Harthauer Weg 5

Die vier Einsiedler Schulen

Die vier Einsiedler Schulen auf einer recht bekannten Lithografie aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts.

  • Wir sehen oben links die sogenannte „König-Schule“, umgangssprachlich benannt nach einem Lehrer mit dem Namen König. Das Gebäude ist heute ein Mehrfamilienhaus und postalisch der Kirchgasse 5 zugeordnet. Für weitere Details siehe ebenda.
  • Oben rechts die „Kirchschule“, so genannt, da das 1829 fertiggestellte Gebäude in seiner Funktion als Schule von der Kirche betreut wurde. Hier muss angemerkt werden, dass das Volksschulwesen seit Jahrhunderten der Kirche oblag. Auch dieses Gebäude hat sich bis heute erhalten … die meisten kennen es als „Kantorat“. Es befindet sich unterhalb der Kirche in der Kirchgasse 6.

Kommen wir aber nun zum eigentlichen Teil dieser recht großen Seite und befassen uns sogleich mit der links unten abgebildeten „Dritten Schule“ oder damals: „Alten Schule“.

Per Gesetz bestimmte das Königreich Sachsen im Jahre 1835, dass fortan das gesamte Schulwesen den jeweiligen Gemeinden oblag. Diese trugen dann die Verantwortung für alle damit im Zusammenhang stehenden Angelegenheiten, die mit dem Bau der Schulen begannen und über deren Unterhaltung und die Überwachung der achtjährigen Schulpflicht bis zur Bezahlung der Lehrer reichten. Die Gemeinden bildeten dazu sogenannte Schulvorstände, denen lag dann die Aufsicht über diese Volksschulen ob.

3. Schule Einsiedel um 1902

Ende der 1860er Jahre zeichnete sich in Einsiedel ab, dass die oben erwähnte König-Schule an die Grenze ihrer Kapazität gelangte. So beriet man im Gemeinderat 1872 über den Neubau einer Schule. Es sollte ein großes Schulhaus mit acht Klassenzimmern werden.

1873 kaufte man dafür vom Pfarrlehn die Parzelle Nr. 142 für 400 Taler und die Parzelle Nr. 147 für 600 Taler.
Am 7. August 1873 war die Grundsteinlegung. Die Übernahme der Schule erfolgte am 16. Oktober 1874.
Hierbei gab es auch gleich Diskrepanzen mit dem Baumeister Robert Schober. Man fand das außerhalb liegende Abtrittsgebäude nicht in Ordnung, da von diesem eine starke Geruchsbelästigung ausging. Restzahlungen an Schober wurden erst mal auf Eis gelegt, da auch die geschätzten Gesamtkosten von 4.000 Talern beträchtlich überschritten worden waren.

Einsiedler 3. Schule Kirchgasse 10 um 1903

Mit dem neuen Schulgebäude waren jetzt allerdings die Voraussetzungen geschaffen, um alle acht Klassenstufen in einzelnen Zimmern zu unterrichten. Postalisch fanden wir die Schule damals übrigens unter der Kirchgasse 10.
Links und auch auf dem Bild darüber sehen wir zwei Lithografien vom Schulgebäude neben der Kirche, beide etwa um 1900.

Zu dieser Zeit erreichte die Einsiedler Bevölkerung ein weiteres Wachstum, so dass sich bereits abzeichnete, dass die nunmehr 25 Jahre alte Schule bald nicht mehr für die Einsiedler Kinder ausreichen würde.
Der ursprüngliche Gedanke, das bestehende Gebäude durch einen Anbau zu erweitern, wurde alsbald fallen gelassen und ein Neubau geplant.

Klassenraum mit Gasbeleuchtung

Ein Klassenraum nach 1900, man beachte die Gasbeleuchtung.
(Foto: Jürgen Krauß)

Die Einsiedler Schulen vor 1945, Sicht von Am Plan

Am 14. Januar 1902 besichtigt der Schulvorstand das künftige Baugelände und stellt am 17. Februar d. J. einen Antrag auf Schulneubau bei der königlichen Bezirksschulinspektion zu Chemnitz.

Der Architekt Wenzel Bürger, welcher den Neubau geplant hatte, wird von der Bezirksschulinspektion zusammen mit dem Einsiedler Schulvorstand am 14. April 1902 zu einer mündlichen Erörterung eingeladen. Man behandelt hier das Bauplatzproblem, die Größe des Neubaus und die Winkelstellung von alter und neuer Schule.

Wenzel Bürger hatte sein Projekt bis ins Detail ausgearbeitet und am 28. Juni 1902 zur Genehmigung bei der königlichen Amtshauptmannschaft in Chemnitz eingereicht. Diese genehmigte den Bau einen Monat später, am 28. August.
Am 12. Dezember 1902 erhielt der Einsiedler Schulvorstand einen Kredit von 130.000 Goldmark zur Finanzierung des Projektes. Letztlich werden die Kosten geringer ausfallen und 118.085,96 Mark betragen.
Das oben stehende Foto (um 1930) zeigt uns deutlich die spätere Winkelstellung der beiden Schulgebäude.

Neue Schule Einsiedel, frühe Lithografie

2. Oktober 1902
Die Grundsteinlegung wird mit einem Festakt begangen und bereits am 12. Dezember des gleichen Jahres kann das Bauheben gefeiert werden. Mit Beginn des Jahres 1903 erfolgt der Innenausbau. Alle Räume erhielten Parkettböden, die von einer Weimarer Spezialfirma verlegt wurden. Die eingebaute Niederdruckdampfheizung war zu damaliger Zeit der Höhepunkt der technischen Innovation in diesem Segment.

Neue Schule Einsiedel 1905

Am 24. September 1903 ist die Schule fertiggestellt und wird feierlich eingeweiht. Schulleiter, Lehrer und zu diesem Zeitpunkt 821 Kinder begehen dieses Ereignis mit einem Schulfest.
Dieses Gebäude mit seiner enormen Ausschmückung der Fassaden, mit dem Turm und der hohen Fensterfront zeigt uns deutlich die finanzielle Leistungsfähigkeit der Gemeinde Einsiedel am Beginn des 20. Jahrhunderts.
Drei Jahre vorher war erst das ebenso prächtig gestaltete Rathaus eingeweiht worden.

 Einsiedel für Mädchenklassen

Im Jahre 1912 hatte die Schule ungefähr 830 Kinder und bestand aus sieben Volksschulstufen mit zwei bis drei Parallelklassen. Einzelne Klassen wiesen Stärken von bis zu 30 Kindern auf.
Direktor ist Otto Robert Uhlig, ihm stehen neun festangestellte und drei Hilfslehrer zur Seite. Weiterhin eine Handarbeitslehrerin und eine Kochschullehrerin. Letztere sehen wir hier auf dem Foto links im Jahre 1916 in der Schulküche im Kellergeschoss.
In Handarbeit und Kochen wurden nur die Mädchenklassen unterrichtet.
(Foto: Heinz Mütze)

1912 wurde auch die große und repräsentative Schulturnhalle fertiggestellt.
Siehe dazu den ergänzenden Artikel: Schulturnhalle Einsiedel

Schulklasse in Einsiedel
Einsiedler Schulklasse

Zwei von unzähligen Klassenfotos, die im Laufe so vieler Jahrzehnte aufgenommen wurden.
(Fotos: links Klaus Gagstädter, rechts Heinz Mütze)

Beide stammen wohl aus den 1910er Jahren. Die Anordnung, will sagen, die Gruppierung vom Lehrer in der Mitte, auf einem Stuhl thronend, umgeben von seiner Klasse, entsprach dem Zeitgeist. 

Es handelt sich um Studioaufnahmen eines professionellen Fotografen, wahrscheinlich Hermann Förster, Kirchgasse 1. Der verrutschte Teppich auf dem Foto rechts sollte da nicht vorkommen …

Neue Schule Einsiedelin den 1920er Jahren

Aus dem Jahre 1920 stammt die nebenstehende Postkarte.
Zu dieser Zeit war die Schülerzahl auf 550 gesunken. Sie stieg bis 1932 wieder auf 694 Kinder.

Vieles änderte sich mit der am 30. Januar 1933 an die Macht gelangten Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Im gesamten Reich erfolgte ab sofort die Bildung im nationalsozialistischen Sinne. Die Mädchen und Jungen organisierte man in der Hitlerjugend und im BDM.

Freilich war der Lehrstoff in Schule und Jugendorganisation auf die Machthaber im Staate zugeschnitten.

Schule Einsiedel Jahrgang 1926

Links der Jahrgang 1926, die Klasse 4 im Jahre 1936, daneben die Jungmädelgruppe auf dem Schulhof, ebenfalls 1936.
(Fotos: links Ingobert Rost, rechts Gabriele Hähle)

Jungmädelgruppe in Einsiedel 1936
Schule Einsiedel: Klasse 5b 1934

Ein Klassenfoto, es datiert auf den 19. März 1934.
(Foto: Torsten Eisen)

Kremser an der Einsiedler Schule

Einige Klassenzimmer im Schulgebäude wurden einem bestimmten Thema zugeordnet und entsprechend ausgestaltet.
Es gab ein „Wehrmachtszimmer“, ein „HJ-Zimmer“ und ein „Jungfliegerzimmer“.

Links ein Festwagen vor dem Schulgebäude, welcher mit Girlanden und allerlei Symbolik des Dritten Reiches geschmückt ist. Die zugrunde liegende Feierlichkeit ist nicht bekannt.
(Foto: Torsten Richter)

Werbung für den "Österreich-Anschluss" 1938 an den Einsiedler Schulen

Der Standort der Schule oben auf dem Berg, vom Ortszentrum aus gut sichtbar, prädestinierte das Gebäude geradezu für Propagandazwecke.
Das Foto hier links zeigt uns die Schule mit Werbebannern zur Volksabstimmung für den Anschluss Österreichs am 10. April 1938.

Schulmusik März 1941 in den Einsiedler Schulen

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges änderte sich vieles, unter anderem wurden fünf Lehrer zur Wehrmacht eingezogen. Um diesen Mangel zu kompensieren, wurden Klassen zusammengelegt.
Ein Mangel an Kohlen bedingte im Winter 1940/41 eine Schließung der Schule bis in den April.
Indes … die Kultur kam offensichtlich trotzdem nicht zu kurz: Schulmusik im Jahre 1941.
(Foto: Jürgen Krauß)

Das Kellergeschoss im Schulgebäude diente später im Krieg als Luftschutzkeller. Viele Einsiedler machten sich auf den Weg dorthin, wenn im Radio die Musik abbrach und der Sprecher verkündete, dass Bomberverbände über Braunschweig und Hannover ins Reichsgebiet eingeflogen waren. Nun folgte ein monotones „tack – tack – tack …“ aus dem Radio und jeder machte sich bereit, Unterschlupf vor dem Bombenterror zu suchen, auch wenn das Ziel dieser Verbände in diesem Augenblick noch nicht absehbar war.

Löschübung Feuerwehr Einsiedel an der Schule im Dritten Reich

Links auf dem Foto sehen wir eine Feuerwehrübung Ende der 1930er Jahre am alten Schulgebäude. Doch mit dem flächendeckenden Angriff am 5. März 1945 wurden derartige Löscheinsätze Makulatur. Wenn ein ganzer Ort brennt, zeigt sich die Machtlosigkeit der Feuerwehr deutlich, auch wenn deren Einsatzwille selbstverständlich unbestritten ist…
(Foto: Doris Großmann)

Mit Fortschreiten des Krieges und der ständig forcierten Zunahme der Bombardierungen des Reichsgebietes wurde das alte Schulgebäude ab 1941 Unterbringungs- und Unterrichtsraum für Schüler, die im Zuge der Kinderlandverschickung (KLV) nach Einsiedel kamen.

Über die Einsiedler KLV-Zeit liegen Daten und Dokumente sowie ein sehr interessanter Zeitzeugenbericht vor, zu erreichen durch Click auf das Propagandaplakat.

Ruinen in Einsiedel, Zeichnung von Walter Viertel 1945

Die Zeichnung rechts vom Dezember 1945 verdeutlicht uns eindringlich das Erbe dieses Krieges: das alte Schulgebäude völlig zerstört, das neue fast unbeschädigt. Hier waren durch die Druckwellen Türen und Fensterscheiben zu Bruch gegangen und ein Teil des Daches war zerstört … Geringfügigkeiten, wenn man sich die anderen Gebäude im Ort ansah.
Der Schulunterricht kam zum Ruhen und wurde erst am 1. Oktober 1945 unter katastrophalen Bedingungen wieder aufgenommen.
(Zeichnung: Walter Viertel)

Den Einsiedler Heimatforscher Richard Möbius holte man aus dem Ruhestand zurück, er wurde neuer Direktor. Zwei Lehrer waren im Kriege gefallen, alle anderen fielen der nun einsetzenden Entnazifizierungswelle bis Ende 1945 zum Opfer und wurden entlassen. Ein weiterer älterer Lehrer wurde Möbius zur Seite gestellt, sukzessive kamen sogenannte Neulehrer (… ohne pädagogische Erfahrung) dazu.

Erneut fiel der Unterricht vom Dezember 1945 bis Februar 1946 aus, Kohlemangel und fehlende Fensterscheiben waren die Ursache. Dies sollte in den Folgejahren noch öfter vorkommen. Die Kinder holten sich ihre Aufgaben dann nach Hause, um sie dort zu erledigen.

Scule Einsiedel, Geburtsjahrgang 1940

Der allgemeine Mangel an allem war bis 1948 deutlich zu spüren, dann entspannte sich die Situation geringfügig. Richard Möbius ging Anfang dieses Jahres endgültig in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Heinz Hermann.

1949 erhielt die Einsiedler Schule den Namen „Carl von Ossietzky”.
Das Foto zeigt den Jahrgang 1940 als Klasse 5 etwa im Jahre 1950. Sämtliche Personen auf diesem Foto sind identifiziert.
Der abgebildete Lehrer, Wilfried Neubert, siedelte im August 1960 mit seiner ganzen Familie in die BRD über und lebte fortan in Iserlohn.

Schulanfang 1955
Schule Einsiedel 1955

Links:
Schulanfangsfeier 1955.

Die Reste der Grundmauern der im Krieg zerstörten alten Schule, deren Trümmer aber längst abgetragen waren, sind hier noch gut erkennbar.
(Foto: Christine Franke)

Rechts das Schulgebäude ebenfalls im Jahre 1955.
(Foto: Hans Morgenstern)

Die 1950er Jahre waren geprägt von umfassenden Veränderungen in jedweder Hinsicht, diese betrafen keineswegs nur den Schulsektor in Einsiedel.

Schulneubau Einsiedel 1960-61

Bereits in den 1950er Jahren und dann 1965 durch das „Gesetz über das einheitliche sozialistische Bildungssystem“ wurde das Bildungssystem in der DDR grundlegend reformiert. Es entstand die allgemeinbildende „Polytechnische Oberschule“ (POS), vorerst mit acht, ab Anfang der 1970er Jahre mit zehn Klassenstufen. 1960 bis 61 erfolgte auf dem Standort der ehemaligen Dritten (… der „alten“) Schule ein Schulerweiterungsbau, der 1962 vom Kreisschulrat an die Gemeinde übergeben wurde.

Schulneubau Einsiedel 1960

Dieser Erweiterungsbau ist ausreichend dokumentiert.
Links die frühe Phase, die ersten Mauern sind im Entstehen.
(Foto: Torsten Richter)

Rechts: Vom Kirchturm aus aufgenommen (… der zum Zeitpunkt auch eine neue Turmhaube bekam). Das zweite Stockwerk wird errichtet.
(Foto: Hans Morgenstern)

Schulneubau Einsiedel, von der Kirche aus fotografiert
1961: Schulneubau und Neubau des Kirchturmes in Einsiedel

Der Rohbau ist fast fertig. Hier auch noch einmal gut zu erkennen der unabhängig vom Schulneubau zeitgleiche Bau der Einsiedler Kirchgemeinde mit der Wiedererrichtung des Kirchturmes.
(Foto: Bernd Obermaier)

Einsiedler Schulen: Der Rohbau der neuen Schule ist fertig

Links der Rohbau im Jahre 1961. Zum Zeitpunkt fehlt noch der Verbindungsbau zwischen den beiden Gebäuden.
(Foto: Jürgen Bongardt)

Nachfolgend die Schulgebäude mit dem Verbindungsbau, unten links Ende der 1960er Jahre. (Foto: Willi Fiebig)
Dieser Verbindungsbau wird in späteren Jahren noch einmal aufgestockt und beherbergt fortan das Direktorenzimmer. (Unten rechts am 15. Juni 2008.)

Verbindungsbau zwischen den Einsiedler Schulen, erste Ausbaustufe
Die Einsiedler Schulen vom Dach des Einsiedler Brauhauses aus im Juni 2008

 

Michael Morgner: Die mythologische Figur des Prometheus in einem Bleiglasfenster in der Schule Einsiedel

An der Vorderfront dieser Aufstockung schuf 1970 der Einsiedler Künstler Michael Morgner die mythologische Figur des Prometheus in einem Bleiglasfenster (Bild oben rechts). Die damaligen Kinder wählten aus mehreren Entwürfen das entsprechende Motiv aus.

Schulanbau von 1976 im Juni 2006

Am 22. April 1976 wurde ein weiterer, neu errichteter Anbau an der Rückseite (Westseite) der beiden Schulen übergeben.
In dem Anbau befanden sich im Kellergeschoss der Schulhort, im Erdgeschoss ein Klassenraum (vorrangig für die Fremdsprachen Russisch und Englisch) und im Obergeschoss die Hausmeisterwohnung und die Toiletten. Das Foto links ist vom 5. Juni 2006.

Sanierungsarbeiten am Anbau 2010
Sanierter Anbau an den Einsiedler Schulen 2012

2010 begann eine umfassende Sanierung dieses Anbaus, links eine Aufnahme vom 18. April 2010.

Rechts der fertig sanierte Anbau am 29. Januar 2012.

Deutlich erkennen wir die Umrisse des Gebäudes vor der Sanierung, die sich an der Mauer der alten Schule abzeichnen.

Die Verschmälerung des Übergangs zwischen den beiden Gebäuden wurde im Hinblick auf die historische Bausubstanz der alten Schule gewählt. Die zwei nunmehr wieder freigelegten Fenster dort sollen bei einer geplanten Sanierung dieses Hauses erneut nutzbar werden.

Altes Abtrittsgebäude hinter der Einsiedler Schule
Freifläche, wo früher das alte Abtrittsgebäude stand

In diesem vorstehend beschriebenen Anbau gab es von 1976 an nun endlich moderne Toiletten innerhalb des Schulgebäudes und das über 100 Jahre alte Abtrittsgebäude wurde abgerissen.

Oben links sehen wir diese alte Toilettenanlage auf einem Foto etwa um 1940 (Feuerwehrübung), daneben die gleiche Stelle am 5. Juni 2006. (Foto links: Doris Großmann)

Mit dem Ende der DDR 1990 endete auch die Ära der POS, es gab ab sofort wieder in Einsiedel eine Grund- und eine Mittelschule, aber eben nur vorerst…

Die Dächer beider Schulen waren zu diesem Zeitpunkt in schlechtem Zustand, der Turm der alten Schule wegen Baufälligkeit gesperrt. Schlimmer noch war der nun einsetzende Hickhack um die Mittelschule. Vorerst mit Sitz in Dittersdorf (Außenstelle Einsiedel), später, 1994 im Zuge der Kreisreform als Außenstelle zu Burkhardtsdorf gehörend, kam Einsiedel 1997 zur Stadt Chemnitz und wurde Außenstelle der Mittelschule Harthau.
Mit dem Schuljahr 2001/02 lief aufgrund viel zu geringer Schülerzahlen die Mittelschulausbildung in Einsiedel aus. Fortan wurden nur noch die Grundschüler der Klassenstufen 1 bis 4 in diesen Gebäuden unterrichtet.

Gebäudefront 2012

Und so schleppte sich die Einsiedler Schule von Jahr zu Jahr. Die Gefahr, komplett geschlossen zu werden, tauchte immer wieder neu auf und immer wieder gab es einen Ausweg. Mangelnde Kinderzahl, Direktiven aus dem Dresdner Kultusministerium und Entscheidungen des Chemnitzer Stadtrates (z. B. Gliederung der Schulbezirke) ließen all die Jahre keine Ruhe aufkommen.

Erinnerungstafel 100 Jahre Einsiedler Schule

2003 konnte das 100-jährige Jubiläum begangen werden, zehn Jahre später nagt an der kleinen Gedenktafel an der Gebäudevorderfront schon der Zahn der Zeit.

Modernisiertes Geländer 2011
Bautafel an der Grundschule Einsiedel 2014

Trotzdem wurden aber auch immer wieder kleine Arbeiten und Instandsetzungen durchgeführt. Hier nebenstehend die Erneuerung des Geländers (Foto vom 29. Januar 2012), welches Neues und Modernes mit dem Alten (die Mittelsegmente) verknüpft.

Für das Jahr 2014 wurde schließlich eine umfassende Sanierung vieler Häuserteile, primär der Fassaden an beiden Gebäuden, angekündigt … die auch erfolgte. Rechts die entsprechende Bautafel, unten zwei Aufnahmen vom 21. September 2014.

Sanierte Vorderfront der Alten Schule in Einsiedel 2015
Repräsentativ: Ein Foto vom 21. Februar 2015, zum Zeitpunkt sind die Arbeiten an den Gebäuden aber noch nicht abgeschlossen.

24. März 2017, ein Freitag. Gegen 12:10 Uhr gab es eine Bombendrohung gegen die Grundschule. Obwohl der Unterricht bereits beendet war, befanden sich noch etwa 90 Hortkinder im Gebäude. Der Schreck und das Entsetzen waren berechtigterweise groß, gefunden wurde – wie meist in solchen Fällen – nichts.
Ausführlicher berichtet die Freie Presse dann am Folgetag noch einmal von dem Vorfall und zitiert eine namentlich benannte, zum Zeitpunkt 47-jährige Mutter. Diese trägt vor, dass es zu ihrer Schulzeit auch schon Bombendrohungen gegeben und sie sich als Kind über den Unterrichtsausfall gefreut habe. Heute sehe sie dies natürlich anders.
Nun stellt sich die Frage: Wo ist diese Frau zur Schule gegangen? In Einsiedel sicher nicht! Im Laufe unserer zehn Schuljahre hier gab es mehrere Feueralarme, manchmal auch mit „Rauchbomben“, sämtlich geplant und ausgeführt als Übung.
Aber freilich waren auch uns der Unterrichtsausfall und die Abwechslung willkommen.


Nachfolgend wollen wir uns die Einsiedler Schulen noch mal in einer kleinen Sammlung von Aufnahmen betrachten, die sämtlich von der Einsiedler Neuen Straße aus aufgenommen wurden. Die Anzahl der Motive, alle unterschiedlich und doch recht ähnlich, ist ungezählt. Manche gingen zu früheren Zeiten als Postkarten ihren Weg in die weite Welt, andere sind ein über so viele Jahrzehnte beliebtes Fotomotiv, das immer und immer wieder aufgenommen wird …

Blick zur Schule Einsiedel um 1910

Ansichtskarte aus den 1910er Jahren. Etwas weiter südöstlich der Neuen Straße aufgenommen, denn diese gab es zum Zeitpunkt noch gar nicht.
(Vorlage: Jürgen Krauß)

Schulen Einsiedel mit Werbebanner für den Österreichanschluss

Links eine Aufnahme aus dem Jahr 1936.

 

Rechts ein Foto von 1938, die Schulen mit
Werbebannern für den Österreichanschluss.

Schule Einsiedel 1953: 50 Jahre

Diese Diaaufnahme ist aufgrund der am Turm angebrachten „50“ recht gut auf das Jahr 1953 datierbar.

Das Fehlen des alten Schulgebäudes ist deutlich erkennbar, auch der Kirchturm trägt nur eine Notbedachung.
(Foto: Willi Fiebig)

Zentralschule Carl-von-Ossietzky Einsiedel in den 1950er Jahren

Eine Ansichtskarte aus den 1950er Jahren.
(Vorlage: Jürgen Krauß)

Schule Einsiedel, Diaaufnahme aus den 1950er Jahren
Einsiedler Schule und Kirchturm mit Notbedachnung

Zwei weitere Aufnahmen aus den 1950er Jahren. (Fotos: links Willi Fiebig, rechts H+G Einsiedel)

Einsiedel 1961: Die neue Schule ist fertiggestellt

Die 1960er Jahre – die neue Schule ist fertiggestellt.
(Foto: Willi Fiebig)

Ansichtskarte aus den 1970er Jahren
Sehr bekannte und weite verbreitete Postkarte der Einsiedler Schulen

Zwei Fotopostkarten aus den 1970er Jahren. Vor allem das rechte Motiv ist bekannt, diese Karten liefen bis weit in die 1980er Jahre.
(Vorlage links: Gabriele Hähle)

100 Jahre (Alte) Schule in Einsiedel 2003

23. Dezember 2003 – das alte Schulgebäude im 100. Jahr.
(Foto: Karl-Heinz Hähle)

Die Einsiedler Schulen im Mai 2006

28. Mai 2006.

Es gibt noch unzählige andere Aufnahmen, selbst im Archiv des Heimatwerkes Einsiedel liegen noch viele weitere derartige Bilder vor.
Lassen wir es an dieser Stelle gut sein und enden mit einem „Regen-Bild“, denn das hatten wir noch nicht …


Heimatwerk Einsiedel sagt Danke!

Passende, ergänzende Artikel zu dieser Seite:


Artikel aus der Version 2004

Diese Seite wurde aus der Ursprungsversion (www.einsiedel.info, ab 2004), die seinerzeit mit einer speziellen Software gestaltet worden war, fast identisch übernommen. Es kann hierbei manchmal zu Darstellungsproblemen kommen, in erster Linie deshalb, weil die eingefügten Bilder kleiner sind als die Aufnahmen, die wir seit dem Wechsel des Layouts bei allen neueren Seiten einfügen.

Die meisten bildlichen und textlichen Inhalte stellen den Stand unserer Veröffentlichung zu den Einsiedler Schulen dar, wie er in der Version 2004, die von 2004 bis 2014 ausgegeben wurde, publiziert war. Für den Bereich „Schulen“ liegen in unserem Archiv viele weitere Fotos oder Belege vor.


Harthauer Weg Einsiedel

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