Einsiedler Hauptstraße 73

Ehemalige Ortslistennummer/Brandkatasternummer (nicht bekannt)

Vormals Kolonialwaren & Fischhandel Uhlig

 

Kolonialwaren Uhlig Einsiedel 1916Für das Mehrfamilienhaus in der Einsiedler Hauptstraße 73 liegen leider nur wenig Daten vor.

Bis 1945 befand sich im Erdgeschoss ein Ladengeschäft: “Kolonialwaren und Fischhandel Uhlig”. 
Nebenstehend der Ausschnitt einer Mehrbild-Ansichtskarte, diese lief postalisch am 28. Juni 1916. Etwas früher wurde also das nebenstehende Bild aufgenommen.
Im Adressbuch von Einsiedel 1913 lesen wir unter der Hauptstraße 73:
Uhlig C. A. vw Materialwarenhandlung  
„vw“ steht für „verwitwet“ und wir vermuten, dass sich dahinter die Mutter des jetzigen Geschäftsinhabers Hermann Uhlig verbirgt. Er hat den Laden also übernommen oder geerbt.
Im Adressbuch 1926/27 dann dieser Eintrag unter „Kolonialwaren“:
Uhlig Emma verw. Hauptstraße 73  
Hierbei handelt es sich nunmehr wohl um die Ehefrau von Hermann Uhlig, respektive seine Witwe, die das Geschäft bis 1945 weiterführen wird.

Das Gebäude war bei den anglo-amerikanischen Bombenangriffen auf Einsiedel im Winter 1945 nicht beschädigt worden.
Unmittelbar nach Kriegsende wurde das Geschäft zur Wohnung umgebaut, wohl auch, um dem Mangel an Wohnraum begegnen zu können.

 

 

Für die bis zur Ladenaufgabe 1945 zum Verkauf vorgesehenen lebenden Fische befand sich im Raum ein gemauertes Bassin/Hälterbecken. Restfragmente davon kamen bei Sanierungsarbeiten nach der Wende zum Vorschein und bedurften zwecks Entfernung ungeheurer Kraftanstrengung. Wohl ein Grund, warum 1945 dort nur das abgetragen wurde, was wirklich nötig war.

Links das Haus in einer Aufnahme aus dem Jahre 1959 und unten am 15. Januar 2005.

Ehemals Kolonialwaren Uhlig, seit 1945 Wohnhaus, 2005

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hintergrundwissen Kolonialwaren:
Veraltete Bezeichnung für Lebensmittel, welche meistens auf dem Seeweg nach Deutschland gekommen waren. Der Begriff umfasst nicht nur Waren aus den bis längstens 1918 zu Deutschland gehörenden Kolonien wie z.B. Deutsch-Südwestafrika, sondern allgemein Waren aus Übersee (Kaffee, Reis, Zucker, Kakao, Gewürze, Tee…). In alten Lexica findet sich als Begriffserklärung oft auch der Satz: “Erzeugnisse aus den heißen Zonen”.
Der Begriff „Kolonialwaren“ wurde in der BRD noch bis in die 1970er Jahren hinein verwendet. Es war aber jetzt mehr ein Tante-Emma-Laden mit einem Angebot an Grundnahrungsmitteln und diversem Haushaltsbedarf wie Waschmittel u. ä. statt klassischen Kolonialwaren.

 

 

Eine ergänzungswürdige Seite? Ganz bestimmt sogar! Für weiterführende Daten, Fotos, Berichtigungen, Ergänzungen usw. sind wir dankbar!

 

 


 

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