Einsiedler Brauhaus | 1953 bis 1990

Teil V: VEB Braustolz im Getränkekombinat Karl-Marx-Stadt, Betriebsteil Einsiedel

Verwaltung – Verpachtung – Verstaatlichung – Volkseigen 

1953

Gesetzlich durch die “Verordnung zum Schutze des Volkseigentums“ gedeckt, wird am 20. Januar durch den Rat der Gemeinde Einsiedel der Chemnitzer Kaufmann Karl Erich Friedrich Möschler als treuhänderischer Verwalter des nach wie vor privaten Unternehmens eingesetzt.
In seiner Vollmacht lesen wir: “Die Firma Einsiedler Brauhaus, Winterling & Co., Einsiedel fällt unter die Verordnung zur Sicherung von Vermögenswerten vom 17.7.1952 § 6 und steht unter der Verwaltung des Rates der Gemeinde Einsiedel.“

Der Jahresausstoß 1953 beträgt 59.000 hl.

1954

Einsiedler Brauhaus um 1954Einsiedler Brauhaus 1970 - volkseigenNoch immer prangt die Bezeichnung “Einsiedler Brauhaus AG“ auf dem Dachsims.
Und wird noch weitere 30 Jahre in dieser Form dort stehen, erst 1984 wird das Kürzel “AG“ entfernt.
Die Aufnahme rechts stammt aus dem Jahr 1970.
(Fotos: links Willi Fiebig, rechts Reinhard Volke)

Das Einsiedler Brauhaus, noch nicht volkseigen, auf einer Kleinmesse 1954.Der Jahresausstoß beträgt 1954 80.000 hl, eine erhebliche Steigerung zum Vorjahr und genug, um sich im selben Jahre mit anderen regionalen Brauereien auf einer sogenannten Kleinmesse zu präsentieren.
(Foto: Einsiedler Brauhaus).

1955

Einsiedler Brauhaus (volkseigen): Bau von Einfahrt und PförtnerhäuschenReklameanzeige Einsiedler Brauhaus zur 700-Jahr-Feier 1955Die Einfahrt wird neugestaltet und befestigt und das Pförtnerhäuschen, wie wir es dann jahrzehntelang kennen werden, wird errichtet.
(Foto: Helga Kienert)

Der Jahresausstoß erfuhr erneut eine Steigerung: 83.000 hl.

Im Sommer 1955 stand auch die 700-Jahr-Feier von Einsiedel an. Bezüglich der Ereignisse 1953 lesen wir in der nebenstehenden Reklameanzeige auf der Rückseite der Festschrift zur 700-Jahr-Feier nun “Einsiedler Brauhaus in Verwaltung“.

1956

Jahresausstoß: 85.000 hl.

Unten einige Reklamedrucke der Brauerei aus den 1950er Jahren.
(Vorlagen: Einsiedler Brauhaus)

1957

Der Jahresausstoß beträgt 97.000 hl und bleibt im Folgejahr konstant.
Unten zwei Bilder von den Männern der werkseigenen Feuerwehr, sie dürften etwa im gleichen Zeitraum aufgenommen worden sein.
(Fotos: H+G Einsiedel)

1959

Eingangsbereich des "VEB (K) Vereinigte Brauereien Karl-Marx-Stadt BT Einsiedel” Ende der 1950er JahreEin neuer Rekord beim Jahresausstoß: 101.000 hl.
Trotzdem ist man als reines Privatunternehmen in der sozialistischen Planwirtschaft der DDR benachteiligt. Infolgedessen stellt der Verwalter Möschler beim Rat des Kreises Karl-Marx-Stadt einen Antrag auf staatliche Beteiligung. Dieser lehnt aber ab, da die Eigentümer nicht in der DDR, sondern in Bayern wohnen. Eine Lösung findet sich dennoch: Am 1. Oktober erfolgt die Verpachtung der gesamten Brauerei an den VEB (K) Vereinigte Brauereien Karl-Marx-Stadt. Man firmiert jetzt unter eben dieser Bezeichnung mit dem Kürzel “BT Einsiedel“ am Ende. Die Eigentümer Winterling hatten auf dieses Vorgehen freilich keinerlei Einflussmöglichkeiten.
Den Eingangsbereich in abendlicher Stimmung Ende der 1950er Jahre zeigt uns die nebenstehende Diaaufnahme.
(Foto: Hans Morgenstern)

1960

Einsiedler Brauhaus und "Drei Eichen" in den 1960er JahrenDer Ausstoß kann erneut gesteigert werden und beträgt nunmehr 106.000 hl.

Eine 1960er Jahre-Idylle in Einsiedel zeigt uns das nebenstehende Foto.
Das linke – seinerzeit als Wohnhaus der Brauerei dienende – Gebäude wurde 1994 abgerissen.
Die Fläche diente danach als Parkplatz, bis 2012-13 hier dann durch die Brauerei eine (anfänglich sehr stark diskutierte) Lagerhalle errichtet wurde.
Am rechten Bildrand sehen wir noch das alte Fachwerkhaus der Gastwirtschaft “Drei Eichen“.

1968

Edikett "Haustrunk" (Bierdeputat) des Einsiedler Brauhauses

Haustrunk: Dieses Bier-Deputat wurde in definierten Mengen kostenlos an die Belegschaft abgegeben. Auch heute noch ist dies gängige Praxis, nicht nur im Einsiedler Brauhaus.

In der DDR werden in allen Wirtschaftszweigen sogenannte Kombinate gebildet, so auch der “VEB Getränkekombinat Karl-Marx-Stadt“. Für das Einsiedler Brauhaus ändert sich im Zuge dessen die Firmenbezeichnung erneut und lautet jetzt:
VEB Braustolz Karl-Marx-Stadt, Betriebsteil Einsiedel.
(… eingegliedert im VEB Getränkekombinat Karl-Marx-Stadt.)

Rechts ein Haustrunk-Etikett mit dieser erwähnten Firmierung.

Mit Einsiedel waren im VEB Braustolz noch zwei Karl-Marx-Städter Brauhäuser zusammengeschlossen; die „Schloß-Brauerei“ (Inselstraße 2a) und die „Feldschlößchen-Brauerei Kappel“ (Am Feldschlößchen 18).

1971

Die Einsiedler Brauerei im Winter 1971Der Einfahrtsbereich im Winter 1971.

Links erkennen wir einen Teil des auf dem Brauereigelände liegenden Hauses Hauptstraße 148 mit Werkswohnungen, rechts das Kontorgebäude.
Auch dort sind in der 1. Etage und im Dachgeschoss Wohnungen für die Werktätigen des Brauhauses eingerichtet, nur im Erdgeschoss ist die betriebliche Verwaltung.
(Foto: Erich Hertel)

Bockbier liegt im PlanBrunnenbohrung im Herbst 1971Im Herbst wird auf der Wiese direkt vorn an der Hauptstraße ein Bohrversuch zur Trinkwassergewinnung bis in 80 Meter Tiefe unternommen.
Mangels Ergiebigkeit wird der Ausbau aufgegeben und der Brunnen (… das Loch) wieder zugeschüttet.
(Foto: Einsiedler Brauhaus)

Rechts: Der zu erwartende Bockbierausstoß liegt „im Plan“ …

1972

Das Schicksalsjahr für die mittelständische Privatwirtschaft in der DDR. Durch den Zwangsverkauf an den Staat wird die Familie Winterling endgültig enteignet, das Einsiedler Brauhaus ist jetzt “Volkseigentum“ (VEB – Volkseigener Betrieb).

In den SED-Parteizeitungen liest man nichts von der sich im ganzen Jahre 1972 hinziehenden Verstaatlichung, siehe beispielhaft auch den nebenstehenden Artikel („Blick“ 18. Oktober 1972): “Alles gut! Bockbier heuer gesichert!“
In den Blättern der DDR-Blockparteien werden die Ereignisse allerdings schon im kleinen Rahmen publiziert.

„Volkseigen“ heißt für das Einsiedler Brauhaus aber auch, dass in den nächsten Jahren staatlicherseits sehr umfassende und vor allem teure Investitionen getätigt werden.

Durch die nunmehr 100%ig greifende sozialistische Planwirtschaft und Einbindung in den VEB Braustolz erfolgte eine Spezialisierung der Produktion.
Einsiedel lieferte fortan Flaschenbier und Tankwagenbier („Tankbier“) für den Betriebsteil Kappel und die Niederlage in Geyersdorf bei Annaberg-Buchholz. Geyersdorf war ein reiner Abfüllbetrieb ohne eigene Produktion und gehörte zum Einsiedler Brauhaus.
Die Fassbierabfüllung für die Gastronomie kommt in Einsiedel und Kappel praktisch zum Erliegen, denn das erfolgt  jetzt in der „Schloß-Brauerei“. Ebenso werden dort Limonaden hergestellt, aber eben kein Flaschenbier mehr. Letzteres produziert neben Einsiedel auch „Feldschlößchen“ in Kappel.
In Einsiedel war froh man froh, die völlig veraltete Fassbieranlage ob der schlechten Arbeitsbedingungen ebenda nicht mehr nutzen zu müssen, sie wurde auch sofort demontiert.


Asphaltieren der ehemaligen Fassabfüllung im Einsiedler Brauhaus 1972Das nebenstehende Foto zeigt das Fassbierlager im Februar 1972. Zum Zeitpunkt wird im inneren rechten Teil des Gebäudes, wo vor kurzem noch Fassbier abgefüllt wurde, der Boden asphaltiert. Hier werden in Bälde Drucktanks aufgestellt.
Das Gebäude selbst, wie wir es hier sehen, wird im Frühjahr 1975 komplett abgerissen.

Im Bildvordergrund sehen wir Blechtafeln für neue Gärbottiche. Eine sogenannte „Feierabendbrigade“ hat diese später ins Gebäude getragen, verschweißt und sandgestrahlt – eine Knochenarbeit! Um Lebensmittelechtheit zu garantieren, wurde Epoxidharz aufgebracht.

 

Unten: Im Hof stehen im Februar 1972 drei sowjetische Drucktanks aus Edelstahl und 20 Lagertanks für den Einbau in die vorgesehenen Kellerabteilungen bereit.

1973

Dampfmaschine im volkseigenen Einsiedler Brauhaus, Baujahr 1924… wird die nebenstehend abgebildete Dampfmaschine, Baujahr 1924, demontiert.
(Foto: Reproduktion Einsiedler Brauhaus)
In Betrieb war diese bis 1968, sie diente zur Stromerzeugung.

Auf dem freigewordenem Stellplatz werden drei neue Luftkompressoren, die die Pressluft für die Abfüllanlagen generieren, aufgestellt.
Bis dahin war die Pressluftversorgung dezentral und völlig veraltet, zeitweise wurde der Betrieb mit einem Baukompressor aufrechterhalten.

Gleichzeitig beginnen in diesem Jahr umfangreiche Bauarbeiten für die Heizanlage, die von Kohle auf Heizöl umgestellt werden soll. Dies wird sich zehn Jahre später zum Paradestück sozialistischer Planwirtschaft entwickeln, nur ahnt das zum Zeitpunkt freilich noch keiner.

Vorbereitungen im Heinhaus der Einsiedler Brauerei im Sommer 1973Im Sommer wird der Speisewasserbehälter (Kesselwasser) für die wenige Monate später eintreffenden Heizölkessel geliefert. Dieser muss vor den Kesseln im Heizhaus untergebracht werden, da er sonst an diesen nicht hätte vorbeigebracht werden können.
Auf dem Foto rechts sehen wir den Speisewasserbehälter im Hintergrund (hinter der Leiter), vorn sind schon die Fundamente für die Ölkessel fertiggestellt.

 

 

 


Die beiden Ölkessel, oder richtiger „Dreizugkessel“, werden im Herbst geliefert (unten).
(Fotos: Einsiedler Brauhaus)

Fundamente für Heizöllagertanks im volkseigenen Einsiedler Brauhaus im Sommer 1973Bereits im Sommer 1973 wurden oberhalb des Brauhauses die Fundamente für die beiden Heizöllagertanks gesetzt (rechts).

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Behälter wurden dann ab Oktober 1973 errichtet (unten).
(Fotos: Einsiedler Brauhaus)

Während das Kesselhaus auf die neue Ölfeuerung umgerüstet und umgebaut wurde, erfolgte die Heizung derweil provisorisch mit einem Kohlekessel einer ehemaligen Dampflok, aufgestellt auf dem Hof (Fotos unten).
Ein sehr großer, mit Glaswolle zum Lärmschutz umkleideter Lüfter brachte den nötigen Zug und ging direkt in die Esse. Auch der unverputzte Heizerstand mit Bekohlungsanlage und der Kohlebansen waren Provisorien, die nur dem Übergang dienten.

Diese Übergangslösung bleibt bis September in Betrieb, dann ist im Kesselhaus die Umstellung von Kohle- auf Heizölfeuerung abgeschlossen.
(Fotos: Einsiedler Brauhaus)

Abtransport des Lokkessels aus dem Einsiedler Brauhaus (volkseigen) Auch wenn uns das nebenstehende Foto Glauben macht, der Dampflok-Kohlekessel sei restlos verschlissen, ist dem nicht so.
Der Schwerlasttransport fährt zur Schloß-Brauerei nach Karl-Marx-Stadt, da auch dort die Heizungsumstellung geplant ist …
(Foto: Einsiedler Brauhaus)

Und wenn jetzt der aufmerksame Beobachter sagt: „Er biegt nach rechts ab, nicht Richtung Karl-Marx-Stadt…?“, dann sagen wir: „Richtig, gut beobachtet!“
Die Fahrroute wurde von der Volkspolizei vorgeschrieben, ein Transport durchs Tal war nicht erlaubt. Die Strecke führte über Dittersdorf, Weißbacher Straße, zur Zschopauer Straße und dann in die Stadt hinein.

… weiter 1974

Unten: Im Frühjahr werden die Lagerkellerabteilungen 7 bis 10 aufgestockt.
(Fotos: Einsiedler Brauhaus)

Hubschraubereinsatz zur Montage des Leichtbaudaches im Einsiedler Brauhaus 1974Hubschrauber zur Montage eines Leichtbaudaches über der Brauerei in Einsiedel 1974Es wäre auch heute noch eine Seltenheit, die man fotodokumentarisch für die Nachwelt erhalten sollte – das Einsiedler Brauhaus hat’s schon damals getan:
Per Hubschrauber werden die Binder für das Leichtbaudach am aufgestockten Lagerkeller an ihren Bestimmungsort gebracht und aufgesetzt.
(Fotos: links Einsiedler Brauhaus, rechts Max List, unten Nr. 3 Max List, alle anderen Einsiedler Brauhaus)

Provisorische Flaschenzüge in der Lagerkellerabteilung 10 im volkseigenen Einsiedler BrauhausIm Innern des Flaschenkellerrohbaus sehen wir hier zwei Stahlgerüste auf dem Boden stehen. Im Stockwerk darunter befindet sich die Lagerkellerabteilung 10. Innerhalb der Gerüste wurden zwei Löcher durch die Kellerdecke gebrochen, um die Flaschenzüge, die wir in den Gerüsten sehen, in den darunter liegenden Lagerkeller zu führen.
Die ganze Sache ist rein provisorisch und dient dazu, im unteren Teil neue Lagertanks zu satteln, also zwei übereinander zu stapeln. Die Gerüste wurden danach wieder entfernt und die Löcher verschlossen.

1975

Das Fassbierlager ist seit der Umstellung auf Flaschenbier 1972 obsolet und wird im Frühjahr abgetragen. Der Jahresausstoß 1975 liegt bei 260.000 hl. Man begeht das 90-jährige Betriebsjubiläum.

1977

Neue Flaschenabfüllanlage im volkseigenen Einsiedler Brauhaus um 1981Die neue Abfüllanlage (Foto rechts) geht in Betrieb.

In der Zeitung “Blick“ vom 9. Februar lesen wir:
“Rund 20 Millionen Flaschen Bier mehr pro Jahr können die Werktätigen der Brauerei Einsiedel im Getränkekombinat Karl-Marx-Stadt mit Hilfe einer neuen Abfüllanlage, die kürzlich in Probebetrieb ging, ausliefern. Sie hat eine Stundenleistung von 24.000 Flaschen und ermöglicht es, den Bedarf der Einwohner von Karl-Marx-Stadt sowie der Kreise Zschopau, Stollberg und Karl-Marx-Stadt-Land nach wohlschmeckendem Gerstensaft noch besser zu befriedigen.“
(Foto: Reproduktion des Einsiedler Brauhauses)

Bis zu 10.000 Kästen Bier verlassen die Brauerei täglich.

1979

Der Jahresausstoß wird erneut gesteigert und erreicht jetzt 284.000 hl. Der Großteil des Bieres (ca. 70 %) wird nach Karl-Marx-Stadt geliefert.

1983

Zeitung "Blick", 12. Oktober 1983Das Abwasser des Brauhauses ist mit zahlreichen organischen Bestandteilen angereichert, verbraucht beträchtlichen Sauerstoff, ist umweltfeindlich und wurde bisher nach einer mechanischen Klärung in die Zwönitz geleitet. Im Oktober 1983 geht eine neue Abwasserpumpanlage in Betrieb. Der nebenstehende Artikel im „Blick“ vom 12. Oktober 1983 weist insoweit in der Überschrift und rechten Spalte Fehler auf. Die Abwässer werden mittels Motorkraft auf 110 Meter Höhe vier km weit zwischen Einsiedler Brauhaus und dem letzten städtischen Sammler im Karl-Marx-Städter Netz auf dem Pfarrhübel (Nähe Tierheim) gepumpt und von dort dann durch natürliches Gefälle in einem langen, unterirdischen Rohr in die zentrale Kläranlage in Karl-Marx-Stadt-Heinersdorf geleitet. Was uns der Artikel im “Blick“ mit wenigen Zeilen erklärt, war alles in allem eine Aktion von über elf Jahren Dauer.

Wir empfehlen an dieser Stelle den ausführlichen Artikel im “Einsiedler Anzeiger“ vom Oktober 2012, wo auf diese Abwassertrasse auf Grundlage von Recherchen und Notizen des Einsiedler Braumeisters i.R. Reinhard Volke sehr detailliert eingegangen wird.

Nachfolgend zwei Fotos vom 24. August 2013. Zum Zeitpunkt finden wir auf dem Feld zwischen Körnerhöhe und Berbisdorfer Straße noch immer Relikte dieser Abwassertrasse, die am 29. Januar 1998 außer Betrieb ging, da mittlerweile der Anschluss an das Einsiedler Kanalnetz erfolgt war.

1984

Dampflokbespannter Güterzug in Einsiedel 1982… erfolgt die Rück- bzw. Zwangsumstellung der Heizung von Heizöl auf Brikettfeuerung, nachdem erst 1974 die weit fortschrittlichere Ölfeuerung installiert worden war. Der akute Ölmangel im Arbeiter- und Bauernstaat erreichte nun auch das volkseigene Einsiedler Brauhaus. Die Einsiedler Bürger (die ja eh keine Ölheizung hatten) merkten das freilich auch ohne Brauerei – die “Deutsche Reichsbahn“ setzte seit 1982 wieder vermehrt Dampflokomotiven auch auf der heimischen Strecke ein.
Rechts ein solcher dampflokbespannter Güterzug im Sommer 1982 bei der Einfahrt in den Einsiedler Bahnhof.
(Foto: Gerard van den Hoven)

Anlieferung eines sogenannten Wanderrostkessels für die ausschließliche Verfeuerung von Rohbraunkohle. Interessant an dieser Aufnahme im Kontext mit dem Aufnahmejahr 1984 ist der LKW von Mercedes-Benz, welchen hier das „VEB Kraftverkehrskombinat Karl-Marx-Stadt“ zum Einsatz bringt und der laut Kennzeichen auch hier zugelassen ist. Das Fahrzeug mag uns heute alt erscheinen, war seinerzeit aber recht neu und von der stets an Devisen klammen DDR vermutlich für solche Spezialtransporte angeschafft worden. Ob nur „verdiente Genossen“ diesen Lkw fahren durften, bleibt spekulativ. Gerade hier vorm Brauhaus ist nach rechts hinten zu stoßen, was mehr verlangt als ein Parteibuch …
(Foto: Reinhard Volke)

Unterbau für einen neuen Kohlekessel im volkseigenen Einsiedler Brauhaus in den 1980er JahrenWandaufbruch für neuen KohlekesselWie so oft, musste wieder einmal eine Außenwand großflächig aufgebrochen werden, um den neuen Kessel zu vorgesehenen Platz im Heizhaus zu bringen.
Rechts: Der Unterbau steht zur Kesselaufnahme am vorgesehen Platz bereit. Hinter den Arbeitern sehen wir einen Brikettkessel, der die provisorische „Zwischen-Heizung“ nach Öl- und vor Rohbraunkohleverfeuerung darstellt.
(Fotos: Reinhard Volke)

1985

Brikettablagerung im volkseigenen Einsiedler Brauhaus zwischen 1984 und 86

Der „VEB Kohlehandel“ liefert. Für die Nachbarn meist zur Unzeit …

Von der Heizungs(rück)umstellung von Heizöl auf Kohlefeuerung hatten auch die Umlieger etwas.
Obwohl zum Zeitpunkt noch Restmengen an Heizöl verfeuert wurden, zwangen vertragliche Bindungen die Brauerei zur Abnahme einer bestimmten Menge Kohle, die am Heizhaus gar nicht untergebracht werden konnte. Aus diesem Grund und um zukünftig in den Folgejahren die Wintervorräte unterzubringen, wurde der untere Hof zum Dauerlagerplatz umgebaut. Die „Beton-L“, die die Lagerstätte begrenzen, sind auf den Bildern gut zu erkennen. Der “VEB Kohlehandel“ belieferte das Brauhaus vorzugsweise am Wochenende oder nachts und alles wurde im unteren Hof, also nahe der Hauptstraße, abgekippt.
Die Briketts wurden mit dem Radlader ins Heizhaus gefahren, die dabei am Boden zermahlene Kohle verstopfte – vermengt mit Regenwasser – die Gullys und die schwarze Brühe ergoss sich über Fußweg und Hauptstraße.
Selbstentzündungen waren gar nicht so selten und durch die Rauchentwicklung weithin sichtbar. “
(Fotos rechts und unten: H+G Einsiedel)

Aber es gab in diesem Jahr auch ein besonderes Jubiläum:

1885 – 1985 100 Jahre Einsiedler Brauhaus

Im Zuge dessen wurde die Fassade neu geputzt und gestrichen und das Betriebsgelände anlassbezogen aufgehübscht.
Und selbstredend gab es entsprechende Feiern. Unten rechts ein Schnappschuss von der Seniorenfeier, v.l.n.r. Emil Stölzel, Kellermeister; Rudi Clauß, Braumeister; Dieter Vetters, Technischer Leiter und Curt Grasemann, Laborleiter.

(Fotos: Reinhard Volke)

In die zweite Hälfte der 1980er Jahre …

… fällt dann auch der Rekord-Jahresausstoß: 300.000 hl!
Dieses Ergebnis wurde allerdings nur unter erheblichen Qualitätseinbußen erreicht. Ein geflügeltes Wort wird wohl einigen noch in Erinnerung sein:
“Einsiedler Sterbehilfe“.
Es bezeichnete seinerzeit im Volksmund die Einsiedler Biere mit der unappetitlichen, trüben Färbung und ihrem wässrigen Geschmack.

1988

Abbruch alter Lagerräume im volkseigenen Einsiedler Brauhaus 1988Obwohl eigentlich all die Jahre investiert wurde, ist jetzt noch einmal Großes geplant:

Ein neues Sudhaus

Das bisherige Sudhaus war technisch so verschlissen, dass in naher Zukunft keine Produktion mehr aufrechterhalten werden konnte. Hersteller von Brauereianlagentechnik gab es nur im Westen, die jedoch von der permanent an Devisen knappen DDR nicht gekauft werden konnte. Und so ergab sich der Umstand, auf Behälter der DDR-Chemieindustrie zurückzugreifen, was jedoch eine neue Halle bedingte.
Vielleicht erinnern sich noch einige an den DDR-Propaganda-Slogan: „Räum weg, was hemmt!“ und demgemäß wurden erst einmal alte Lagerräume abgerissen. Wir befinden uns hier im hinteren Hof, denn an dieser Stelle soll das neue Sudhaus entstehen. Der Abrissbagger, von dem wir nur den Arm sehen, steht nahe in der Durchfahrt zur Frontseite des Brauhauses, also Richtung Hauptstraße.

(Alle folgenden Fotos bis Seitenende, wenn nicht anders angegeben: Reinhard Volke)

… müssen die Dachträger abgeladen und in der zukünftigen Halle eingelagert werden. (Foto: Einsiedler Brauhaus)

1989

Einheben eines halben Läuterbottichs in das neue Sudhaus des Einsiedler Brauhauses 1989.Bilder oben: Ein Läuterbottich, hergestellt in der ČSSR, wird geliefert. Seine zukünftige Aufgabe ist das Trennen der Spelzen (Treber) von der Würze.
Die Anlieferung erfolgt in zwei Teilen, damit er sowohl transportiert als auch ins Gebäude eingesetzt werden konnte (Foto rechts), die Hälften sollten dann eigentlich im Innern verschweißt werden.
„Sollten“ heißt, dass ob der Wendewirren und damit einhergehender Umstrukturierung der Läuterbottich im Frühjahr 1991 wieder ausgeräumt und im Zuge der Sanierung des alten Sudhauses nach ebenda versetzt wurde.

Neue Sudgefäße werden 1989 im volkseigenen Einsiedler Brauhaus an ihrem Bestimmungsort aufgestelltAbladen eines neuen Sudgefäßes in der Brauerei Einsiedel 1989Aber erstmal schreiben wir noch 1989 und die Wassertanks treffen einzeln und sukzessive ein. Zwei Autokräne heben die Fracht gleichzeitig vom Tieflader, der auf dem Mercedes des „VEB Kraftverkehrskombinat Karl-Marx-Stadt“ aufgesattelt ist, welcher 1984 im Zuge des Umbaus auf Rohbraunkohleverfeuerung den Wanderrostkessel transportiert hatte.
Die Wassertanks werden senkrecht gestellt.

Ein Blick in die neue (marktwirtschaftliche) Zukunft verrät uns, dass das Sudhaus so wie hier geplant nie in Betrieb gehen, die Halle aber fertig gebaut wird …


Heimatwerk Einsiedel sagt Danke!

 

 

Für die Unterstützung zu dieser Seite bedanken wir uns bei:

  • Reinhard Volke, Braumeister i.R.
  • Einsiedler Brauhaus

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