Die Luthereiche

1883 – Martin Luthers 400. Geburtstag

 

Luthereiche Einsiedel mit Gedenkschild 2006Das Schild des Bürgervereins (oben rechts), 2006 direkt an der Eiche aufgestellt, gibt uns eine erste Auskunft.
Auch der recht große Gedenkstein, unmittelbar an der Eiche gesetzt, lässt als Pflanzdatum den 10. November 1933 vermuten.

Aber dem ist mit großer Sicherheit nicht so.
Im Jahre 1883, zu Martin Luthers 400. Geburtstag, wurden in ganz Deutschland ihm zu Ehren Eichen (meist Stieleichen) gepflanzt. Und so auch wohl diese hier, mitten im Ort an prominenter Stelle.
Bereits Friedrich Hermann Löscher erwähnte 1905 in seinem Buch “Das Zwönitztal im Königreich Sachsen, dessen Umgebung nebst Industrie in Wort und Bild” diesen Baum hier namentlich.
Somit scheidet auch ein weiteres, mögliches Pflanz-Jahr aus: 1917. Anlässlich des 400. Jahrestages der Reformation wurden in Deutschland nochmals einige Luthereichen gepflanzt.

Aber nicht nur 1883, sondern wie wir wissen auch 1871 gab es im Deutschen Reich einen ähnlichen “Pflanzboom”. Anlässlich des siegreichen Krieges 1870/71 gegen Frankreich wurden überall „Friedenseichen“ gepflanzt, auch in Berbisdorf und Einsiedel.

 

 

 

Zu Luthers 450. Geburtstag im Jahre 1933 setzte man schließlich hier in Einsiedel den abgebildeten Gedenkstein vor dem Baum …
… und da steht er, wie eine feste Burg, noch heute.

Luther-Eiche Einsiedel in den 1930er Jahren

Um 1936. (Foto Gottfried Hadam)

Eine feste Burg ist unser Gott, ist Luthers wohl bekanntestes “Kampf-Lied” gegen die weltlichen Verhältnisse und schon beinahe die “Hymne der Reformation”.
Von ihm wahrscheinlich vor 1529 geschrieben und in der Popularität bis heute ungebrochen, nun nachstehend für Interessierte der Text.

Ein feste Burg ist unser Gott,
ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not,
die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind
mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List
sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

Mit unsrer Macht ist nichts getan,
wir sind gar bald verloren;
es streit’ für uns der rechte Mann,
den Gott hat selbst erkoren.

Luthereiche Einsiedel 2006

Der gleiche Anblick wie oben, 1. September 2006.

Fragst du, wer der ist?
Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaot,
und ist kein andrer Gott,
das Feld muss er behalten.

Und wenn die Welt voll Teufel wär
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt,
wie sau’r er sich stellt,
tut er uns doch nicht;
das macht, er ist gericht’:
ein Wörtlein kann ihn fällen.

Das Wort sie sollen lassen stahn
und kein’ Dank dazu haben;
er ist bei uns wohl auf dem Plan
mit seinem Geist und Gaben.
Nehmen sie den Leib,
Gut, Ehr, Kind und Weib:
lass fahren dahin,
sie haben’s kein’ Gewinn,
das Reich muss uns doch bleiben.

 

1939 – 400 Jahre Reformation im albertinischen Teil Sachsens

Aus alten Schriften… und damit auch in Einsiedel. Wir zitieren nachfolgend einen Artikel aus dem „Wochenblatt für Einsiedel“ vom 2. Mai 1939, der, wie wir glauben, recht gut zu dieser Seite passt.

400-Jahr-Feier der Reformation in Einsiedel.
Der 30. April 1939 war von unserer Kirchgemeinde dem Gedenken an die Einführung der Reformation vor 400 Jahren in Sachsen und auch in Einsiedel gewidmet. Der Gedenktag wurde am Vorabend in drei Pulsen eingeläutet. In seiner Predigt im Festgottesdienst ging Ortspfarrer Busch ausführlich auf die Bedeutung der Großtat Luthers für das deutsche Reich ein. „Halte was du hast, auf daß niemand deine Krone nehme!“ An Hand dieses Bibelwortes schilderte er in hinreißender Rede die Macht der lutherischen Lehre, die 1539 nach dem Tode ihres heftigsten Widersachers, Herzog Georg des Bärtigen, siegreich das gesamte Sachsenland eroberte, auch unsere Gemeinde. In der Reihe der evangelischen Pfarrer ist der jetzige Ortsgeistliche der siebzehnte. Aus vollem Herzen stimmt ihm wohl jeder gute Christ bei, wenn er am Schluß seiner Predigt betonte, daß jetzt nach 400 Jahren Luthers Werk noch immer steht, allerdings zwar im heftigen Kampf für und gegen alte überlebte Formen; daß aber aus allem Kampf sich siegreich eine neue Kirche erheben werde, die ebenso wie das neue Reich sich zurückfinden werde zu den Ausgangspunkten germanisch-christlicher Weltanschauung.
Die Hoffnung, daß aus dem gegenwärtigen Streben der Kirche sich leuchtend eine neue junge Kirche emporringen werde, gegründet auf die alten, unzerbrechlichen Fundamente: Jesus Christus – Evangelium – Glaube sprach auch Herr Superintendent Dr. Röseberg-Chemnitz in seinem Gruß an die Gemeinde am Beginn der Feierstunde am Nachmittag aus. Der zur Zeit der Inflation in Einsiedel amtierende Pfarrer Schnerrer (Meißen) gab dann in kernigen, an Luthers kräftige und urdeutsche Predigtart gemahnenden Worten ein Bild von der Einführung der Reformation in Sachsen. Habe Luther als heftigsten Feind den Aberglauben in der mittelalterlichen Kirche bekämpft, so sei gegenwärtig ein noch schlimmerer Feind erstanden: der Unglaube. Und die Wetterhähne, die falschen Schriften und das Unkraut, von denen schon Luther gesprochen habe, die seien auch jetzt wieder am Werke. Gott aber, der das Wunder der Reformation gelingen ließ, wird die Kirche Christi wieder zu neuen Formen und neuem Glanz führen.
Ein Festspiel „Heimkehr zum Evangelium“, von einer Laienspielschar mit geringen Mittel, aber mit viel Liebe geboten, beschloß die Feier.
Der Kirchenchor unter Kantor Poserns Leitung bot schöne Einzelchöre, während der Posaunenchor am Vorabend und beim Festgottesdienst mitwirkte.
Einen Genuß ganz besonderer Art aber vermittelte Herr Organist Helmut Thörner (Chemnitz) an der Orgel. Unter seiner Hand wurde uns wieder einmal bewußt, welch ein prächtiges Meister-Instrument unsere alte Orgel ist, die sich getrost an die Seite der besten Orgeln Sachsen stellen darf. Im Präludium und Fuge in E-dur von Vincent Lübeck und in der Toccata und Fuge in F-dur von Altmeister Bach zeigte Helmut Thörner ein reiches Können. Besonders in den kraftvollen Akkordfolgen der Toccata und im unvergleichlichen Themenaufbau der Bachschen Fuge kam sowohl die Kunst des Organisten als auch die Klangfülle der Orgel zur schönsten Geltung.
Eine überaus zahlreiche Gemeinde nahm an den Feiern innigen Anteil.      O K      [sic]

Unter dem 9. August 2009 sind wir einer Bitte des “Deutschen Baumarchivs” nachgekommen, die eine Vermessung des Stammumfanges einem Meter über dem Boden wünschten. Der Umfang der Luthereiche in Einsiedel betrug an diesem Tag 2,97 m.

 

2017 – 500 Jahre Reformation

Ein Luther-Baum ist nicht genug!

Nun, jedenfalls nicht in Einsiedel. Viele werden es gar nicht wissen, aber am 31. Oktober 2017 (→ 500 Jahre Reformation), wurde auf dem August-Bebel-Platz noch eine Lutherlinde gepflanzt. Die Idee wurde seinerzeit von privater Seite an den Ortschafstrat herangetragen und nach allerlei Verhandlungen und Telefonaten wurde an passender Stelle durch das Grünflächenamt Chemnitz eine junge Linde gepflanzt. Wir haben vom „Loch-ausheben“ bis zum „Angießen“ eigentlich allerhand Fotos und planen, dazu mal eine separate Seite zu erstellen. Indes sollen schon mal hier zwei, drei Fotos an das Ereignis erinnern.

Luther-Linde Einsiedel 2019Oben links der Ortschaftsratsvorsitzende Falk Ulbrich (CDU), der in einer kleinen Einleitung an die Reformation und die Hintergründe zur Pflanzung dieser Linde erinnerte.
Neben ihm Gemeindepfarrer Johannes Dziubek. Weit umfassender seine Rede, die geschichtliche, weltliche und kirchliche Aspekte umfasste und in einem über sechsminütigen Vortrag von den anwesenden Gästen (oben rechts) an dieser kleinen Zeremonie wohlwollend aufgenommen wurde.

Zu dieser etwa halbstündlichen Feierstunde war seinerzeit nicht geladen worden, sondern hauptsächlich wurde diese durch Mundpropaganda bekannt gemacht.

Rechts die Einsiedler Luther-Linde am 22. Oktober 2019.

 

 

 

 

 


Heimatwerk Einsiedel sagt Danke!

 

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Einsiedler Hauptstraße

 

 

 

 

 

2 Comments

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Heimatwerk Einsiedel

Wer´s auch immer geschrieben hat: Danke für den Kommentar.
Und bitte! Gerne!

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