins Leben.
Man stillte vielen die Sorge und Not.
Sie hatten nun Arbeit, verdienten ihr Brot.
Es brachten Opfer Gemeinde und Staat,
wodurch für die Armen Arbeit ward.
Die Eiche gepflanzt von kindlicher Hand,
verkünde dem Wanderer im sächsischen Land,
daß wir auch nicht verschont geblieben vor
Teuerung eintausendachthundertvierzig
und sieben. Auch wirkte dabei tätig
mit Kraft die Gräfin – Dank sei ihr,
der edlen Herrschaft.

Einsiedel, der 5. September 1847

 

 

 

Unter dem 9. August 2009 sind wir einer Bitte des “Deutschen Baumarchivs” nachgekommen, welches um eine Vermessung des Stammumfanges einem Meter über dem Boden baten.
Der Umfang der Teuerungseiche betrug an diesem Tag 3,77 m.

 

 

Was der Großvater noch wussteWas der Großvater noch wusste oder die Geschichte am Rande…:

Ende der 1970er Jahre wurde in der DDR – staatlich reglementiert wie immer – das Gold teuer. So kam es, dass daraufhin an der “Teuerungseiche” ein neues Schild hing: “Karl-Grüner-Eiche”. Dies bezog sich auf den Uhrmachermeister Karl Grüner, der im nebenstehenden Gebäude Hauptstr. 89 sein Geschäft betrieb, aber freilich völlig unschuldig ob des höheren Goldpreises war. Der zu Recht erboste Grüner hat das Schild natürlich entfernt … und heute weiß wohl kaum noch einer, wer es wirklich angebracht hatte.

 

 

 

Hintergrundwissen Gräfin Henriette von Löwenhielm:
Renate Auguste Louise Henriette von Schönburg-Forderglauchau wurde am 7. März 1783 geboren. Sie war die einzige Tochter von Carl Heinrich, Graf von Schönburg, Forderglauchau und Wechselburg.
Das Stammhaus Schönburg-Glauchau war ein edelfreies Geschlecht, das 1130 mit Ulricus de Schunenberg erstmals urkundlich erwähnt wird und eine Nebenlinie der Herrschaft von Einsiedel war.
Wohnsitz der Familie war das zwischen 1527 und 1534 erbaute Schloss Forderglauchau, 1945 enteignet. Es gab noch eine zweite Linie, Schönburg-Hinterglauchau, diese starb 1900 aus.
Henriette von Schönburg heiratete am 7. April 1806 den Grafen Gustav von Düben, seines Zeichens königlich-schwedischer Geschäftsträger am K.K. Hofe zu Wien und Capitän (Hauptmann) in der schwedischen Armee.
Der Ehe war nur eine kurze Zeit beschieden, Gustav von Düben fiel am 14. Oktober 1806 in der Schlacht bei Jena gegen die Truppen Napoleons. In der gleichen Schlacht kämpfte auch Heinrich Curt von Einsiedel (Verwandter in Nebenlinie) und wurde schwer verwundet. Er starb 1808 in einem Wiener Lazarett. Da er nicht verheiratet war, gingen auf Grund seines Testaments die Rittergüter Dittersdorf und Weißbach in den Besitz der Henriette von Düben über. Sie schloss 1826 eine zweite Ehe mit dem schwedischen Geschäftsmann Carl Axel Graf von Löwenhielm. Für die nunmehr meist abwesende Gräfin besorgte der Amtshauptmann von Biedermann aus Niederforchheim die Verwaltung der Rittergüter.
Henriette Gräfin von Löwenhielm starb am 20. Mai 1859 in Schweden.

 

 

 

 


Heimatwerk Einsiedel sagt Danke!

 

 

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Die bildlichen und textlichen Inhalte stellen den Stand unserer Veröffentlichung zur Teuerungseiche dar, wie er in der Version 2004, die über zehn Jahre (2004-2014) ausgegeben wurde, publiziert war. Für dieses Objekt liegen in unserem Archiv weitere Fotos vor.

 


 

Einsiedler Hauptstraße

 

 

 

 

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